5 Fragen zu IQ-Tests

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1 Antwort

Zu 1. — Die Verteilung vermutlich schon, ob es Tests gibt, deren Ergebnisse in den Prozenträngen auch der tatsächlichen Verteilung entsprechen, sei dahin gestellt. Es gibt recht unterschiedliche Testverfahren. Zeitgebundene Tests sind weitaus einfacher (selbst in den "härtesten" Versionen), deshalb allerdings m.E. auch praxisnäher.

Zu 2. — Antworten "ins Blaue" sind berücksichtigt und empirisch validiert. Sie sind auch eher die Regel als nicht-beantwortete Fragen. Hier besteht sicher ein Unterschied zwischen Gruppen- und Einzeltests. Bei letzteren sieht der Testleiter etwas besser, wie sich der Probant verhält, ob er arbeitet oder eher rät.

Bewertet werden nur die richtigen Antworten unter Berücksichtigung einer Abweichung durch Raten. Deshalb kommt selbst bei vollständig richtiger Beantwortung aller Fragen einer Gruppe max. der Prozentrang 99 heraus.

Zu 3. — In den detaillierten Auswertungen wird der Prozentrang (der jeweiligen Vergleichsgruppe) genannt. Bei Mensa z.B. wird in der einfachen Auswertung lediglich das Endergebnis in Form von IQ-Punkten genannt, die detaillierte kostet extra, wird aber angeboten.

Eine Übersicht (etwas scrollen) hier, über der Gaußschen Kurve: http://testexperiment.stangl-taller.at/testintelligenzwasistdas.html

Zu 4. — Die Ergebnisse unter gleichen Testbedingungen sollten vergleichbar sein. Es spielt allerdings die Tagesform, das Umfeld usw. tatsächlich eine gewisse Rolle. Wie ich mitbekam, unbedingt auch die Uhr-/Tageszeit.

Bei einer US-amerikanischen Testreihe (gleiche Autoren, gleicher Testaufbau, unterschiedliche Fragen) von zehn 30-Minuten-Tests, kam ein mir bekannter Probant auf rd. 50 Punkte Unterschied, in der Gesamtauswertung jedoch unter Berücksichtigung der allgemein deutlich höheren US-Wertung, kam erstaunlicherweise ein sehr ähnlicher Wert heraus, als bei der ISA-s, welche dann später noch gemacht wurde.

Ein weiterer, neuer Test ergab dann eine klare Abweichung nach oben, 15+ IQ-Punkte, dies geriet jedoch dann in einen Bereich, der allgemein nicht mehr exakt messbar ist. Alle Werte (nach deutschen Normen) über 145 befinden sich m.E. in Gefilden, für die es kaum Vergleichsmöglichkeiten gibt.

Die (vermuteten) Werte von manchen Ausnahmeköpfen wie z.B. Marilyn vos Savant, dürften eher in Märchenbüchern Berechtigung finden.

Zu 5. — Die Gewichtung ist in genormten Test schon etwas unterschiedlich und wird immer skurriler, je höher Tests werten wollen.

Mängel in einem der Testbereiche, können u.U. dennoch zu einem sehr hohem Endergebnis führen, allerdings z.B. bei logisch-mathematischen Fragen ist im Normfall Gewichtung und Anzahl der Fragen zu hoch um das "wieder gut" machen zu können.

Inselbegabungen können in Gruppentests kaum erkannt werden, u.a. dazu sind Psychologen da. Die meisten Tests beziehen sich auf allgemeine Intelligenz und die verteilt sich eben nach allen Experten, auf verschiedene Bereiche.

Danke für die Ausführlichkeit. Mit der Normalverteilungskurve habe ich insofern ein Problem, dass ich zwar weiß, dass Menschen in Massen sich immer mehr wie eine physikalische Größe verhalten, die Auswertung jedoch auch von Menschen vorgenommen wird und die besser verstehen können, was bei einer falschen Antwort die Motive sein könnten (ein bislang unbeachtete zweite Lösungsmöglichkeit z.B.) und eher Gnadenpunkte vergeben als eine Maschinerie, mit der man nicht diskutieren kann. Kurz: Bei Menschen testen Menschen sehe ich Verzerrungspotential, auch durch guten Willen oder negative Persönlichkeitsfaktoren der Prüfer.

Außerdem wird hier Intelligenz auf einer linearen Skala abgebildet, also eine multidimensionale Sache auf einer einzigen Dimension. Und so wie 2 Vektoren in verschiedene Richtungen einen längeren resultierenden haben, müsste sich auch die Glockenkurve wie eine Woge neigen. Nun, seis drum!

Heute hab ich mich durch den Test von Welt-Online gequält. Erstmals sind mir Merkaufgaben und Kopfrechnen begegnet. Da mir genügt zu wissen, wo etwas nachzuschlagen ist und ich auch Taschenrechner besitze, bin ich in den antiken Sparten der Intelligenz nicht so gut. Ich finde es wesentlich wichtiger, das "ergoogelte" Wissen zu begreifen, Querverbindungen zu ziehen und richtig anzuwenden (auch moralisch). All das wird nicht getestet und so bekomme ich einen Abschlag von unzähligen Punkten quittiert.

Worauf ich aber hinaus will: Am lang ersehnten Ende steht: 79 von 80 Fragen richtig beantwortet = IQ von 145. Und gleich darauf lese ich in deiner Antwort oben:

maximaler Prozentrang = 99

Dann Überraschung auf der Fotostrecke von Welt-Online (nein, nicht dass George W. Bush mit 125 besser dasteht als Kennedy mit 117):

Sharon Stone hat angeblich einen IQ von 154. Ja, hätte die dann 80/80 Fragen richtig gehabt? Aber das wären ja 100%!

Mein Inseltalent ist Glaubwürdigkeitsprüfung - (möchte mich jemand buchen?) - und hier blinken alle Lämpchen. Ebenso bei den Koryphäen der Vergangenheit wie Newton oder Michelangelo. Wie will man denn deren IQ ermittelt haben? Oder den von DaVinci, der etliche Zeichnungen nur abkopiert hat?

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@HerrDeWorde

Nun, die IQ-"Ermittlungen", welche man zu Einstein, Newton, Michelangelo, DaVinci …anzustellen versuchte, haben meines Wissens zwar seriöse Grundlagen, aber die ebenso seriösen (dafür verantwortlichen) Wissenschaftler stellten die Ergebnisse nie als 100% sicher dar. Es blieben Schätzungen. Nur publiziert wird das eben von den Medien meist schlagzeilenträchtiger.

Die vermeintlichen Ergebnisse der Bush-Familie wurden auch schon völlig anders dargestellt. Zur Zeit der Präsidentschaftskandidatur des jüngeren, wurde ihm vom Stern (soweit ich mich erinnere) ein IQ von 81 zugeordnet, seinem Daddy 83 - und bezeichnender Weise Herrn Clinton genau die Summe daraus, nämlich 164. Letzterer sei der bisher intelligenteste Präsident gewesen.

Den Welt-online-Test kann ich nicht bewerten, bei den meisten online-Tests steht weder die Validierung fest, noch kann ich sie als wirklich seriös sehen. Geeichte, zugelassene Tests gehen im seriösen Rahmen bis 145 IQ-Punkte, nicht zu verwechseln mit den Prozenträngen. Wie oben erwähnt, geht es mangels Vergleichsgruppen darüber eher in den Bereich der Kaffeesatzleserei, zumindest genaue Werte müssten dort mit einer weitaus höheren Normabweichung ermittelt werden. Bis 145 geht man von etwa 10 Punkten NA aus.

Bei den Werten, welche von US-Amerikanern so veröffentlicht werden, muss grundsätzlich mit höheren IQ-Werten gerechnet werden, die genaue Umrechnungsweise ist mir nicht bekannt, aber ich weiß, dass die Prozentränge (das eigentlich entscheidende Kriterium) dort anders gelagert sind.

Die Zahl von 154 IQ-Punkten, welche Sharon Stone unterstellt wird, würde selbst bei der ISAs ("Intelligenz Struktur Analyse schwer) gar nicht ermittelt. Der Prozentrang 99 stellt die Spitze dar und würde mit einem IQ von 145(+) angegeben. Höhere Werte sollen lt. einiger Publikationen halbwegs exakt durch Psychologen ermittelt werden können, dies beinhaltet allerdings den Faktor Mensch und sein ganz persönliches Urteil. Abweichungen sollten daher eigentlich schon in einem recht hohen Bereich vermutet werden.

Kurz zur Bedeutung der Prozentränge: Hier geht man davon aus - und so geben es die Tests von Mensa (ISAs und IST-Versionen, die sehr änlich sind) auch wieder, dass ein PR von 98 dem IQ-Wert von 130 entspricht. Ein PR von 50 entspricht dem Mittelwert beim IQ, also 100. Darum eben die Gaußsche Kurve, in den Randbereichen wird "die Luft dünner". PR 75 bedeutet, dass ca. 75 % der Vergleichsgruppe des Probanten schlechter abschneiden und würde (geschätzt) zu einem IQ-Wert von etwa 117 führen.

Wenn alle Fragen einer Aufgabengruppe richtig gelöst wurden, wird das vom Testpsychologen des Mensa e.V. in der Detail-Auswertung (hier bei den numerischen Fähigkeiten) wie folgt formuliert:

"Die numerische Fähigkeit ist bei Ihnen extrem hervorragend ausgebildet. In dieser Aufgabengruppe erreichen Sie den Prozentrang 99, weitere Differenzierungen mit Ihrer Vergleichsgruppe sind aufgrund der extrem hohen Werte nicht aussagekräftig. Sie haben in der Aufgabengruppe Zahlenreihen fortsetzen alle 12 Aufgaben gelöst und erhalten hier den Prozentrang 99; in der Aufgabengruppe Praktisches Rechnen lösten Sie ebenfalls alls 12 Aufgaben und erhalten den Prozentrang 99."

Sharon Stone käme bei einem seriösen Test nach deutscher Normierung maximal auf einen Wert, der ggf. "über 145" angesiedelt würde. Die exakte 154 ist m.E. nicht ermittelbar. Selbst wenn hier noch die Normabweichung griffe, wäre von 144 bis 164.

Die Hälfte der Menschheit rangiert bei Werten zw. 90 und 110, jedoch nur jeweils etwa 2% über 130 oder unter 70. Darin sind aber schon die noch höheren und noch niedrigeren Werte inbegriffen. Bei 145+ und 55- geht man je von etwa 0,13% aus. Das müsste im hohen Bereich mit einem PR von 99,87 gewertet werden, geht man dazu von der Normabweichung von 10 Punkten aus, welche vermutlich am genauesten bei IQ-Werten zw. 90 und 110 zutrifft, wird sicher klar, dass in ähnlicher Relation (immer "dünnere" Luft) auch die Normabweichungen weitaus höher anzunehmen sind.

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@Peterthb

Ein Nachtrag zu DaVinci: Das Kopieren vorhandener Werke stellt m.E. kein Kriterium dar, welches auf höhere oder niedrigere Intelligenz schließen ließe.

Ich behaupte, dass die Nutzung vorhandenen Wissens, vorhandener Erkenntnisse und Werke, eine der wichtigsten Grundlagen menschlicher Lernens ist. Weiter bin ich überzeugt, dass die Entscheidung nach Nützlichkeit der daraus gewonnenen, eigenen Erkenntnisse, das wichtigste Ergebnis dieser Lernvorgänge ist.

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@Peterthb

Also 145 sind ja 3 Standardabweichungen und daher etwa 99.8%, mit riesigen Vergleichsstichproben und einem langen Test kann man da auch noch höhere z-Werte kriegen, ist aber schwierig.
Diese Schätzungen der historischen Figuren sind pure Spekulation und können nicht für bahre Münze genommen werden.
Zur Testauswertung: Die erfolgt i.d.R. streng objektiv und normiert, da werden einem keine Gnadenpunkte gegeben. Auch lassen sich mit probabilistisch erstellten Tests Antwortmuster entdecken und miteinbeziehen und je nach dem kann eine Ratekorrektur angebracht werden. Aber Raten ist bei Mehrfachwahlaufgaben immer ratsam.
Zu 4) die sind vergleichbar indem man sie umwandelt. Also z.B. z-standardisieren oder Stanine bilden etc.

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