... hat hier wer Erfahrungen mit am Borderline leidenden Menschen gemacht?

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4 Antworten

Deinen Themen entnehme ich, dass du vor hast eine Beziehung einzugehen. Bzw schon eine hast.

Ich war knapp 4 Jahre mit meiner Ex zusammen, die eine Borderlinestörung hatte. Und ich kann dir sagen, dass mich das fast kaputt gemacht hat. Und ich selbst starke Depressionen bekam, mit denen ich auch noch lange nach der Beziehung zu kämpfen hatte.

An jemanden mit Borderline heran zu kommen, ist äußerst schwierig. Denn Borderliner können in den meisten Fällen keine tragfähige Beziehung zu jemanden aufbauen. 

Das liegt daran, dass Borderline eine Persönlichkeitsstörung ist. Und Betroffene nicht mal mit ihrer eigenen Gefühlswelt zurecht kommen. Deshalb ist es nahezu ausgeschlossen, eine richtige, tiefgreifende Beziehung mit jemandem zu führen, der an dieser Persönlichkeitsstörung leidet.

Deshalb mein Rat. Lass es sein! Du kannst ihm die Freundschaft anbieten. Aber selbst hier könnte es sein, dass du immer wieder herbe Enttäuschungen hinnehmen musst. 

Aber eine Liebesbeziehung rate ich dir, zu deinem eigenen Wohlergehen definitiv ab. Glaub mir, du wirst dir definitiv nichts gutes damit tun. Und im schlimmsten Fall, gehst du selbst daran zu Grunde...

xxPHILOSOPHINxx 04.08.2017, 22:11

Guten Tag, also so ganz uninformiert bin ich nicht- ich hätte wohl mehr Infos rein packen sollen. Wie dem auch sei, ich frage eigentlich eher, weil ich die Tatsache nicht akzeptieren kann, dass es unmöglich ist, ihnen zu helfen. Mal von vorne: meine Mutter ist Borderlinerin. Ich wuchs 20 Jahre in ihrer "Gefangenschaft" auf- ja ich meine das wirklich so. Meine gesamte Familie ist heute ein nichts, außer ein Scherbenhaufen. Ich frage eben, weil ich nicht akzeptieren kann, dass diesen Menschen nicht geholfen werden kann. Daher habe ich hier mein Glück versucht.

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Filou2110 04.08.2017, 22:44
@xxPHILOSOPHINxx

Das Zauberwort heißt Therapie. DBT hat bei mir super geholfen. Dann kommt noch hinzu das ich sehr reflektiert bin, und schwupps merkt niemand, außer mir natürlich, das ich nicht mehr alle Latten am Zaun habe! ;) 

Es tut mir immer so leid, wenn ich lese was anderen passiert ist, aber wir sind nicht alle so, und uns kann definitiv geholfen werden. 

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xxPHILOSOPHINxx 04.08.2017, 22:12

Vielleicht hat ja einer die Lösung, für alle Borderline bzw. dem Umgang.

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xxPHILOSOPHINxx 04.08.2017, 22:13

Ich kann dich total verstehen, das schlimmste war für mich immer, dass sie sich emotional von mir abhängig machte. Damit fing sie mit meiner Geburt an. Du kannst dir also vorstellen, wie schwierig es ist, da einen Qut zu setzten.

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xxPHILOSOPHINxx 04.08.2017, 22:14

Und deswegen kann ich einfach nicht akzeptieren, dass sie ein Leben lang "so bleibt".

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xxPHILOSOPHINxx 04.08.2017, 22:16

In meiner Familie haben alle einen Schaden davon getragen, übrigens. Das ist in den meisten Fällen so.

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xxPHILOSOPHINxx 04.08.2017, 22:36

Du darfst aber gerne noch antworten: was hat dich da am meisten mitgenommen?

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peace1187 05.08.2017, 01:47
@xxPHILOSOPHINxx

Naja es kann zwar sein, dass bei manchen eine Therapie hilft. Aber das hängt sicher stark von der jeweiligen Persönlichkeit ab. 

Und ich berichte hier ja ausschließlich von meinen Erfahrungen. 

Für mich war es einfach schwierig. Da gabs einige Faktoren die sehr belastend für mich waren. Zb. Hatte sie negative Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften von sich selbst, auf mich projiziert. Das ging soweit, dass ich irgendwann selbst nicht mehr wusste wer ich war. Und selbst begann an mir zu zweifeln. Bzw. Es sogar selbst zu glauben.

Dann hatte sie sehr oft wirklich aggressive Ausraster. Die soweit gingen, dass ich sie teilweise Stundenlang festhalten musste, da sie mich sonst geschlagen hätte oder in der Wohnung randalierte. 

Dazu kamen dann noch Lügen und betrügen am laufenden Band. Wie auch permanente Psychospielchen, in denen sie versuchte mich seelisch und psychisch zu verletzen. 

Da gabs zb mal eine von vielen Situationen, in denen sie mich stundenlang richtig fertig machte. Bis ich einfach nicht mehr konnte und nur noch raus wollte. Ich wollte dann meine Schuhe anziehen. Und bei jedem Versuch sie anzuziehen bzw zu binden, versuchte sie mir die Schuhe weg zu ziehen oder mich beim anziehen zu stören. Damit ich auch bloß nicht aus der Situation konnte. Sie brachte mich dann an einen Punkt, an dem ich einfach nicht mehr konnte. Vor mir auf dem Tisch stand eine Kaffeetasse. Und dann hatte ich eine Kurzschlussreaktion. Eigentlich wollte ich ihr die Tasse drüber schlagen. Aber das konnte ich im letzten Moment noch abwenden. Sodass ich mir selbst die Tasse über den Kopf schlug. Naja Ende vom Lied war, dass ich ne Platzwunde am Kopf hatte. 

Klar das klingt zwar komisch. Aber wenn man mal in einer Situation mit einem Menschen ist, der sich jetzt in diesem Moment zum Ziel gesetzt hat, den anderen psychisch richtig fertig zu machen. Und dann auch alles dafür tut, dass dieser nicht aus der Situation raus kann, dann kann man das vielleicht im Ansatz verstehen, dass ich dann irgendwann zu viel hatte und keinen anderen logischen Ausweg, raus aus der Situation gefunden hatte.

Naja was ich sagen will, die ganze Beziehung lief so ähnlich ab. Und das war nur ein Beispiel von vielen. Deshalb rate ich prinzipiell jedem davon ab, sich auf eine Beziehung mit einem Borderliner einzulassen. Denn eines können Menschen mit dieser Persönlichkeitsstörung sehr gut (meiner Erfahrung nach). Nämlich sich zu verstellen. Und am Anfang so zu tun, als ob sie völlig normal wären. Und je länger eine Beziehung andauert, desto mehr verfällt man selbst in eine Coabhängigkeit. In der man durch Mitgefühl und Mitleid für seinen Partner immer stärker an ihn gebunden wird. Deshalb ist es das beste, es gar nicht erst soweit kommen zu lassen. Und rechtzeitig einen klaren Schlussstrich zu ziehen...

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peace1187 05.08.2017, 01:58
@peace1187

Natürlich klingt das jetzt hart und sehr unempathisch von mir. Aber man darf bei der Sache nicht vergessen, dass nicht nur das Wohl der Person wichtig ist, die die Borderlinestörung hat. Sondern das auch das Wohl der Menschen wichtig ist, die sich in einer Beziehung mit dieser Person befinden bzw mit dieser zusammen leben (müssen). 

Denn eines ist sicher. Genau dieses zusammenleben, ist gerade mit Menschen, die diese Erkrankung haben, sehr schwierig (im besten Fall). Bis hin zu nahezu unmöglich (im schlimmsten Fall).

In jedem Fall, ist es aber äußerst belastend für alle, die mit einem Menschen leben müssen, der Borderline hat. Und wer irgendwie die Wahl hat, sollte dies nicht freiwillig tun. 

Wie gesagt: Das spiegelt meine Erfahrungen wieder, die ich in meiner Beziehung erlebt hatte. Als gelernter Heilerziehungspfleger weis ich aber, dass dies kein Einzelfall ist. Und das, dass zusammenleben mit einem Borderliner in den meisten Fällen mit Schwierigkeiten verbunden ist. Die zwar mal schwerer und mal leichter wiegen. Aber vorhanden sind sie dennoch. Und das belastet in jedem Fall das Soziale Umfeld eines Borderliners...

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Filou2110 05.08.2017, 09:30
@peace1187

Ich habe lange überlegt, ob ich dazu noch was schreiben soll, denn ich habe immer die Befürchtung dass das so rüberkommt, als wolle ich die schlechten Erfahrungen anderer runterspielen. 

Das ist aber nicht mein Ziel. Ich glaube euch das schon. Allerdings ist es als erkrankte tatsächlich sehr hart, wenn man ständig irgendwelche Stempel aufgedrückt bekommt. 

Als erstes bezweifel Ich, das deine Ex tatsächlich Borderline hat. Man muss wissen, das der Oberbegriff der Erkrankung emotional instabile Persönlichkeitsstörung lautet. Da wird unterschieden in den Borderline Typus, und den impulsiven Typ. Letzteres hört sich eher nach deiner Freundin an, und differenziert sich etwas vom Borderline Typ. 

Es müssen gewisse Grundkriterien im "Hauptbereich" erfüllt sein, also gewisse Dinge sind bei beiden Typen gleich. Allerdings wird dann anhand der weiteren Probleme in die beiden unterschiedlichen Typen unterschieden. Ich denke impulsiver Typ sagt schon  ne Menge für sich aus. Die meisten Leute sammeln das aber unter dem Begriff Borderline, was aber falsch ist, und Menschen die am Borderline Typ leiden völlig falsch stigmatisiert. 

Des weiteren, sind die Erfolgsaussichten einer Therapie in den letzten Jahren enorm gestiegen! Jeder der sich helfen lassen möchte, und bereit ist an sich zu arbeiten, kann das auch machen.

Somit nimmt die Beziehungsfähigkeit auch wieder enorm zu. Ich lebe seit neun Jahren in einer Beziehung (Ich bin 26!), bin seit 2 Monaten verheiratet und Mutter eines 7 Monate alten Sohnes. 

Zu guter letzt möchte ich noch ohne irgendwelche Vorwürfe zu machen (!) sagen, das sich psychisch völlig gesunde Menschen, in der Regel nicht von einem psychisch kranken Partner "zerstören" lassen. Deren Selbstschutz funktioniert gut genug, um rechtzeitig die Notbremse zu ziehen. Meistens sind Partner die in die Co-Abhängigkeit rutschen, schon vor der Beziehung etwas labiler gewesen. 

Wie gesagt, das ist kein Vorwurf, aber zum kaputt machen und kaputt machen lassen gehören tatsächlich zwei. (Aussage vieler Psychologen)

Ich spreche hier auch nur von Partnern, da die Kinder keine andere Wahl haben. 

Wie gesagt, ich meine das nicht böse, aber diese völlig übertriebene Stigmatisierung muss auch irgendwann ein Ende haben.

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xxPHILOSOPHINxx 05.08.2017, 14:21

Peace1187: Deine detaillierte Beschreibung kommt mir ziemlich bekannt vor. Ich habe mir immer viele Gedanken um den Anfang gemacht. Sprich: wie kam es dazu, dass meine Mutter daran erkrankte? Der Übeltäter ist hier ganz klar mein Onkel. Mein Onkel hatte aber kein Borderline sondern den Drang, als Oberhaupt für Ordnung zu sorgen, wenn nötig, mit Gewalt. Meine Mutter prügelte ihre daraus resultierende Krankheit in die Köpfe ihrer Kinder und des Ehemannes. Ich meine übrigens prügelnd. Es gab die physische und die psychische Gewalt. Ich fand die psychische deutlich extremer. Mein Bruder leidet heute an einer Schizophrenie. Mein anderer Bruder hockt im Heim. Der kleinste, hat zwar einen gewissen Knacks davon getragen, ist aber sehr intelligent. Das ist die sogenannte RESILIENZ. Mein Vater lebt heute auch in seiner eigenen Welt und auch in meinem Fall wurde eine HPS diagnostiziert. Eine Histrionische Persönlichkeitsstörung. Anfangs habe ich an der von Filou2110 beschriebene Dialektisch-Behaviorale-Therapie von Marsha Linehan teilgenommen. Bis dann allerdings klar war, dass ich kein Bordi sondern ein Histrioniker bin. Es gibt gewisse Strukturen, die sich festgefahren haben. Also Borderline-Strukturen. Also bin ich vielleicht ein Mini-Mini-Bordi. Ich kann da aber Problemlos die Norm in meine Psyche bringen. Borderline mutiert zu einer Volkskrankheit. Borderline ist das Spiegelbild der Gesellschaft. Die Politik muss und wird früher oder später handeln müssen. Borderline ist Resultat des Versagens. Ich hasse diese Krankheit, das kannst du mir glauben. Die Frage die mich beschäftigt -daher habe ich nach dem Anfang gesucht- wie beende ich diesen Teufelskreis? Ich mache mich gesund (mit allem was dazugehört) und mache mein Kind (das ich dann hoffentlich irgendwann bekommen werde) glücklich. Ich möchte meinem Kind all das geben, was meine Familie nicht hatte.

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xxPHILOSOPHINxx 05.08.2017, 14:30

Und zu dir Filou2110: du kannst selbstverständlich etwas dazu sagen. Ich möchte dir allerdings raten, Diskussionen rund um Borderline niemals persönlich zu nehmen. Das tue ich auch nicht. Es gibt so viele Menschen, die darunter litten, dass kannst du dir nicht vorstellen. Meine erste Erfahrung mit einem Bordi -abgesehen von meiner Mutter- habe ich an einer Bushaltestelle gemacht. Sie saß da, keine Stelle ihrer Arme war frei von irgendwelchen Narben. Sie starrte mich an, manipulierte mich, "ist das schlimm, was du da siehst? - was macht das mit dir"?. Ich bin nicht darauf eingegangen und war froh, als sie weg war. Ich habe so viele Bordis kennengelernt. Und bevor ich zur Therapie bin, habe ich mir geschworen, mich von extremem Bordis fernzuhalten. Und gerade ich, habe einfach das Recht dazu. Von etwa 15 war eine unter ihnen, die gleich auf die emotionale Abhängigkeit drängte. Die emotionale Abhängigkeit, meine größte Schwachstelle. Du hast richtig beschrieben wenn du schreibst, dass da zwei dazu gehören. Das der Betroffene vorher etwas labil war. Das Ding ist nur, Borderliner suchen sich eben ganz gezielt diese Menschen raus und da kann sich niemand vor schützen, der Borderline nicht kennt.

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xxPHILOSOPHINxx 05.08.2017, 14:37

Die meisten die ich da kennenlernten waren gut umgänglich. Aber das interessiert mich Alles nicht mehr wirklich. Ich kann für meine Familie eigentlich nur noch beten und es bei dem Qut lassen und eben den Teufelskreis beenden. Ich werde niemals ein Kind auf die Welt setzten bevor ich nicht alles reflektiert, recherchiert und aufgearbeitet habe. Man sucht verzweifelt nach einem Ausweg, weil diese Erkrankung so unberechenbar ist. Das will und kann ich nicht so stehen lassen. Ja meine Mutter kann nichts für ihre Erkrankung. Ich auch nicht. Meine Mutter spricht zwar gutes Deutsch, würde die DBT aber nicht rallen. Die Erkrankung klingt im Alter ab, dass ist meine Hoffnung. Meine Familie ist dennoch verloren. Also muss ich das beste daraus machen. Ich bin momentan wieder mit einem Bordi befreundet, vielleicht kann ich da deine Ratschläge für annehmen. Sie ist aber auch ein Mini-Bordi.

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xxPHILOSOPHINxx 05.08.2017, 14:41

Ich bedanke mich erstmal und wünsche euch noch was. :-)

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Filou2110 05.08.2017, 15:01
@xxPHILOSOPHINxx

So ganz persönlich nehme ich das auch nicht. Aber es macht die Sache deutlich schwerer, wenn sich plötzlich alle deine alten Freunde (wenn man das dann so nennen darf), von einem distanzieren, weil sie die übelsten Horrorgeschichten im Internet gelesen haben. Man ist stigmatisiert, und das häufig noch nicht mal zu recht. 

Ich habe ebenfalls viele Borderliner kennengelernt, und tatsächlich habe ich noch nie so ein Extrem gesehen. Vielleicht lassen die sich halt einfach nicht therapieren und sind nicht reflektiert genug. 

Meine Mutter hat übrigens auch Borderline und unterm Strich gibt es nicht eine Form von Gewalt, die ich nicht erlebt habe. Ich weiß also schon in so etwa wovon ihr da sprecht. 

Ich habe es nun selbst, allerdings ohne fremdaggression, mein Bruder wohnt am anderen Ende von Deutschland, meine Schwester ist Drogenabhängig und mein Vater hat sich vor 8 Jahren genau auf die Art und Weise umgebracht wie jetzt neulich Chester Bennington. 

Auch ich bin in gewisser Form ein "Opfer". Was man daraus macht liegt aber immer in den eigenen Händen. Schuldzuweisungen sind da völlig fehl am Platz und helfen auch nicht. Wenn man das verstanden hat (das hat bei mir eine ganze Weile gedauert), lebt es sich schon deutlich befreiter. 

Danke dir auch noch alles Gute. 

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xxPHILOSOPHINxx 05.08.2017, 15:09

Oh nein, mein Beleid. Daher meine ich, muss man für sich selbst den Teufelskreis beenden. Ich wünsche dir auch alles liebe und Gute. ♡

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xxPHILOSOPHINxx 05.08.2017, 23:42

Der Stern geht so wohl an peace1187 als auch an Filou2110.

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Grundsätzlich vielleicht wie mit einem Menschen? 

Es gibt gewisse Gesprächsregeln die man anwenden kann. Aufgeführt sind die unter anderem im Buch "Ich hasse dich, Verlass mich nicht". 

Ich persönlich bekomme allerdings die Krise, Wenn ich von anderen eine Sonderbehandlung bekomme, nur weil ich Borderline habe. 

Ist bei mir persönlich auch nicht wirklich nötig. Aber das kommt natürlich auf die Person und ihren Charakter, sowie dem derzeitigen Befinden (evtl. Krisen) an. 

Lies das Buch: Schluss mit dem Eiertanz

Ganz normal. Wenn die Person bereits in Behandlung ist und du nichts von der Krankheit weißt, merkst du es gar nicht.

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