Meine Nachbarn wollen, das meine 30 Meter hohe Bäume gefällt werden. Was kann ich dagegen tun?

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3 Antworten

Prinzipiell: wollt ihr die Bäume behalten oder ist es sinnvoller sie wirklich mal zu entfernen? Rechtsstand (beim Erhalten), Deutschland: Wir haben eine sehr große alte Linde in unserem Garten, aber direkt an der Grenze zu den Nachbarn. Diese Linde hat bei Sturm mal gewackelt, darauf hin haben wir uns gut informiert: Man kann Bäume nicht versichern, wenn der Nachbar sein Haus versichern will, muss er eine Sturmversicherung abschließen, ihr könnt Eure Bäume nicht versichern, nur Euer Haus (Sturm), Eurer Auto (Teilkasko). Der Nachbar muss selber handeln. Aber: wenn die Bäume eine Gefahr darstellen, weil sie z.B. krank sind, morsch sind, dann seid ihr haftbar, weil sie Euch gehören. Dazu braucht man dann wieder die Haftpflichtversicherung.

Wenn ihr die Bäume sowieso lieber durch kleinere Bepflanzung ersetzen wollt:

Allgemein nachfragen in der Gemeinde, ob es eine Baumschutzverordnung gibt. Die gibt es vor allem in Städten, die eine eigene Abteilung für Umwelt und Naturschutz haben. Müsst ja nicht das Grundstück angeben und den genauen Baum. Und Douglasien werden vom Naturschutz nicht so gerne gesehen, die wird man sehr leicht los, sogar in Städten. Kleinere Gemeinden haben kaum eine Baumschutzverordnung, weil eine Gemeinde, die eine Baumschutzverordnung erlässt, kann auch in die Haftungsfrage kommen, wenn durch Bäume ein Schaden entsteht, weil "wir hätten ja beseitigen wollen, ging aber nicht wegen der Verordnung". Meist geht es sehr einfach: Brief an die Gemeinde "Bäume stellen Gefährdung dar, möchten abholzen, Ersatzbepflanzung angeben". Dann kommt die Zusage der Stadt. Möglichst als Ersatzbepflanzung einheimische Laubbäume/Sträucher/Obstgehölze angeben.

Nachbarrecht (Deutschland)beachten: Bäume dürfen nur in einem Abstand von 5 m zu den Nachbargrenzen gepflanzt werden (außer Nachbar stimmt zu), Obstbäume im Abstand von 2 m, Hecken (max. 2 m hoch) im Abstand von 0,5 m (Stamm). Nach 5 Jahren gilt Verjährung. Alternativ: gemeinsam mit Nachbarn absprechen, Größe begrenzen oder schriftliche Zustimmung der Nachbarn einholen. Sonst könnt ihr u.U. die Grenzbepflanzung gar nicht mehr ersetzen später.

Wegen der Sorge der Nachbarn nach bürokratischem Aufwand: Städte wie München verlangen teils bei Baumaßnahmen einen Baumbestandsplan (Grundstücksplan im Maßstab 1:200 mit Stammumfang in 1 m Höhe, Kronendurchmesser (nach 4 Seiten unterschiedlich gemessen), Bezeichnung des Baumes, Einzeichnen zu entfernenden Pflanzen und der neu zu pflanzenden Pflanzen, Darstellung bis 5 m in Nachbargrundstücke. Denke aber bei einfachem Ersatz und Darstellung einer Gefährdung müsste das anders gehen.

(Bin Besitzerin einer 100jährigen Linde, Architektin und war 10 Jahre im Gemeinderat)

am besten wäre, ein fachmann begutachtet die situation, ob die bäume eine gefährdung darstellen, ob sie nur geschnitten oder entfernt werden sollten, etc. ich würde die zustimmung von diesem gutachten abhängig machen. außerdem muß man die bauordnung beachten, in der eventuell ein passus vorhanden sein könnte, der das fällen der bäume verbietet oder eine ersatzpflanzung vorschreibt (wie z.b. in wien).

Sollten die Bäume krank sein und dadurch z. B. bei Sturm eine Gefahr darstellen, dann solltest du dir tatsächlich eine Fällung überlegen, da du für Schäden haftbar gemacht werden könntest.

Kann ich mir nicht vorstellen. Ein Sturm ist höhere Gewalt. Und er kann auch ohne die Bäume das Haus zerstören.

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@Tigerjan

BGH

21.03.2003

Aktenzeichen: V ZR 319/02

Einstellung in die Datenbank: 10.06.2003

Bearbeitet von: Martina Seipelt

Quelle: dpa

Eigentümerhaftung: Alte Bäume rechtzeitig fällen!

Grundstückseigentümer, die ihre alten Bäume nicht rechtzeitig fällen, können für mögliche Sturmschäden haftbar gemacht werden. Mit dieser Entscheidung gaben die Richter des Bundesgerichtshofs einem Kläger Recht, auf dessen Grundstück zwei mindestens 30 Jahre alte Pappeln des Nachbarn erheblichen Schaden angerichtet hatten. Grund dafür, so die Richter, ist im konkreten Fall die Verletzung seiner sog. ”Verkehrssicherungspflicht” gewesen. Danach habe ein Eigentümer dafür zu sorgen, dass seine Bäume – sobald sie aufgrund ihres Alters nicht mehr standfest sind – geschlagen werden.

http://www.wdr.de/tv/ardrecht/urteile/urteil.phtml?code=16318_618

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@occident

Urteile sind wörtlich zu nehmen. Es geht hier nicht der Schilderung nach um alte morsche Bäume. Eine 30m hohe Fichte muß nicht zwingend alt sein.

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@Tigerjan

Womit du Recht hast. Es ging auch nur um den Hinweis auf ein mögliches Risiko.

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