đŸ€” War Arthur Schopenhauer (Philosoph) Rassist?

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Auch Schopenhauer, über Sklaverei in den USA:

Denn was der Leser desselben jemals vom unglücklichen Zustande der Sklaven, ja, von menschlicher Härte und Grausamkeit überhaupt, gehört, oder sich gedacht, oder geträumt haben mag, wird ihm geringfügig erscheinen, wenn er liest, wie jene Teufel in Menschengestalt, jene bigotten, kirchengehenden, streng den Sabbath beobachtenden Schurken, namentlich auch die Anglikanischen Pfaffen unter ihnen, ihre unschuldigen schwarzen Brüder behandeln, welche durch Unrecht und Gewalt in ihre Teufelsklauen gerathen sind.

Quelle: https://www.arthur-schopenhauer-studienkreis.de/Schopenhauer-Mitleid/schopenhauer-mitleid.html

Mag also sein, dass Schopenhauer Afrikaner für weniger intelligent hielt (gemessen an der verfügbaren Schulbildung ggf. sogar gerechtfertigterweise) - aber nicht für als Menschen weniger "wertig". Und darum geht es doch eigentlich, oder?

Die Rassismusforschung beantwortet die Frage mit Ja. Die Aussage ist nach ihren nach rassistischen Kategorien, wie z.B. Stereotype, zu untersuchen. Die liegen hier ja definitiv vor. Entgegen der weitverbreiteten Annahme, haben nicht alle damaligen Autor*innen rassistische Stereotype bedient und reproduziert.

Ich möchte anhand des "Sklavereifreispruchs" gern einen Logikfehler aufzeigen: Schopenhauer schreibt selbst, dass Sklav*innen durch "Unrecht und Gewalt in [...] Teufelsklauen geraten" sind. Dieses moralische Unrecht von Sklaverei gilt jedoch nicht erst ab dem Tag an dem Schopenhauer es verurteilt sondern seit dem ersten Tag der Sklaverei. Auch Schopenhauer ist mMn zu unterstellen, dass er es ebenso rĂŒckwirkend auf die Sklaverei betrachtet und nicht erst seit einem Tag X verurteilenswĂŒrdig findet. Die VerknĂŒpfung von (absoluten) Werten mit Zeit ist... eher so low-bob-Logik.

Auf die heutige Debatte noch ein Mal ĂŒbertragen: das N-Wort ist jetzt rassistisch, nichts darf mehr gesagt werden. Rassismusforschung: Es war schon immer rassistisch, es hĂ€tte nie verwandt werden.

Das kann man nicht so einfach sagen. Aus heutiger Sicht mag diese Aussage rassistisch und somit absolut kritikwürdig sein, man kann aber einen Menschen von früher nicht mit den heutigen moralischen Wertmaßstäben messen.

Machen wir mal ein Beispiel: im hundert Jahren wird niemand mehr das Fleisch eines Tieres essen, sondern nur noch Laborfleisch und andere Ersatzprodukte, da man sich moralisch weiterentwickelt hat und die nicht notwendige Ermordung von Tieren als barbarischen Akt ansieht, der gegen die Tierrechte verstößt. Alle Menschen, die trotzdem noch Tiere essen, würden als Mörder bezeichnet werden.
Und nehmen wir mal an, du hättest in der heutigen Zeit ein ganz wichtiges und erkenntnisreiches Buch geschrieben und würdest dadurch mit deinem Namen in die Geschichte eingehen. Stell dir mal vor, die Menschen in hundert Jahren würden nun sagen: dieser Mensch, der das Buch damals geschrieben hat, war ein ganz schlimmer Mörder

.

Genau das gleiche machen wir, wenn wir geschichtliche Personen mit heutigen Wertmaßstäben beurteilen: es wird ihnen nicht gerecht.

Ganz gut erklärt das Alex O‘Connor in seinem Video: https://m.youtube.com/watch?v=DRoQia65-9A

man kann aber einen Menschen von früher nicht mit den heutigen moralischen Wertmaßstäben messen. 

Sofern er Philosoph war, doch, natürlich. Damals waren das andere Zeiten, und manche Werte waren einfach andere, auch für Schopenhauer, jedoch müssen die Werte und Denkweisen vergangener Philosophen grundsätzlich mit heutigen Werten vergleichbar sein.

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Das kann man nicht so einfach sagen.

Doch, natürlich kann man das so einfach sagen.

Ob dass aber auch Einfluss auf sein Werk hatte oder zu irgendwelche unmoralischen Taten geführt hat, sind völlig andere Fragen und DAS wäre von einander zu trennen.

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@verreisterNutzer

Wenn man die heutige Definition von Rassist auf eine historische Person wie Schopenhauer anwenden möchte, dann hat er (den Aussagen gemäß) erst einmal schon rassistische Dinge gesagt. Das würde ich auch nicht leugnen.

Aber es ist nicht wirklich logisch zu fragen, ob Schopenhauer rassistisch war, weil es zu diesem Zeitpunkt im Denken der Menschen keine Rolle spielte und vor allem nicht Grundlage dafür sein kann, den moralischen Status dieser Person zu hinterfragen. Ein Mensch kann sich immer nur an den moralischen Werten seiner Zeit bewerten lassen, denn wenn es nicht so wäre, wären 90% der Menschen heute niederträchtige Mörder, obwohl wir aus heutiger Definition niemals sagen würden, dass es sich bei der lieben Oma von nebenan, die gerne mal nen guten Schweinebraten zubereitet, um eine Mörderin handelt. Sie lebt nämlich nicht in dem moralischen Bewusstsein, dass das Essen eines Tieres ein Mord ist. Man kann ,neue‘ moralische Bewertungsmaßstäbe nicht auf historische Personen anwenden, wenn es zu deren Lebzeiten noch keine derartigen Maßstäbe gab, vor allem nicht, um ihren moralischen Status zu hinterfragen.

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@Avariel
Aber es ist nicht wirklich logisch zu fragen, ob Schopenhauer rassistisch war, weil es zu diesem Zeitpunkt im Denken der Menschen keine Rolle spielte und vor allem nicht Grundlage dafür sein kann, den moralischen Status dieser Person zu hinterfragen.

Es stellt sich mMn viel eher die Frage ob es überhaupt angemessen ist einer Person einen moralischen Status zuzumessen.

Denn ehrlich gesagt, gerade auch wenn wir über eine Person reden, die für sich in Anspruch genommen hat Philosoph zu sein und nichts anderes veranstaltet hat, muss ich sagen, dass ich mich für die persönliche Moralität oder ihre Ansichten, sofern die nicht grundsätzlich für ihr philosophisches Werk waren, überhaupt nicht interessiere. Auch bei anderen nicht.

Was ist das für ein Unfug zu beanspruchen, dass das Werk einer Person nur dann etwas taugte, wenn diese moralisch 100%ig integer war?

Reden wir hier noch über philosophische Thesen oder sind wir dann nicht eher bei einer skurrilen, modernen Form von Heiligenverehrung angekommen, die mit der Würdigung des eigentlichen Werkes nicht mehr viel zu tun hat?

Was ist so schwierig daran sich hinzustellen und zu sagen:

"Jawoll, Schopenhauer war ein Rassist sui generis, was aber für den Wert seines Wirkens kaum von Belang ist, weil er niemandem jemals aus rassistischen Gründen irgendwas getan hat und in seinen wichtigen Thesen X,Y und Z sein Rassismus überhaupt keine Rolle spielte."?

Woher dieses vollkommen überzogene Verlangen nach 100%iger moralischer Integrität, die ohnehin verlogen ist?

Wollen wir brauchbare, interessante, kontroverese Annahmen über die man streiten und sich weiterentwickeln kann, oder wollen wir Säulenheilige mit dem einzigen Nutzen sie anbeten und als weltanschauliche Totschlagargumente verwenden zu können?

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@verreisterNutzer

"Jawoll, Schopenhauer war ein Rassist sui generis, was aber für den Wert seines Wirkens kaum von Belang ist, weil er niemandem jemals aus rassistischen Gründen irgendwas getan hat und in seinen wichtigen Thesen X,Y und Z sein Rassismus überhaupt keine Rolle spielte."?

Aber dann stellt sich für mich die Frage: warum ist es dann überhaupt relevant zu fragen, ob jemand Rassist war? Das macht doch nur Sinn, wenn man dann auch irgendwelche Schlussfolgerungen für sich draus zieht. Ansonsten ist es einfach eine ,nichtssagenden Aussage‘, die völlig irrelevant ist.

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Heutzutage ist alles Rassismus. Gemessen daran war er es wohl, wie auch alle anderen seiner Zeitgenossen. Auf was es aber tatsächlich ankommt, ist sein Menschenbild. Und da war er bereits damals, wieder gemessen an heutigen Maßstäben und Moralvorstellungen, sehr progressiv. So sprach er sich auch ausdrücklich gegen die damalige Sklaverei in den USA aus.

Ich halte deine Methode, Wertmaßstäbe heutiger Zeit auf Menschen von damals anzuwenden, für verwerflich. Du hast nicht einfach eine Frage gestellt.

Objektiv ist deine Frage, die keine war, mit ja zu beantworten. Er war ein Kind seiner Zeit.

In hundert Jahren wird man vielleicht fragen: Waren die Menschen von 2020 wirklich so verheuchelt, sich häufig auf die anti-rassischte Seite zu schwätzen, um von ihrer Selbstgerechtigkeit abzulenken?

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