Ab wann gilt ein Mensch bzw ein Elternhaus als bildungsfern?

13 Antworten

@heimkind1: Du hast gefragt, ab wann man als "bildungsfern" gilt, nicht ab wann man bildungsfern ist. Dann solltest du dich nicht wundern, wenn vieles genannt wird, was man durchaus als Vorurteil ansehen kann.

"Bildungsfern" ist ein genauso problematischer Ausdruck wie "sozial schwach", weil dabei eine Diskriminierung empfunden wird, auch wenn sie vom Sprecher gar nicht gemeint ist. 

Angestrebt ist bei "bildungsfern" meist die Aussage, dass für die Personen, die das sind, der Zugang zu Bildungsmöglichkeiten verschiedenster Art erschwert ist. So war Aleksis Kivi, der Begründer der finnischen Prosadichtung, in dem Sinne bildungsfern, weil es zu seiner Zeit (1870) keine literarisches finnisches Prosaschrifttum gab. Um so etwas kennen zu lernen, musste er erst Schwedisch lernen. Fichte war bildungsfern, weil seine Eltern nie darauf gekommen wären, ihn auf eine weiterbildende Schule zu schicken.

Beide aber waren von ihrer Veranlagung her vermutlich besser für Bildung aufgeschlossen als 99% ihrer Zeitgenossen. Und kaum jemand wird bestreiten, dass man auch ganz ohne Zugang zu jeder Art von Schriftlichkeit hoch gebildet sein kann (zu denken wäre z.B. an die Aborigines). 

Du solltest dich also nicht wundern, wenn dir auf deine Frage geantwortet wird und nicht auf etwas, wonach du nicht gefragt hast. Aber da du vermutlich nur eine Diskussion anregen wolltest, weil du den Ausdruck "bildungsfern" als unpassend ansiehst, kann ich dir versichern: Das ist dir gut gelungen.

Dies Frageforum ist freilich an sich nicht dafür gedacht. 

Ich sage mal so: Wo der Fernseher & die Spielkonsole die Rolle der Erziehungsberechtigten (Eltern) übernehmen, Probleme über Medienkonsum "geregelt" werden, niemand da ist der sich um die Kinder kümmert & z.B. kein Mittagessen gemacht wird, mit den Kindern nicht gelernt wird, die Eltern sich nicht viel um die Schule kümmern und wo die Kinder nach der Schule auf der Straße rumgammeln & zwar schlechte Noten, aber ein tolles Handy haben, kann man zumindest stark von bildungsfernen Hintergründen ausgehen.

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Aha also Eltern, die nicht erziehen können, sind gleich ungebildet. vollkommenes Vorurteil

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@heimkid1

Schade, dass einem das Wort so rumgedreht wird. 

Ich schrieb, dass man zumindest davon ausgehen kann. Leider bestätigen Ausnahmen die Regel immer wieder, aber verallgemeinert habe ich nicht.

"Bildungsfern" können auch durchaus gut gebildete/intelligente Menschen sein ------> das hat nix mit Bildung im klassischen Sinne zu tun.. "Bildungsferne" beschreibt m.E. mehr eine passive Haltung zur Schule und zur Erziehung der Kinder. 

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@rotesand

Nicht bildungsferne Eltern übertreiben auch gerne in die andere Richtung. Sie leisten sich Helikopter. ;)

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@rotesand

Schule und Erziehung sind mitnichten ein Garant für "Bildungsnähe".

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Sorry, rotesand, Du verwechselt Ursache und Erscheinungsform.

Nach meiner Meinung ist ein nennenswerter Teil der Bevölkerung von jeglicher gesellschaftlicher Teilhabe abgekoppelt und dieser Prozess ist gewollt.

Einerseits dient diese Minderheit als Projektionsfläche für platte Urteile - in fast jedem Beitrag hier glänzend wiedergespiegelt -, andererseits ist sie ständiges Disziplinierungsinstrument für den kleiner werdenden Mittelstand.

Ob solche Leute über ihren Konsum einen bestimmten Restwert haben, ist unter Ökonomen umstritten. Auch die Diskussionen über bedingungsloses Grundeinkommen ist genauso Teil des Diskurses wie hemdsärmligere Maßnahmen.

Diese Zusammenhänge aufzubrechen, sich ein wenig gegen diese Hoffnungslosigkeit zu stemmen, haben sich einige Leute auf die Fahne geschrieben. Ich versuche - im Rahmen meiner Möglichkeiten - z.B. als Mitglied im Elternbeirat an der Schule meines Sohnes einen kleinen Beitrag zu leisten, z.B. Eltern beim Ausfüllen der Anträge für das Bildungs- und Teilhabepaket zu helfen, die weder von dessen Existenz wissen(können) noch sonst irgendetwas wahrnehmen.

Wie sieht Dein Beitrag aus?

Wenn nur eines von 100 Kindern dieser" failed families" einen Kurs an der Jugendmusikschule besucht, ist das der einzige Weg, das Elend zu beseitigen.

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@toomuchtrouble

@tomuchtrouble:


Eltern beim Ausfüllen der Anträge für das Bildungs- und Teilhabepaket zu
helfen, die weder von dessen Existenz wissen(können) noch sonst
irgendetwas wahrnehmen.

Diese Menschen sind aber meiner Meinung nach nicht wirklich bildungsfern.

Bildungsfern sind die, denen man so etwas anbieten und die es nicht annehmen wollen, die, wo kein Bildungswille vorhanden ist,
- aus welchem Grund auch immer.

Ich finde man muss unterscheiden zwischen etwas nicht wissen, weil man es nicht wissen will, oder nicht wissen, weil man nicht weiß woher man die entsprechenden Infos bekommt.

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Ich denke mal, ab dem Moment, wo die Sachzwänge verhindern sich zu bilden, weil man um das "Überleben" kämpfen muss.

In unserer Gesellschaft manifestiert sich das allerdings auf eine ganz andere Weise, als in einem sogenannten "Dritte Welt" Land. Dort können sich viele Menschen nicht bilden, weil sie erstmal was zu essen auf dem Tisch haben müssen. Da wird Schulbildung zweitrangig. Dort wird Bildung allerdings noch als hohes und erstrebenswetes Gut betrachtet, weil man dafür zahlen muss.

Bei uns ist der "Überlebenskampf" derart, dass die Menschen gefesselt durch Unzufriedenheit, Neid und "Habenwollen" (Unwort: Must Haves) sich nach dem Falschen, aber wirtschaftlich gewollten, "lang machen", und das Handy der neusten Generation wichtiger zu sein scheint, als sinnvolles und anwendbares Wissen.

Bildungsfern definiert sich deswegen für mich so: Jemand der lieber auf seinem (egal wie hohen) Wissens/Bildungsstand verharrt und nichts neues dazu lernen will. Und das trotz frei verfügbarem Material sich dieses aneignen zu können.

Kurz: Wozu sich bemühen, wenn einem doch alles in den A... geschoben wird?! Und dann auf hohem Niveau jammern!

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Wieso denken so viele bei dem Wort "Bildung" an Schule?

Bildung findet überall statt.

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@kiniro

Stimmt, ich denke dabei gerne an die sogenannte "Herzensbildung", neudeutsch Empathie genannt.

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