Ab wann bekommt eine Pflegestufe bewilligt?

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3 Antworten

Auch Demenzkranke haben Anspruch auf Pflegestufe! Die meisten Demenzpatienten brauchen spätestens ab dem mittleren Stadium Hilfe beim An- und Auskleiden, bei der Körperpflege, der Führung des Haushalts und bei anderen alltäglichen Aufgaben. Wird diese Hilfe für mehr als 1,5 Stunden täglich benötigt, sollte ein Antrag auf Leistungen bei der Pflegekasse gestellt werden.

Hier weiterlesen: http://www.patientenleitlinien.de/Demenz/body_demenz.html

Wenn Du sagst, daß Deine Mutter schwerst Demenzkrank ist, wird dies der Fall sein, also schleunigst Antrag bei der Pflegekasse der zuständigen Krankenkasse stellen, und wie sevendayson schon sagt, jetzt schon ein Pflegetagebuch schreiben, somit hast du den MDK schon einmal etwas vorweg, von welcher Stadt ist schnuppe, Hauptsache Tagebuch und jede Kleinigkeit aufschreiben!

Hier das Tagebuch: http://www.pflege-regio-aachen.de/fileadmin/user_upload/dokumente_aok/Pflegetagebuch2005.pdf

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Hallo, die Mutter bekommt dann eine Pflegestufe, wennn die Demenz Auswirkungen auf den Bereich der Körperpflege hat. Wenn die Mutter zwingend über 45 Minuten tägl. (nach den Zeiten des Gesetzgebers) fremdhilfe bei der Körperpflege braucht. Körperpflege heißt: Waschen, Toilettengänge, Nahrungsaufnahme, Ankleiden, Gehen. Das heißt, wenn die Mutter mobil ist, aber nicht weiß, wo das WC ist, kann hier eine Hilfestellung angerechnet werden. Wenn sie nicht mehr weiß, wie waschen geht und jemand neben ihr stehen muss, der sagt: "jetzt nimmst du seife, jetzt den Arm waschen, nein das gesicht hast du schon gewaschen" kann eine Hilfestellung angerechnet werden. Wenn sie dir Reihenfolge der Kleidung nicht mehr kennt, wenn sie essen und trinken vergisst, wenn sie sich nach dem WC nicht mehr selber reinigen kann, all das ist anrechenbar. Nur eine Aufforderung "Geh dich bitte waschen" und Mutter macht es dann korrekt, reicht nicht aus. Also könnt ihr jetzt schon auf diese Dinge achten, denn die fallen nicht sofort auf. Also schauen ob die Seife auch nass ist, wenn sie sagt sie habe sich gewaschen, mal den Verbrauch des Toilettenpapiers beobachten, die Trinkmenge registrieren. Wenn dann der MDK Gutachter kommt, alles angeben, wie oft ihr was macht und warum Mutter es nicht selber kann. Und kommt der Gutachter euch blöd, scheut euch nicht vor einem Widerspruch. Kenne mich bestend mit dem MDK aus.

Kleiner Tip am Rande: Rauchmelder sind bei Demenzkranken immer zu empfehlen und man kann ihnen nicht vertrauen, wenn sie Geschichten erzählen, wen sie beim Spaziergang getroffen haben, oftmals ist es erfunden, damit niemand merkt, dass sie nicht nach Hause gefunden haben.Man muss schwer Demenzkranke schützen wie kleine Kinder, da sie oft keine Gefahren einschätzen können.

Mein Schwiegermutter hatte Probleme dabei dem medizinischen Dienst klar zu machen, dass mein Schwiegervater Hilfe brauchte. Solange er sich alleine waschen kann (die Tätigkeit an sich!!!!) dann zählt das nicht als Hilfe, auch wenn gesagt werden muß nimm dies oder das. gerade Dementkranke meinen alles seiber zu können und tun und wollen das dann auch wenn der Medizinische Dienst da ist.

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@comarel

Auch beim Essen war es genau so: Da meine Schwiegermutter eh gekocht hat konnte mein Schwiegervater alleine essen, auch wenn die Hälfte daneben gegangen war. Die Tätigkeit an sich kannte er und er KONNTE in den Augen des Medizinischen Dienstes alleine essen. Auch wenn die Toilette nach dem Toilettengang theoretisch komplett gesäubert werden musste, die Tätigkeit an sich konnte er!!! So ging es die ganze Zeit weiter. Er brauchte Hilfe, das sah jeder ein, nur nicht der Medizinische Dienst. Es ist gerade bei Demenz unheimlich schwer, eine Pflegestufe zu bekomen.

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@comarel

Genauso war es bei meiner Mutter, der Arzt fragte was sie denn noch alles kann, daraufhin meine Mutter ich kann noch alles, wir saßen dabei und mußten das mit Kopfschütteln verneinen. Für den Arzt zählte das nicht und der Antrag wurde erstmal abgelehnt.

Ich habe Einspruch erhoben, eine zweite Ärztin kam und fragte etwas geziehlter z.B. wie meine Mutter denn Ihren Kaffee kocht, dabei merkte sie das meine Mutter dazu gar nicht mehr in der Lage war und sie bekam die Pflegestufe.

Am besten aufschreiben bei welchen Tätigkeiten Hilfe gegeben werden muß und wieviel Zeit dafür gebraucht wird.

Und, immer Einspruch erheben, das ist bei der Pflege heutzutage das tägliche Brot, egal ob ein Pflegebett, ein Pflegerollstuhl oder anderes benötigt wird, dabei spielt es keine Rolle ob Du Dich selber kaputt machst. Habe es 12,5 Jahre mitgemacht und wünsche Dir viel Kraft.

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@engelhaar

Also es steht ganz klar im Pflegeversicherungsgesetz, daß die detaillierte Anleitung berücksichtigt werden kann/muss. Und auch wenn die Mutter sagt, sie könne alles selber, kann man dieses abprüfen. Ein Attest vom Hausarzt ist auch nicht schlecht. Ich habe tagtäglich mit dem MDK zu tun, deshalb weiß ich genau was Sache ist, kenne die kompletten Richtlinien und den Gutachtenvorgang. Da ich auch eine Pflegebratung mache, kenne ich mich da aus. Ja es gibt immer wieder Gutachter, die die Anleitung nicht berücksichtigen, deshalb sage ich ja auch widerspruch einlegen, wenn der/die euch blöd kommen.

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Demenz alleine ist noch kein Grund für eine Pflegestufe. Am besten du erkundigst dich bei der Krankenkasse deiner Mutter. Wenn du eine Pflegestufe beantragst schicken sie den Medizinischen Dienst der Krankenkasse, der genau prüft, was deine Mutter noch alleine machen kann und was nicht. Dass sie tagsüber oder auch nachts nicht alleine gelassen werden kann, sprich dass immer jemand da sein muss, der sie quasi "Beaufsichtigt" ist noch kein Grund für eine Pflegestufe. Lasse dich von der Krankenkasse beraten.

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