Ab wann bekommt man Arbeitslosengeld 1 und wann 2? Wie viel bekommt man bei den beiden geldern?

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Arbeitslosengeld (ALG1) ist eine Versicherungsleistung. Man zahlt als Erwerbstätiger aus seinem sozialversicherungspflichtigen Einkommen Beiträge in die Versicherung ein, u. im Falle von Arbeitslosigkeit hat man u.a. Anspruch auf  eine Entgelt- Ersatzleistung (= Arbeitslosengeld). Ob und wie lange man Anspruch auf ALG1 hat ist abhängig von der Dauer der vorausgegangenen versicherungspflichtigen Arbeit/ Beitragszahlungen (Muss: mindestens 12 Monate) . Die Höhe des ALG1- Anspruchs ist abhängig vom früheren Einkommen, der Anzahl der Kinder und der Steuerklasse (beträgt grob:  67% bzw. 60% des früheren pauschalierten Nettolohns). Voraussetzung für den Anspruch auf ALG1 ist, dass man dem Arbeitsmarkt/ der Arbeitsvermittlung zur Verfügung steht. (Mehr dazu auf Arbeitsagentur.de / Bürgerinnen und Bürger/ Arbeitslosigkeit/ Arbeitslosengeld.)

Arbeitslosengeld 2 (Grundsicherung für Arbeitssuchende nach SGB II /ALG2/ umgangssprachlich "Hartz IV") ist eine Sozialleistung, die bei Bedürftigkeit bewilligt wird, und besteht aus einer pauschalisierten Regelleistung zur Sicherung des Lebensunterhalts ("Regelsatz") sowie den angemessenen Kosten der Unterkunft. (Was als "angemessene " Unterkunft gilt, wird jeweils kommunal festgelegt und richtet sich nach der Personenzahl der Bedarfsgemeinschaft und den örtlichen Mieten für Wohnungen unteren Standards.) "Pauschaliert" heisst: Es werden feste Beträge angesetzt, die sich nach Familienstand und Alter richten; was man früher einmal an Lohn verdient hat, ist dabei uninteressant.

Als Regelsätze zur Sicherung des Lebensunterhalts gelten für Alleinstehende/ Alleinerziehende jetzt monatlich 364 €, für (Ehe-)Partner je 328 € , für Kinder und Jugendliche bis einschl. 24 Jahre je nach Alter 215 € - 291 €. Mit diesem Regelsatz ist der Lebensunterhalt (inkl. Stromkosten) zu bestreiten. Für jede Person in der Bedarfsgemeinschaft wird der individuelle Bedarf einzeln ermittelt (= ihr Regelsatz und ihre kopfanteiligen Unterkunftskosten; es gibt auch noch Mehrbedarfe, z.B. für chronisch Kranke oder alleinerziehende Eltern). Von ihrem Bedarf werden dann die anrechenbaren Einkommen der Person abgezogen (z.B. ihr Kindergeld, Elterngeld, Unterhalt, Unterhaltsvorschuss, Lohneinkommen abzgl. Freibeträgen). Und was dann noch als Bedarf übrigbleibt bzw. zur Bedarfsdeckung fehlt, wird ihr als ALG2/ Sozialgeld-Leistung gezahlt.

Um ALG2 beziehen zu können, muss man vorher keine Ansprüche auf ALG1 "erarbeitet" haben. Man muss erwerbsfähig sein und grundsätzlich täglich mind. 3 Std. arbeiten können bzw. mit einem bedürftigen Erwerbsfähigen in Bedarfsgemeinschaft zusammenleben. Wer seinen Lebensbedarf (Regelsatz + angemessene Unterkunftskosten) nicht aus eigenem Einkommen / Vermögen decken kann, hat grundsätzlich Anspruch auf ALG2 . Oder genauer gesagt: Kinder von 0-14 Jahren haben bei Bedürftigkeit Anspruch auf Sozialgeld nach SGB II; 15- 65 Jährige haben Anspruch auf ALG2 (ab 15 Jahren ist man grundsätzlich erwerbsfähig). .

ALG2- Bezieher sind nicht automatisch auch Arbeitslose. Für  ALG2 muss man auch nicht zwingend dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Z.B. muss einer der Eltern (bzw. der Alleinerziehende) lt. Gesetz dem Arbeitsmarkt noch nicht zur Verfügung stehen, bis das jüngste Kind 3 Jahre alt und geregelt fremdbetreut ist. Der Elternteil ist dann zwar grundsätzlich erwerbsfähig (u. hat somit Anspruch auf ALG2), aber er muss während dieser ersten 3 Jahre nicht erwerbstätig sein. Auch Menschen, die ALG1 beziehen, dessen Höhe aber ihren Lebensbedarf nicht deckt, können ergänzend ALG2 beantragen. Auch wer in Arbeit steht, benötigt oft ALG2: Bereits rd. ein Drittel aller ALG2- Leistungen geht an Berufstätige, deren Lohn nicht ausreicht, um den Mindestbedarf  zu decken - sie haben bei Bedürftigkeit als "Aufstocker" Anspruch auf ergänzendes ALG2.

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