,, Fleischhaltige Lebensmittel müssten in Industrienationen deutlich teurer werden” Was denkt ihr zu dieser Aussage?

13 Antworten

Absolut richtig. Die Scäden durch den viel zu hohen Fleischkonsum sind enorm. Fleischkonsum gehört zu den wesentlichen Verursachern von Treibhausgasen, die den Klimawandel verschlimmern:

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/klimawandel-fleischkonzerne-co-emissionen-1.4058225  

Veganer sparen jährlich im Schnitt zwei Tonnen Treibhausgase:

https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/veganer-sparen-jaehrlich-zwei-tonnen-treibhausgase-a-1264577.html

Zudem importiert Deutschland auch Tierfutter für Nutztiere aus Ländern wie Brasilien. Dort wird zur Schaffung der Ackerflächen der Regenwald brandgerodet:

https://www.abenteuer-regenwald.de/bedrohungen/fleisch

https://www.transgen.de/lebensmittel/2622.futter-soja-ohne-gentechnik.html

Hinzu kommt der hohe Ressourcenverbrauch. Ein Nutztier muss im Schnitt erst einmal sieben Kalorien pflanzlicher Nahrung fressen, um selbst eine Kalorie tierischer Nahrung zu produzieren. Verfüttert wird hauptsächlich Kraftfutter aus Mais, Soja, Weizen und Raps. Rund 60 % der Äcker in Deutschland werden für den Anbau von Tierfutter verwendet, schreibt das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft.

https://www.landwirtschaft.de/landwirtschaft-verstehen/wie-arbeiten-foerster-und-pflanzenbauer/was-waechst-auf-deutschlands-feldern/

Auf einem Großteil dieser Ackerflächen ließe sich auch Nahrung direkt für den Menschen anbauen. Das ist eine größere Lebensmittelverschwendung als alles was in Supermärkten, Restaurants und Privathaushalten zusammen weggeworfen wird.

https://www.weltagrarbericht.de/themen-des-weltagrarberichts/fleisch-und-futtermittel.html

"Auf der Fläche, die man für vier Gramm Rindfleisch benötigt, könnte man 100 Gramm pflanzliche Nahrung mit vergleichbarem Eiweiß- und Kaloriengehalt erzeugen. Die Differenz von 96 Gramm betrachten die Forscher als Verlust durch die Ernährungsweise. Bei Schweinefleisch beträgt dieser Verlust 90 Prozent, bei Milchprodukten 75 Prozent, bei Hühnerfleisch 50 Prozent und bei Eiern 40 Prozent."

https://www.welt.de/wissenschaft/article174932174/Mit-veganer-Ernaehrung-bekaeme-man-viel-mehr-Menschen-satt.html

Für die Produktion von einem Kilo Rindfleisch müssen ca 15.000 Liter Wasser aufgewendet werden:

https://www.welt.de/wissenschaft/article6012574/Ein-Kilo-Rindfleisch-kostet-15-000-Liter-Wasser.html

Die Nutztierhaltung ist zudem durch die Ammoniak-Ausdünstungen der Fäkalien die größte Quelle für Feinstaub in Deutschland:

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/100445/Massentierhaltung-Hauptverursacher-fuer-Feinstaub

Die Entsorgung der Fäkalien (als Dünge deklariert) versucht das Grundwasser mit Nitrat:

https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/nitrat-im-grundwasser-durch-ueberduengung-und-guelle-a-1027279.html

Auch Weidehaltung ist keine Lösung. Hier ist die Klimabilanz sogar noch schlechter als bei Intensivtierhaltung, weil Weiderinder pro kg Fleisch deutlich mehr Methan produzieren. 

https://www.blick.ch/news/schweiz/umwelt-fleisch-vom-weiderind-ist-umweltschaedlicher-als-aus-grossviehmast-id5185811.html  

https://www.aargauerzeitung.ch/wirtschaft/fleisch-vom-weiderind-ist-umweltschaedlicher-als-aus-grossviehmast-130376391

Zudem braucht man bei Vollweidehaltung 3,5 ha pro Kuh. Da kann man sich den exorbitanten Flächenbedarf leicht ausrechnen, wenn die Massentierhaltung durch Weidehaltung ersetzt werden soll.  

Der übermäßige Verzehr von Fleisch und anderen Tierprodukten in der Gesellschaft ist außerdem mitverantwortlich für die hohen Raten an Zivilisationskrankheiten wie Krebs, Diabetes Typ 2 und Herz-Kreislauferkrankungen.

"Die Aufnahme von tierischen Proteinen ist mit einem höheren Sterberisiko verbunden als die von pflanzlichen Proteinen. Das ergaben nun zwei Langzeitstudien."

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/2016-07/studie-pflanzliche-eiweisse-gesuender-als-tierische/

"Wie zahlreiche Studien gezeigt haben, ist eine hohe Hämeisenzufuhr aus Fleisch und Fleischprodukten mit verschiedenen Krankheiten assoziiert, einschließlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebserkrankungen."

https://www.diagnostisches-centrum.de/fach-infos/gemischtes-vermischtes/130-fachartikel/fachartikel-eisenstoffwechsel/1312-gesundheitsrisiko-haemeisen

Das wäre ein guter Ansatz. Aktuell sieht man ja, wohin es führt, wenn Fleisch zu Billigpreisen auf den Markt geworfen wird: Dass nicht nur Tiere, sondern auch Arbeiter leiden. Zum Wohle dieser beiden Gruppen und unser aller Gesundheit auch, sollte sich an den Produktionsbedingungen etwas ändern.

Ich nehme an, das geht nur, wenn alle bereit wären etwas mehr für Fleischprodukte auszugeben. Und wenn Fleischprodukte nicht mehr so maßlos konsumiert würden.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – und Beruf

ja. Doppelt so teuer . Wenn es in bessere Bedingungen investiert wird. Man muss nicht jeden Tag Fleisch essen . Es muss was Besonderes sein, wenn man Lebewesen isst. Oder Babies wie Kälber, Lämmer etc / im zoo streicheln - zuhause grillen . Im Schlachthof foltern . Im Stall einquetschen .....ja muss teurer werden .

,, Fleischhaltige Lebensmittel müssten in Industrienationen deutlich teurer werden” Was denkt ihr zu dieser Aussage?

Dass derjenige, der diese Aussage trifft, entweder kein ökonomisches Verständnis hat, oder dass er ein es hat und möchte, dass Menschen so leben wie er es gerne hätte statt so, wie sie es gerne hätten.

Fleisch muss natürlich nicht teurer werden. Die Fleischproduzenten machen beim aktuellen Preis genug Gewinne um die Konsumenten auch weiterhin mit Fleisch versorgen zu wollen. Die Konsumenten wiederum profitieren von günstigen Preis weil sie sich dann mehr Leisten können. Jeder gewinnt, nur irgendwie scheint derjenige, der die Aussage trifft, nicht zufrieden zu sein mit einer Win-Win Situation.

Kommen wir also zur zweiten Möglichkeit: Derjenige, der diese aussage trifft, möchte, dass andere Menschen mehr so leben wie er es gerne hätte statt so wie sie es selbst gerne möchten. Er möchte den Menschen also einen Teil ihrer Freiheit nehmen um irgendeine eigene Agenda durchzusetzen - sei es dass er kein Fleisch mag und es eklig findet wenn andere welchen in seiner Nähe essen, dass er wohlhabend ist und der Meinung ist nur Wohlhabende sollten das Privileg haben regelmäßig Fleisch zu essen, oder dass er selbst wirtschaftliche Interesse daran hat, dass Menschen weniger fleisch essen (er könnte z.B. Anteilseigner einer Firma sein, die Fleischersatzprodukte herstellt).

Ökonomisch ist ein Anstieg der Preise jedenfalls nicht zu begründen, da sich Konsument und Erzeuger über die aktuellen Preise einig sind, sonst würde es diese heute nicht geben. Bleibt also noch der zweite Ansatz - derjenige, der die Aussage tätigt, hat eine eigene Agenda welcher Art auch immer.

Diese libertäre Haltung wird der Verantwortung der Politik gegenüber der Gesellschaft nicht gerecht.

Der Ausgangspunkt für den hier geforderten Preisanstieg sind natürlich die im Fleischpreis nicht enthaltenen externen Kosten. Das beinhaltet so handfeste Dinge wie Strafzahlungen an die EU wegen schlechter Wasserqualität, die am Ende vom Steuerzahler gezahlt werden, und weniger greifbare Dinge wie Schaden an Ökosystemen, Tierleid und Beschleunigung des Klimawandels.

Es ist die Aufgabe des Gesetzgebers, hier ein gerechtes Gleichgewicht zu erhalten, damit nicht ein Teil der Gesellschaft auf Kosten der anderen lebt. Hier gibt es im Wesentlichen zwei Möglichkeiten:

  • Man kann die Standards in der Fleischproduktion anheben, um so bessere Haltungsbedingungen zu erreichen, den Schaden durch Abwässer und Düngung zu reduzieren, usw. Das führt natürlich zu höheren Kosten, wodurch die Preise steigen, was ja die Ursprungsfrage ist.
  • Alternativ kann man natürlich auch die Steuer auf Fleisch anheben - da ist dann die Idee, dass man den Schaden nicht verhindert, sondern die Verursacher stattdessen für den entstandenen Schaden zur Kasse bittet. Aktuell haben wir die paradoxe Situation, dass Fleisch nur mit 7%, Fleischersatz aber mit 19% Mehrwertsteuer belegt ist.

Es geht hier also nicht unbedingt um eine Agenda oder eine persönliche Bereicherung. Sofern man akzeptiert, dass Fleischproduktion negative externe Kosten hat (und ich denke, das wird von einem breiten Teil der Bevölkerung akzeptiert, vgl. [1]), ist es nur fair, dass man darüber nachdenkt, diese auf die ein oder andere Art auszugleichen. So machen wir das ja auch schon bei KFZ-Steuer etc. und da beschwert sich auch niemand, dass das "gegen den ökonomischen Verstand" ist und man damit anderen "aufzwingt, wie sie leben sollen".

[1]: https://www.vzbv.de/sites/default/files/downloads/Tierschutz-Umfrage-Ergebnisbericht-Langfassung-vzbv-2016-01.pdf

1
@frambemble
Diese libertäre Haltung wird der Verantwortung der Politik gegenüber der Gesellschaft nicht gerecht.

Naja von Politik war in der Frage ja gar nicht die Rede, aber ich gehe trotzdem gerne auf deinen politikorientierten Beitrag ein.

Der Ausgangspunkt für den hier geforderten Preisanstieg sind natürlich die im Fleischpreis nicht enthaltenen externen Kosten. Das beinhaltet so handfeste Dinge wie Strafzahlungen an die EU wegen schlechter Wasserqualität, die am Ende vom Steuerzahler gezahlt werden, und weniger greifbare Dinge wie Schaden an Ökosystemen, Tierleid und Beschleunigung des Klimawandels.

Wir können ja durchaus davon ausgehen, dass derjenige, der die Aussage macht die externen Kosten im Kopf hat, aber aus der Frage gehst das wirklich nicht hervor.
Inwiefern es tatsächlich externe Kosten gibt und in welcher Höhe diese anfallen kann ich persönlich nicht sagen. Ob die Strafzahlungen externe Kosten sind ist meiner Meinung nach aber fraglich, weil sie auf einem Vertrag beruhen, den über die Repräsentation durch die Regierung eben jene Personen geschlossen haben, die auch von den günstigen Preisen profitieren.
Schaden an Ökosystemen und Tierleid erkenne ich durchaus als externe kosten an, bei der Beschleunigung des Klimawandels fehlt es mir am Empirie, aber ich bin gerne bereit für diese Diskussion ebenfalls anzunehmen es handle sich dabei um externe Kosten.

Es ist die Aufgabe des Gesetzgebers, hier ein gerechtes Gleichgewicht zu erhalten, damit nicht ein Teil der Gesellschaft auf Kosten der anderen lebt.

Das ist zwar nicht unrichtig, aber die Aufgabe des Gesetzgebers ist auch die Abwägung von Kosten. Es gibt kein perfektes Gleichgewicht, und jede staatliche Intervention erhöht die Gesamtkosten, weil sie Intervention verwaltet werden muss. Es gibt einen Punkt, an dem es wirtschaftlich nicht mehr tragbar ist für den Gesetzgeber eine solche Intervention vorzunehmen. Der ist dann erreicht, wenn die Kosten den Nutzen übersteigen. Wann genau dieser Punkt erreicht ist, da wird es in allen Fällen viele verschiedene Meinungen geben, aber er existiert in jedem Fall.

Man kann die Standards in der Fleischproduktion anheben, um so bessere Haltungsbedingungen zu erreichen, den Schaden durch Abwässer und Düngung zu reduzieren, usw. Das führt natürlich zu höheren Kosten, wodurch die Preise steigen, was ja die Ursprungsfrage ist.

Das haben wir doch aktuell schon. Es gibt immer mehr und mehr Produkte in den Supermärkten, die genau damit Werbung machen und es gibt auch viele Leute die bereit sind für diese Produkte einen höheren Preis zu bezahlen. Wir kaufen z.B. nur Freilandeier und meine Frau kauft bevorzugt Biohackfleisch. Es ist also nicht so dass es diese besseren Standards aufkosten des Preises nicht schon gibt.

Alternativ kann man natürlich auch die Steuer auf Fleisch anheben - da ist dann die Idee, dass man den Schaden nicht verhindert, sondern die Verursacher stattdessen für den entstandenen Schaden zur Kasse bittet. Aktuell haben wir die paradoxe Situation, dass Fleisch nur mit 7%, Fleischersatz aber mit 19% Mehrwertsteuer belegt ist.

Das wiederum hat meiner Meinung nach nicht den von dir gewünschten Effekt. Die Mehrwertsteuer ist nur national wirksam, und eine Erhöhung würde lediglich den Export der Produkte relativ attraktiver. Somit würden die externen Kosten hier anfallen und die Vorteile des günstigen Fleisches in andere Länder verschwinden. Das ist doch noch schlechter als heute. Dazu kommt noch, dass Steuern per Definition nicht Zweckgebunden sind, sie also nicht so einfach und schon gar nicht zuverlässig zur Kompensation externer Kosten herangezogen werden können - und wenn sie es doch werden, dann nur unter erheblichen Verwaltungsverlusten.

Es geht hier also nicht unbedingt um eine Agenda oder eine persönliche Bereicherung.

Sicher nicht unbedingt, aber die Möglichkeit ist schon gegeben.

Sofern man akzeptiert, dass Fleischproduktion negative externe Kosten hat (und ich denke, das wird von einem breiten Teil der Bevölkerung akzeptiert, vgl. [1]), ist es nur fair, dass man darüber nachdenkt, diese auf die ein oder andere Art auszugleichen.

Da bin ich voll uns ganz bei dir. Aber dann bitte über all da wo es geht zwischen Personen und nur da wo das nicht geht über den Staat, und dann auch nur, wenn die Kosten für den Ausgleich so Gering sind, dass dieser ökonomisch sinnvoll ist. Und auch nur dort, wo die Kosten nachgewiesen und beziffert werden können, so wie das bei jedem anderen Schadenersatz auch üblich ist.

Letztendlich ist doch das Problem gar nicht das Fleisch, sondern dass manche Leute der Meinung sind einen Nachteil zu haben wenn andere Fleisch essen. Dann muss man das eben untersuchen, schauen welche Kosten man nachweisen kann, und diese dann von Verursacher an denjenigen, der den Schaden hat, leiten. Und wenn das nicht oder schwer machbar ist, dann meinetwegen auch über den Staat, aber eben nur wenn dabei keine großen Verwaltungsverluste entstehen, sonst hat der Geschädigte ja auch wieder nichts davon.

1

Wenn es den Tieren besser geht ist das vielleicht sinnvoll. Wenn die Produktion dieselbe bleibt und es nur teurer wird, ist das völlig sinnlos.

Was möchtest Du wissen?