Ab wann fängt Demenz an (frühstes Alter)?

5 Antworten

Das, was man allgemein unter Demenz versteht ist - glaube ich- eine altersbedingte Vergesslichkeit/ Verminderung der geistigen Leistungsfähigkeit.

Intensiv habe ich mich nicht damit auseinander gesetzt, kann dir die genaue Definition, ab wann man von Demenz spricht, nicht sagen.

Angehörigen fällt es oft erst Jahre nach den ersten Anzeichen auf, dass etwas nicht stimmt.

Häufig leidet als erstes das Kurzzeitgedächtnis. Die Leute können Dinge haargenau erzählen, die vor 50 Jahren waren, wissen aber nicht mehr, ob sie vor 1 Woche oder 3 Monaten beim Augenarzt waren. Sie kommen mit Behörden und Papierkram nicht mehr zurecht, vergessen Rechnungen zu bezahlen, können sich Aufträge (z.B. "Bitten Sie vorne um einen Überweisungsschein.") nicht merken, halten sich nicht mehr an Absprachen, ändern ständig ihre Meinung und sehen manchmal Dinge, die nicht da sind. (Auf dem Balkon lebt schon lange ein Vielfraß!) Das ist dann auch so und sie werden bitterböse, wenn man versucht, ihnen logisch zu erklären, dass es in Mitteldeutschland keine Vielfresser auf Balkonen gibt.

Manche entwickeln Verschwörungstheorien ("Da kommt immer nachts einer, der meine Dusche benutzt!) Das führt manchmal dazu, dass sie "komisches" Verhalten zeigen. Sie sitzen dann z.B. die ganze Nacht im Wohnzimmer, um zu verhindern, dass der Vielfraß herein kommt oder sie schütten die Katzenstreu in die Duschwanne, damit nachts keiner heimlich duscht.

Sie können sich zeitlich nicht mehr orientieren. Das ist anstrengend, wenn man z.B. ausgemacht hat: "Ich hole dich um 9 Uhr ab und bringe dich zum Arzt.", die Person aber 5 Min. vor 9 Uhr in der Unterwäsche am Tisch sitzt und sich auch durch nichts davon abhalten lässt, ein Butterbrot für unterwegs zu schmieren. "Du hättest mir ja sagen können, dass du mich abholst! Dann wäre ich jetzt fertig."

Sie vergessen Absprachen. Das kann zur Folge haben, dass sie sämtliche Verwandten anrufen und sich überall beschweren, dass sie keine Hilfe hätten und nicht wüssten, wie sie etwas zu Essen auf den Tisch kriegen würden... obwohl längst Essen auf Rädern geliefert wird. Da sie aber am Telefon völlig klar sind und normal sprechen, glaubt das jeder.

Sie kommen durch die mangelnde zeitliche Orientierung mit dem Tagesablauf nicht mehr zurecht, frühstücken mittags um 2 und kauen um Mitternacht auf einem Stück Brot herum.

Bei jmd. aus meiner Familie ist mir erstmals aufgefallen, dass etwas nicht stimmt als der Betreffende sagte: Komisch, als wäre das nicht meine Wohnung. Er kam von einem kurzen KH- Aufenthalt zurück.

In diesem Stadium glaubt das meist noch kein Außenstehender, was ebenfalls zu Frust und Ärger, besonders bei pflegenden Angehörigen, führt. Der Betroffene erzählt flächendeckend, wie böse der pflegende Angehörige ist, dass der Betroffene überhaupt keine Unterstützung bekäme usw. Wer von der Demenz noch nichts weiß, glaubt das so. Dann kann es schon einmal passieren, dass man mit einem Korb voll Lebensmitteln vom Einkauf kommt und die netten Leute aus dem Dorf sich rührend um den dementen Menschen gekümmert haben und die vorhandenen Lebensmittel für eine Kompanie ausreichen.

Viele fangen an zu räumen. Sie räumen Katzenfutter in die Backröhre, Äpfel in die Handtasche, Klamotten zwischen Bilderalben in Kartons und sie horten, sammeln, stapeln, räumen aus, räumen ein, räumen um, stapeln neu und werden böse, wenn man etwas entsorgt oder aufräumt.

Manchmal fragen sie nach Dingen, die sie 20 Jahre zuvor weggegeben haben. Sie wissen noch genau, dass sie dieses Ding besessen haben. Sie erinnern sich aber nicht mehr daran, dass sie es vor 5 Jahren verschenkt haben. Auch das führt nicht selten zu Ärger, denn woher sollen die Angehörigen dieses Ding nehmen, wenn es doch weg ist? "Du hast es geklaut!" ist dann die logische Schlußfolgerung. Was in dieser Zeit an Beziehungen kaputt geht, lässt sich auch nicht wieder in Ordnung bringen, denn die Demenz wird nie wieder besser.

Dann kommt die Phase, in der sie viel erzählen, auch Dinge, die tatsächlich mal so stattgefunden haben, die aber mit der Frage oder dem Thema nichts zu tun haben. Meistens kommen dann auch viele Situationen und Begebenheiten hintereinander, die auch insgesamt keinen Bezug untereinander haben.

Manchmal werden sie aggressiv, wenn man nicht tut, was sie sagen. "Hol mir meine Bohrmaschine und einen Dübel, ich will hier die Garderobe anbauen." ...

Irgendwann kommt dann die Zeit, in der sie ihre Angehörigen nicht mehr erkennen...und dann natürlich Angst bekommen. "Was machen Sie denn hier in meinem Zimmer!!???"

Ist vllt. ein bisschen lang geworden, sollte einfach deutlich machen, dass man meiner Meinung nach keinen Tag festlegen kann, ab dem es "Demenz" ist. Demenz ist schrecklich und sie kommt schleichend. Man muss tatenlos zusehen, wie man einen geliebten Menschen jeden Tag ein bisschen mehr verliert und man weiß ganz genau, dass es nie mehr besser wird.

FZ

Auch Kinder können schon Demenz bekommen.

Ich kenne einen 50jährigen Mann, der Demenz hat. Man kann also keine genaue Altersangabe machen.

In jedem Alter theoretisch. Denn manche Medikamente haben sogar als sehr seltene Nebenwirkung Demenz.

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