Ab wann hat man eine schlechte Kindheit?

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8 Antworten

Dafür gibt es keine Skala. Und niemand hat das Recht, jemandem zu sagen, er/sie solle sich doch nicht so anstellen. Natürlich gibt es immer jemanden, der es objektiv schlechter hat im Leben. Frauen, die in Syrien leben, vom IS entführt werden, haben es sicherlich schlechter.

Aber das heißt nicht, dass man einem anderen Menschen ausreden darf, sich schlecht zu fühlen.

Allerdings ist man irgendwann trotzdem für sein Leben verantwortlich. Es bringt einen nicht weiter, wenn man sagt: mir geht es schlecht, weil ich als Kind missbraucht wurde und darum tue ich jetzt nichts, um an meinem Leiden etwas zu ändern.

Das Verzeihen der Untaten, die man als Kind erlitten hat, kann allerdings erst am Ende einer langen Therapie stehen und erst dann, wenn man alles verarbeitet hat. Aber eine Therapie kann auch erfolgreich sein, wenn das Verzeihen nicht möglich ist.

ABer einem Menschen zu sagen: "Man muss auch mal loslassen und verzeihen können", steht niemandem zu und der Satz erinnert sehr an: "jetzt reiß dich mal zusammen. Anderen geht es viel schlechter."


Es gibt eine (scheinbar) objektive Aussenseite und eine Innenseite. Wenn man fuer die Kindheits-Vergleiche nur die aeusseren Umstaende nimmt, wird man sich bald fragen, warum Menschen mit aehnlichen Erlebnissen gluecklich oder ungluecklich waren oder geworden sind.

Aufschlussreicher finde ich die Innenseite, die zum Beispiel davon abhaengt, ob jemand ein Entwicklungstrauma erfahren hat, ob jemand von seinem Charakter her leidensfaehiger ist oder wie sensibel jemand ist.

Ein Entwicklungstrauma beispielsweise ist relativ unsichtbar. Da genuegt es, als Baby schreiend allein gelassen zu werden, weil die Eltern keine Geduld oder Zeit mehr haben. Oder emotionale Vernachlaessigung oder emotionale Misshandlung, das wird dem Betreffenden meist erst Jahrzehnte spaeter bewusst, was er da eigentlich mitgemacht hat. 

Oder aufbrausendes Verhalten der Eltern, wobei dem Kind koerperlich nichts geschieht, aber es weder die Situation erwartet hat noch die Tatsache zum anderen hintun kann. Das Kind hat dann nur Angst und fuehlt sich selbst in seiner Ohnmacht dafuer auch noch schuldig.

Schlimm werden diese Erfahrungen vor allem dann, wenn sie sich oefter wiederholen und wenn es keine ausgleichenden Ressourcen gibt wie weitere Bezugspersonen, gute Freunde, Hobbies, Entspannung, Sport, Erfolgserlebnisse,...

Ich glaube, so dramatisch empfindet man das nicht. Man weiss ja, dass jeder seine eigenen Gefühle und Empfindungen hat., seine Kindheit anders beurteilt als das vielleicht ein Aussenstehender tun würde.Mein Bruder und ich, wir hatten wirklich eine schreckliche Kindheit. Wir sind von unserem Vater (einem Mann, der diesen Namen wirklich nicht verdient hat, ich rede auch schon seit vielen Jahren immer nur vom Mann von meiner Mutter, wenn ich von ihm rede) immer wieder brutal verprügelt worden, auch mit Gegenständen. Er hat z.B. mal mit einer zusammenklappbaren Trittleiter auf meinen Bruder eingeschlagen oder hat ihm ein Kofferradio auf den Kopf gehauen. Ich weiss noch heute, wieviel Angst wir hatten vor diesem Kerl. Diese schlimme Kindheit hat bei uns auch  Folgen für unser weiteres Leben gehabt. Ich habe deswegen einen Sprachfehler und konnte nicht in meinem erlernten Beruf arbeiten.  Bei meinem Bruder war es noch schlimmer, er ist durch diese Horrorkindheit psychisch krank geworden und hat Stimmen gehört.

Wenn jetzt jemand über seine "schlimme" Kindheit jammert, obwohl ich weiss, dass sie in Wirklichkeit nicht schlimm war, dann regt mich sowas nicht auf. Ich bin nun auch schon fast 50 Jahre alt, da verblassen diese schlimmen Erinnerungen irgendwann und man wird da gelassener und toleranter, was sowas angeht.

Hallo!

Alles steht und fällt auch diesbezüglich ganz stark mit dem eigenen Empfinden: Manch einer findet seine Kindheit schlecht, weil es ihm materiell nicht gut ging oder er gemobbt wurde/in Kiga und Schule als Prügelknabe herhalten musste -------> und manch einer bezeichnet seine Kindheit als schlimm, weil er zuhause von kleinauf mit ALkoholismus, finanziellen Sorgen, Eheproblemen der Eltern & vllt. sogar noch Missbrauch aufwuchs.

Wie du es schon beschrieben hast im Grunde!

Ich bin der Ansicht, dass jeder sein Leben ganz individuell aus seiner eigenen Blickweise definiert und jeder sein Leben so sieht, wie es ihm wichtig ist und wie es mit seiner Ideologie konformgeht. Das kann man nicht verallgemeinern!

Ist das nicht bei allen Dingen so, also das es viel auf das persönliche Empfinden ankommt...?

Wenn ich mich krank fühle wegen eines Schnupfens, dann gibt es auch Menschen die trotz Krebs noch lachend durch das Leben gehen. Wenn ich denke ich verdiene mit 5000 Euro im Monat gut, dann gibt es irgendwo aber jemanden der deutlich mehr verdient.

Ob man nun meint eine gute oder schlechte Kindheit hatte und an was man das festlegt, das muss jeder für sich selbst entscheiden...

ThenextMeruem 27.02.2017, 00:38

Genau, ich schätze statt Kindheit hätte ich auch das Beispiel mit der Krankheit nehmen können, würde wohl aufs selbe hinaus gehen.

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Leid ist UNMÖGLICH vergleichbar, da immer subjektiv.

Bsp: krabbelt jmd eine Spinne über den Arm findet einer das niedlich, ein anderer interessant, ein anderer eklig und ein anderer möglicherweise traumatisch, weil er schlechte Erfahrungen (ich rede von Dingen wie mit Spinnenangst mit Spinnen eingesperrt werden) damit gemacht hat.

Letzterer wird es als sehr schlimm empfinden, ersterer kaum.

Allerdings entbindet das niemanden von der Verantwortung, damit umzugehen, damit zu leben, etwas zu ändern, oder die Situation zu verlassen.

Nur jammern bringt einen selbst nicht weiter und nervt alle anderen.

Wozu ein Vergleich oder gar eine Einstufung oder eine binäre Unterscheidung in "schlimm" und "nicht schlimm" gut sein soll, ist mir allerdings vollkommen unklar.

Die Welt ist nicht schwarz-weiss und Menschen sind unterschiedlich und keine Roboter.

Das ist wie alles eine Sache der Sichtweise denke ich.  Eben weil Jeder auch anders empfindet. 

Aber ich selbst muß sagen das ich kein Verständnis hätte für jemand der über eine schlechte Kindheit jammert, nur weil er strenge Eltern hatte,
die Eltern geschieden sind,
oder er nicht das neuste und beste kaufen konnte weil seine Eltern ihm nur 30 Euro Taschengeld im Monat gegeben haben. 

Wobei das aber wohl daran liegt das ich viel durchgemacht habe in meiner Kindheit. Körperliche und psychische Gewalt waren an der Tagesordnung, sexueller Missbrauch,  Mobbing ,  Vergewaltigung...

Bis heute leidet ich unter dieser Kindheit.  Irgendwann wird es vielleicht besser. Hoffe ich jedenfalls.

Es gibt leute, die mit sexuellem missbrauch klar kommen und ohne schäden davon kommen, dann aber kinder die schäden davon tragen.

Ich finde es schwer zu sagen, wer ab wann eine schlechte kindheit hat, ich finde es daher einfacher zu sagen, du hattest eine schlechte kindheit, wenn er/sie es so empfindet, schäden davon trägt. Gzt man kann ja auch ohne schäden eine schlechte kindheit haben, die man dank eines lieben ehemanns und kinder überwinden konnte.

Wirklich zu sagen wann wer eine schlechte kindheit hatte, ist echt schwer. Weil auch menschen gibt, die jemanden verloren haben, und seiddem drogenabhängig sind, nicht mehr leben wollen, depressionen haben usw. Während jemand, der sexuell missbraucht wurde und in der schule gemobbt wurde mehrere leute aus der familie verloren hat, plus die eltern sich getrennt haben, trotzdem ohne schäden davon kam bzw. Er nie deswegen an selbstmord dachte.

Das hat immer mit dem charakter der personen zu tun wie stark sie sind, wie sensibel wie grob usw. Es können auch sensible leute die sein, die gut klar kommen, während ein blöffender typ irgendwann an burnout leidet weil er sich ständig druck macht, wegen seinem vater der ihm immer sagte, er müsse gute schulnoten nachhause bringen.

Ich finde jeder hat in der Kindheit etwas gutes erlebt. Und ab wann man wirklich sagen würde, dass die kindheit nicht schön war, würde ich sagen, wenn ea familiär nicht gestimmt hat, denn da lebt man die ganze kindheit über und dann wenn man zusätzlich noch eine andere oder mehrere andere lasten trägt. Ich finde auch, das die dauer eine grosse rolle spielt.

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