11 Stunden Arbeit wegen Minusstunden?

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4 Antworten

Rein rechtlich betrachtet und unabhängig davon, wie man ein solches Problem pragmatisch lösen kann:

Wenn Du Minusstunden "erarbeitet" hast, weil der Arbeitgeber Dich

nicht entsprechend der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit beschäftigt hat, dann ist das sein "Pech": Die Tatsache "zu wenig Arbeit" ist sein Risiko, nicht Deines! Nicht der Arbeitnehmer arbeitet dann zu wenig, sondern der Arbeitgeber hat ihm zu wenig Arbeit gegeben!

Du musst dann diese Minusstunden nicht nacharbeiten und sie dürfen auch nicht mit Deinen Ansprüchen (Entgelt, Urlaub) verrechnet werden!

Es gehört zu den arbeitsvertraglichen Hauptpflichten des
Arbeitgebers, dem Arbeitnehmer für die vereinbarten Arbeitsstunden auch
Arbeit zuzuweisen. Tut er das nicht - aus welchen Gründen auch immer
(auf ein Verschulden seinerseits kommt es dabei nicht an) -, gerät er in
den sogenannten Annahmeverzug nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch BGB § 615 "Vergütung bei Annahmeverzug und bei Betriebsrisiko".

Dort heißt es in Satz 1:

Kommt der Dienstberechtigte [Anmerk.: der Arbeitgeber]
mit der Annahme der Dienste in Verzug, so kann der Verpflichtete
[Anmerk.: der Arbeitnehmer] für die infolge des Verzugs nicht
geleisteten Dienste die vereinbarte Vergütung verlangen, ohne zur
Nachleistung verpflichtet zu sein.

Du bist also auch für diese Minusstunden so zu bezahlen, als hättest Du sie gearbeitet und must sie auch nicht nacharbeiten.

Aber:

Du darfst die Tatsache, dass Du nicht im vereinbarten Umfang zur Arbeit eingeteilt wirst - und damit ohne Dein Verschulden Minusstunden entstehen - nicht dauerhaft widerspruchslos hinnehmen (das ergibt sich auch aus BGB § 293 "Annahmeverzug", § 294 "Tatsächliches Angebot" und § 295 "Wörtliches Angebot"), weil Du damit Dein Einverständnis mit dem Vorgehen des Arbeitgebers zum Ausdruck bringen würdest.

Die Frage ist natürlich, in welcher "Position" Du Dich als Auszubildender befindest, ob die von daher überhaupt in der Lage bist - oder auch nur willens -, Dein Recht gegenüber Deinem Arbeitgeber durchzusetzen. Das ist allerdings eine Frage, die ich Dir nicht beantworten kann. Wenn es einen Betriebsrat geben sollte (vielleicht sogar - eventuell auf höherer Ebene - eine Jugend- und Auszubildendenvertretung), dann solltest Du Dich unbedingt mit ihm (ihr) in Verbindung setzen. Ansonsten gilt wieder einmal, wie leider viel zu oft: "Recht haben" und "Recht bekommen" sind manches mal zwei sehr verschiedene Dinge ...

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Reinarbeiten musst du die Minusstunden auf jeden Fall, da macht der "Azubi Status" keinen Unterschied.

Ich würde aber mit deinem Chef mal sprechen ob du das nicht in kleineren Überstunden-Portionen abstottern kannst. Nach der Schule noch 4h ist hart.

Andererseits hast du sie so warscheinlich relativ schnell wieder ausgeglichen.

Oder was in manchen Betrieben auch geht ist Urlaubstage zu opfern. Würde ich aber eher nicht machen.

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Kommentar von Familiengerd
19.06.2017, 20:15

Reinarbeiten musst du die Minusstunden auf jeden Fall

Ob die Minusstunden "reingearbeitet" werden müssen, kommt ganz auf die vertraglichen Vereinbarungen und die Regelungen zum Zeitkonto an.

Ansonsten ist Deine Aussage falsch - siehe meine eigene Antwort.

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Du solltest dich natürlich bemühen dein Überstundenkonto auszugleichen. Hier werden jedoch Verhältnismäßigkeiten überschritten. An Tagen 1-2h länger zu arbeiten, sollte normal sein, jedoch nach nem vollen Schultag noch 4h ist zu viel. Versuche mit deinem Chef zu sprechen, sonst wend dich an die für dich zuständige Kammer

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Kommentar von Familiengerd
19.06.2017, 20:17

Du solltest dich natürlich bemühen dein Überstundenkonto auszugleichen.

Wieso soll das "natürlich" sein?

Ob das Konto vom Arbeitnehmer/Auszubildenden ausgeglichen werden muss, kommt ganz auf die vertraglichen Vereinbarungen und die Regelungen zum Zeitkonto an.

Ansonsten ist diese Aussage falsch - siehe meine eigene Antwort.

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Die zulässige Höchstarbeitszeit beträgt 10 Stunden. Das ist die Zeit ohne Pausen. So stehts im Arbeitszeitgesetz. Wenn du eine Stunde Pause machst, dann kannst du von 8:00 bis 19:00 Uhr arbeiten.

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