3 oder 5 -Akte nach Aristoteles?

1 Antwort

Die antike Tragödie zur Zeit des Aristoteles kennt keine Akt-Einteilungen. Grob zusammengefasst unterscheidet Aristoteles (Poetik, 1452b) als die wichtigsten formalen äußeren Bestandteile, die er in verschiedenen Tragödien immer wiederkehren sah:

(1) den Prologos ("Prolog") oder, falls der Prolog wegfällt, die Parodos ("Einzug [des Chors]")

(2) das Epeisodion ("Sprechpartien" der Schauspieler)

(3) die Exodos ("Auszug [des Chors]")

Aristoteles analysiert und beschreibt im 4. Jh. v. Chr. lediglich die Praxis des Dramas, wie er sie beobachtet. Zur Zeit des Horaz, im 1. Jh. v. Chr., gab es offenbar häufig eine formale Gliederung in fünf Akte. Horaz fordert dann, dass ein Drama aus 5 Akten bestehen soll (Ars poetica 189f.), und die meisten Tragödien Senecas bestehen aus fünf Akten. In der Neuzeit wurden Aristoteles und Horaz oft zusammengeschmissen, und im Theater der französischen Klassik (Corneille, Racine, 17. Jh.) sind die vermeintlich "aristotelischen" Regeln (fünf Akte, Ort, Zeit, Handlung) obligatorisch und man führt vieles auf Aristoteles zurück, was der selbst nie gesagt hatte.

Gustav Freytag hat 1863 mit der "Technik des Dramas" ein hierzulande sehr wirkungsmächtiges dramaturgisches Lehrbuch geschrieben, in dem er die Dramentheorie des Aristoteles und andere, u. a. das Theater Friedrich Schillers zu einem Pyramiden-Schema zusammengefasst hat (Exposition, erregendes Moment; Höhepunkt mit Peripetie; retardierendes Moment und Lösung bzw. Katastrophe).

Empfehlung zum ersten Überblick:

Metzler Lexikon Literatur, Stuttgart [mehrere Auflagen, alle gut].

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