Ab wann darf / sollte / kann man sich als Gläubiger einer bestimmten Religion bezeichnen?

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9 Antworten

Hier ein paar Gedanken von mir.

Anhänger einer bestimmten Religionsgemeinschaft wird man in der Regel durch eine Form gesellschaftlichen Rituals, oder einer Zeremonie.

Durch diese Art von Initiation wird man in die Gemeinde und im weitesten Sinne in die weltweite Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen.

Das mag bürokratisch oft nicht einmal vermerkt werden - so lange du nicht kirchensteuerpflichtig bist, interessiert den Staat deine Konfession nicht

Ob man dann in seinen Worten und Taten tatsächlich den Lehren dieser Gemeinschaft folgt, ist natürlich eine ganz andere Frage.

Das gibt es dann etwa die so genannten "Taufscheinchristen" - man gehört auf dem Papier offiziell einer Gemeinschaft an, folgt aber der Lehre nicht.

Es gibt aber natürlich andererseits Menschen, die keinen Kontakt zu solchen Organisationen wünschen, aber den jeweiligen Lehren folgen.

So kann etwa jemand beschließen, den Lehren der Bibel zu folgen, ohne getauft, oder in einer Gemeinde irgendwie aktiv zu sein.

Wer jetzt der "wahre" Gläubige ist, der dann "errettet" wird, darüber wird natürlich diskutiert - schließlich geht es um die Mitgliedschaft einer Elite.

Vermutlich steigt die Identifikation mit einer Gruppe, sobald man sich in seinem subjektiven Sicherheitsempfinden empfindlich gestört fühlt.

Da kommen beispielsweise die "Fremden" mit einer anderen Kultur und Religion - und prompt beruft man sich auf die eigenen religiösen "Werte".

Das bedeutet nicht, dass man nun tatsächlich gläubiger wird, oder sein Leben den religiösen Morallehren anpasst - man hat einfach einen Schutzschild.

Auch Lehren von einer "Endzeit" und dem drohenden Weltuntergang, die mit dem alltäglichen "Sittenverfall" angeblich "belegt" werden, schweißen zusammen.

Deshalb sind eschatologische Gruppierungen häufig viel stärker auf ihre Zusammengehörigkeit fixiert, als liberalere Gruppen. 

Ein religiöser Hardliner wird liberale Gläubige eher ihren Status absprechen, weil sie nicht seinen extremen Ansprüchen genügen.

Ob er durch seine konservative Frömmelei tatsächlich ein "wahrer" Gläubiger ist, oder sich nicht einfach mächtig sein Ego aufpoliert...

Wie du schon sagtest, ist "Gläubiger" oder sogar "wahrer Gläubiger" ein sehr dehnbarer Begriff, der nicht wirklich fassbar ist.

Ivan69 03.08.2017, 19:01

immer wieder Klasse deine Antworten

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Ich verfolge in dieser Thematik einen völlig anderen Ansatz. Ich kann nicht glauben, dass es einem Gott wirklich etwas bedeutet, ob man Mitglied einer Kirche ist, seine Kirchensteuern zahlt und jeden Sonntag beten geht. Ich denke auch nicht, dass dieser Gott zwischen Katholiken, Orthodoxen und Protestanten Unterschiede macht.

Meiner Meinung nach kommt es auf die innere Herzenshaltung an, und diese Ansicht wird auch durch die Bibel unterstützt: "Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, Jahwe aber sieht auf das Herz." - So sagt es das 1. Buch Samuel im Kapitel 16.

Wenn ein Mensch sich zum Glauben hingezogen fühlt, in der Bibel liest, sich durch diese Texte und Geschichten inspirieren lässt und positive Kraft daraus schöpft, dann ist er meiner Meinung nach ein Gläubiger. Wenn es ihm dann noch gelingt, diese Kraft an andere Menschen weiterzugeben, ihnen bei Sorgen und Problemen zur Seite zu stehen und ihnen Mut und Lebensfreude zu schenken, dann hat er die Botschaft Jesu verstanden.

Ich sage nicht, dass die Kirche "unchristlich" oder überflüssig ist. Im Gegenteil: sie erfüllt eine wichtige Funktion, denn sie schafft die von Jesus im Neuen Testament geforderte Gemeinschaft mit anderen Gläubigen. Nur ist die Kirche eben auch eine von Menschen gemachte und geführte Organisation, und als solche eben auch das Opfer menschlicher Schwäche und Unvollkommenheit. Sein Heil allein in der Kirche zu suchen, ohne den Glauben in das eigene Leben zu integrieren ist Heuchelei und ein schwerer Irrweg.

Ivan69 03.08.2017, 18:32

sehe ich ähnlich, für einen Gott wäre das unbedeutend.

Ich würde auch weitergehen und sagen, dass die Kirche an sich nicht notwendig ist, nur der Glaube ist wichtig und dazu braucht es keine Kathedralen

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Da gibt es unterschiedliche Ansätze. Grundsätzlich gehörst Du erstmal einer Religion an, wenn Du ein entsprechendes Aufnahmeritual durchlaufen hast, z. B. die Taufe im Christentum. Wenn Du später sagst, Du fühlst Dich dieser Religion nicht verbunden, dann gehörst Du ihr schon nicht mehr an. In Deutschland ist allerdings noch der formale Akt des Austritts erforderlich, allerding eher aus steuertechnischen Gründen.

Niemand, der christlich getauft ist und sich selbst als Atheist sieht, oder als Moslem oder Buddist ist noch Christ.

Wenn Du dich selbst als katholisch (oder evangelisch, oder orthodox) bezeichnest, dann kannst Du in Deinem persönlichen Glauben zwar geringfügig von der Kirchenmeinung abweichen. Wenn Du aber aber einen stark abweichenden eigenen Glauben hättest (z. B. Jesus war "nur" ein guter, charismatischer Mensch, kein Gott oder er ist nicht auferstanden) würdest Du Dich auch nicht mehr der Konfession (oder Religion) zugehörig fühlen.

Das von Dir beschriebene Verhalten ist überwiegend historisch bzw. kulturell zu erklären.

regionale soziale Gemeinschaften wie Orte, Gemeinden, Regionen sind strukturiert durch Mehrheiten religiöser, kultureller , verwandtschaftlicher Art sowie durch geschäftliche Verbindungen.

Das sind auch "Schafhürden", in denen man nur dann einen Platz findet und / oder behält, wenn bestimmte Spielregeln eingehalten werden. Wenn das dem Verhalten der Mehrheit entspricht, dann kann man durch aus bei anderen Tatbeständen illegal handeln, es wird gedeckt.

Allein das menschliche Gewissen ist dazu in der Lage, uns zum Richtigen=gemeinwohl fördernden zu leiten. Wenn man das willl.......

cheerio

P.S.: Gläubig bist, Du wenn Du glaubst....

cheerio

Es ist nun einmal so, dass so gut wie jeder Mensch in leichten Abweichungen über "seine" Religion denkt.

Außerdem spalten sich von jeder Religion hin und wieder andere ab, die die Ursprungsreligion dann gern "Sekten" nennt. Das eine wird positiver empfunden als das andere, aber im Grunde sind es immer Gruppen von Menschen, die eine transzendentale Wahrheit erkannt zu haben meinen. Und diese Erkenntnisse unterscheiden sich manchmal sehr, manchmal nur in Details.

Bei manchen Religionen hängt Verwaltung dran, so führt die katholische Kirche über ihre Mitglieder Buch. Ob diese Menschen innerlich aber "herzensgläubig" sind und das leben, weiß ja letztlich auch niemand. Für die kath. Kirche zählt aber wohl nur, ob man sich mit den Lippen bekannt und Sakramente empfangen hat.

(Ich behaupte, die meisten Katholiken wissen nicht einmal im Detail all das, was sie eigentlich offiziell verpflichtet wären, zu glauben.)

Wer sich "christlich" nennt, der kann sich viel weicher irgendwo da einordnen. Die Bibel kann jeder anders auslegen, das machen ja auch viele Religionen schon. (Zeugen Jehovas)

Und so verachten sicher die einen Christen die anderen Christen, die sich aus ihrer Sicht nicht Christen nennen dürften.

Dann gibt es die Sunniten, die Schiiten und wer weiß was alles...

Es ist nun einmal nicht wissenschaftlich testbar oder objektiv prüfbar, wer einer Religion angehört, weil eine Religion unwissenschaftlich ist und Heilige Schriften völlig unterschiedlich ausgelegt werden können.

Fazit: Du hast recht mit dem "sehr weicher Natur".

wenn du getauft bist, bist du Mitglied einer Kirche.

Ivan69 03.08.2017, 17:37

ich sehe da einen deutlichen Unterschied zwischen Mitglied einer Kirche und Gläubiger der Religion dieser Kirche.

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dkdkrodnenn 03.08.2017, 17:38

Stimmt nicht. Ich bin getauft, konfirmiert aber kein Mitglied der Kirche, da ich ausgetreten bin.

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Amorette 03.08.2017, 17:47
@dkdkrodnenn

Die Frage ist ab wann kann ich miich  als Mitglied einer Kirche verstehen.

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du bist eher schuldner statt gläubiger, wenn du deine kirchensteuer nicht bezahlst.

Ivan69 03.08.2017, 17:35

in Deutschland finanziert jeder die Kirche, egal ob gläubig oder nicht, die Kirchensteuer ist nur ein nettes Zubrot

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Das muss jeder fuer sich entscheiden.

Viele zählen sich mit ihrer Taufe einer Religion zugehörig. Bei der Babytaufe ist das problematisch, weil man einfach die Religion der Eltern übernimmt.

Daher wundert es nicht, wenn sie sich als Erwachsene zwar als evangelisch  oder katholisch bezeichnen, aber keine wirkliche Ahnung von den Glaubenslehren ihrer Kirche haben.

Manche basteln sich ihre eigene Wohlfühlreligion.

Der bessere Weg: jemand entscheidet sich für eine Religion, nachdem er gründlich geprüft hat, ob diese Religion den Willen Gottes vertritt.

P. S.: Gott hat immer mit einem organisierten Volk gehandelt.

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