- Einzelgänger und Partnerschaft -

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Eine ausgezeichnete Frage, wirklich!

Die Abschattung vom Verachteten, der Versuch nicht in der Menge durch Anpassung unterzugehen , die Ruhesuche zur Förderung des Denkens, die Ablehnung jeder kommerziellen Massenkultur, die Misanthropie - sie alle sind gute Motive, die ein gesundes Einzelgänger Wesen fördern. Man betrachtet sich selbst nicht mehr als Mitglied des sich ewig wiederholenden Possenspiels, welches tatsächlich voller Primitivität steckt - man muss nur richtig hinschauen und sich nicht vorsagen lassen, dass alles normal sei.

Ja, wo bleibt nun die Liebe fragst du? Sowohl Liebe empfangen, als auch besonderns Liebe zu geben werden durch solch eine Einstellung nicht erleichtert. Aber doch nur im alltagsgebräuchlichen Sinne dieses Wortes!

Wie sollte man als Menschenverachter auch nur einen von ihnen wahrhaft lieben lernen, in dem Sinne, sich ihm völlig hinzugeben, sein Selbst zu teilen und sich dabei auch noch wohl fühlen zu müssen. Der Verzicht die Macken auszuleuchten, wie man es sonst doch immer bei jedem getan hatte, bis man anfing sie zu resignieren. Doch selbst die Teilnahmslosigkeit ist in diesem Liebesverständnis keine gültige Form, da wir unsere Liebe nach außen hin zeigen müssen, quasi beweisen. Der größte Beleg unserer Zeit dafür ist ironischer Weise in der asketisch lieblosen Kirche verankert: in der Ehe. Die absurde Reduktion von Gefühlen auf einen Gegenstand: einen Ring. Alles in dem Glauben Gottes Segen über sich zu wissen, obwohl wir heutzutage mehr vorehelichen-Sex-habende Atheisten als Theisten in Deutschland zählen - letztere erleben in diesem Akt die größte Perversion, da sie aus Angst heiraten. Angst vor Gottes Verachtung ihrer Unehelichkeit und Angst vor ehelosen Kindern, die armen gottlosen Bastarde. Das sprengt nun endgültig den Rahmen sinnvoller Kultur. Kinder als gängiger Beziehungsgrund. Aber es mag auch noch Leute geben, die wirklich lieben. Und das völlig reuelos, ohne das Gefühl das Verlustes - vielleicht macht gerade das sogar die gängige Liebe aus. Aber nicht die unsere!

Wir stehen in Distanz zum Menschen, daran ändert kein Grad an Zuneigung etwas, da wir auch in ihm die allgemeine Verkörperung dessen erblicken, was uns tagtäglich bei anderen so abstößt. Unsere Unfähigkeit in dieser Person die eine besonders individuelle zu betrachten, die sich so sehr von allen anderen unterscheidet, entsteht durch unsern Trotz mit in jenes Possenspiel miteinbezogen zu werden, in dem sich ein jeder bei seiner 14. Beziehung einredet, dass genau diese außergewöhnlich sei, nur um sie im Nachhinein als abstoßend zu empfinden.

Nein, unsere Liebe ist etwas anderes. Sie kann nicht so vergänglich und unbedeutend sein. Genau dies reizt auch nur einen simplen Charakter, der nicht das Ganze zu betrachten vermag. Bevor wir jemanden lieben lernen, müssen wir lernen, alle zu lieben. Und zwar nicht in diesem abgeschmackten oberen Schema, sondern in einem tiefen inneren Bewusstsein unserer allgemeinen Einzigartigkeit gegenüber allem anderen in der Welt. Wir müssen jedes einzelne Blutvergießen nicht als eine Untat schlechter feindlicher Parteien betrachten, sondern den Geschichtsverlauf als ein ewiges Wechselspiel von ungemeiner Emotionalität bewundern und innerhalb dieser Zeitgeraden, einen jeden Gefallenen gleichsam und gleichzeitig betrauern. Wir müssen uns über die verzweifelt eingeengten Meinungsfreiräume der Politiker amüsieren, ebenso über die Begabung anderer, dich nicht verstehen zu können - solange du es selbst tust. Man muss die großen Taten nicht als die einzelner betrachten, sondern als die einer langen Kette. Du erkennst den Weltgeist als keinen starren Werteturm, sondern als etwas lebendiges, von dem du denkst, außen vor zustehen, aber gerade durch diese Sonderstellung ebenso deinen Anteil dazu gibst, deine Rolle einnimmst. Wir können uns abschatten und über die Primitivitäten der Gesellschaft den Kopf schütteln, aber doch zugleich darüber lächelnd, dass man sich selbst aus dem großen Zusammenhang nicht ausschließen kann und zugleich dessen dankbar sein sollte, da auch ein Einzelgängerleben ein wahrhaft gutes Leben sein kann.

Und sobald man ein solches Menschenbild aufgenommen hat, wird man die Liebe zum Leben eines jeden Menschen dieses Kreislaufes auch auf den Einzelnen übertragen können. Da es genau dieser war, der dir in diesem Gewusel begegnet ist. Er steht genau jetzt zu deiner Seite und betrachtet mit dir gemeinsam das Geschehen, das du auch in ihm wiedergespiegelt siehst und das ihr niemals wirklich verlasst habt.

Er hält die Hand des Mannes, der ihm das Leben vor Augen geführt hatte. Der sich dem seinen entheben konnte. Der nicht um die Verlorenen trauerte, sondern viel mehr den Erhaltenen die Hand gab, sie küsste und ihre Nase in Ruhe ließ. Er ist der Mann, der er ist! Und er hat sich erhoben.

aus Affektsturm

wow, danke für die ausführliche Antwort :)

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wäre mal interessant zu sehen (Anführungszeichen?) wo und welche Passage dieses Textes nach-geschrieben sind, hätte dies doch schon gerne mal gesehen , ?

an sich sehr gefällig und recht einseitge Betrachtung des (menschlichen) Lebens, ohne wirkliche, erhebliche und wirtschaftliche wie soziale Verknüpfungen zu beachten und darin wahrzunehmen, sehr literarisch überhöht,

dazu:

Nein, unsere Liebe ist etwas anderes. Sie kann nicht so vergänglich und unbedeutend sein. Genau dies reizt auch nur einen simplen Charakter, der nicht das Ganze zu betrachten vermag

ja und dann? Übrigens hätte ich ebenso gerne eben jene: Betrachtung des "Ganzen" gesehen,..!?

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@Sajonara

Du bist bereits der Zweite, der anzweifelt, dass dieser Text vollständig von mir verfasst ist, doch frage ich mich, wie verzweifelt man nach Anerkennung ringen muss, wenn man in einem Ratgeber-Forum Plagiate nutzt. Ich würde einen jeden Verweis auf Worte anderer angeben. Ja sogar der Ausschnitt aus "Affektsturm" ist aus dem Ende einer meiner Kurzgeschichten!

Die Kritik der Einseitigkeit mag gar nicht so verfehlt sein, da ich hier kein Sachbuch, sondern einen m. E. wichtigen Aspekt ausleuchten wollte. Auf wirtschaftliche und soziale Verknüpfungen einzugehen lag mir beim Thema Liebe eher fern, ganz im Gegensatz zu ihrer philosophischen Seite, weshalb es wohl auch auf manch einen "literarisch überhöht" wirken mag, wie du es nennst.

Zu dem "ja und dann?" kann ich keine Stellung beziehen, da ich die Frage nicht verstehe. Und das so genannte "Ganze" wurde im selben Abschnitt charakterisiert. Ich wollte keine gängige Definition von alle dem abliefern, sondern einen Eindruck in das, was ich bei diesem Thema empfinde, geben.

Also Peace, Bruder ;)

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@MaNic22

Ich kann die Wahrheit des Textes nur bestätigen, so redet der Homy immer ;)

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Richtig toller Text, MaNic22 ! :)

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Alles sehr schöne Texte hier.Brawo ! Aber, es gibt auch eine Krankheitsbedingte Form von Einzelgänger dasein.Autzisten/Asperger Kranke sind auch wenig Bindungsfähig sprich sie haben mühe mit zuviel nähe, angst vor zu viel nähe, angst vor vor dem versagen, nicht zu genügen usw und MÜSSEN meisten ein Einzelgängerdasein fristen, ohne Freunde, Freundin...Hab mal ne gute TV-Talk über diese Krankheit gesehen und da waren mehrere betroffene zu Gast :)

Sori der Fehler: Es heisst Authisten :)

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Ich lernte meinen Partner genau da kennen, als sich mein Rückzug und Einzelgängertum begann abzuzeichnen.

Ich bin grundsätzlich ein recht offener Mensch und hatte immer sehr viele Kontakte, bedingt auch dadurch, dass ich alles mit mir und in mir ausmachte und nach „Außen“ Sonnenschein, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, usw. demonstrierte.

Mein Partner ist ein sehr stiller, einfacher (im Sinne von unkompliziert, geradlinig, fast schon berechenbar) Mensch, was ich zum Zeitpunkt unseres Zusammentreffens als sehr gegensätzlich empfand.

Die Entwicklung und Veränderung (rein geistiger Natur), die ich als Rückzug und Alleinsein erlebte, war mir tatsächlich erst durch ihn möglich, bzw. erleichterte es sehr. Ich gab meine Arbeit auf und war jahrelang nur mit mir und meinem Innersten beschäftigt. Natürlich hatte auch ich, wie andere hier, meine Zweifel und fragte mich oft, ob dies noch „normal“ sei, fühlte mich oft hin und hergerissen.

In all dem geistigen Chaos, der Nichtbeachtung aller „Nichtigkeiten, Banalitäten“ auch genannt „Alltag“ ;-) ist mir mein Partner der ruhende Pol, der Fels in der Brandung, derjenige der sich um all das gekümmert hat, das mir nicht möglich war, gewesen.

In dem Maße, wie ich mich in dieser Zeit selbst erkannte und immer mehr verstand, konnte ich beobachten, wie auch er mich immer mehr so annehmen konnte, wie ich bin. Ich muss erwähnen, dass meine intensive Beschäftigung mit mir, meine riesigen Gedankengebäude, die ich auftürmte, ihn nicht wirklich interessieren und dies auch nicht Gesprächsstoff war / ist. Dies empfinde ich als äußerst wohltuend und es gibt nichts, das ich mehr genieße, als unser gemeinsames Schweigen ;-) (wer hätte dies je gedacht…?! … wo ich früher die Klappe nicht halten konnte…)

Lange Rede, kurzer Sinn… Hier ein Ausschnitt aus „Der Prophet“ von Khalil Gibran:

Ja, ihr werdet selbst im stummen Gedenken Gottes zusammen sein.

Aber lasst Raum zwischen euch.

Und lasst die Winde des Himmels zwischen euch tanzen.

Liebt einander, aber macht die Liebe nicht zur Fessel:

Lasst sie eher ein wogendes Meer zwischen den Ufern eurer Seelen sein.

Füllt einander den Becher, aber trinkt nicht aus einem Becher.

Gebt einander von eurem Brot, aber esst nicht vom selben Laib.

Singt und tanzt zusammen und seid fröhlich, aber lasst jeden von euch allein sein,

so wie die Saiten einer Laute allein sind und doch von derselben Musik erzittern.

Gebt eure Herzen, aber nicht in des anderen Obhut.

Denn nur die Hand des Lebens kann eure Herzen umfassen.

Und steht zusammen, doch nicht zu nah:

Denn die Säulen des Tempels stehen für sich,

Und die Eiche und die Zypresse wachsen nicht im Schatten der anderen.

Und genau so erlebe ich es.

"Und steht zusammen, doch nicht zu nah"

Dazu fällt mir Schopenhauers Stachelschweinmetapher ein. Er vergleicht den Menschen mit diesem Tier in einer Situation wo im kalt wird. Um es wärmer zu haben rücken sie näher zusammen, doch umso näher sie sich kommen, desto mehr stechen die Stacheln der anderen. Sie müssen das rechte Maß zwischen Kälte und Schmerz abwägen :) finde ich sehr passend formuliert.

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@goodboy21

Oh, wunderbar! Danke!

Seit ich den Kommentar von @MaNic gelesen habe, machte ich mir immer wieder Gedanken drüber, weil mir irgend etwas nicht daran gefiel... Aber ich kam nicht drauf.

Jetzt - nachdem ich die ganze Passage gehört habe, wird es klar.

Diese Metapher passt wunderbar auf das menschliche Ego und das Verhalten der Egos untereinander...

Nur der muss sich durch Stacheln schützen, der Angst hat verletzt zu werden...

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@Angel84

:D eine Umwandlung von Schopenhauers Misanthropie zu einer menschlichen Offenheit - ich dachte mir schon fast, dass dir sein Menschenbild nicht gefällt ;)

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@MaNic22

Oh, von "nicht gefallen" kann keine Rede sein... Er hat (zumindest in diesem Text... mehr von ihm kenne ich nicht), das Bild der Menschen, die im Ego gefangen sind, sich ihres Geistes nicht bewusst, durchaus gut getroffen. Und in diesem Fall greift seine Metapher auch. Hier hat der Mensch tatsächlich Angst vor den Stacheln der anderen.

Erinnere dich, was ich bzgl. dem "stecken bleiben im Geistigen" geschrieben habe... was eben dazu führen kann, sich von diesen "Stacheln" abgestoßen zu fühlen.

Wenn ich darüber hinaus gehe (hier ist das wichtigste Wort LIEBE), ist es so, dass andere in der Begegnung mit dir ins Leere laufen...

Es ist, als ob diese Stacheln sich einziehen, gar nicht vorhanden sind, weshalb es dann für dich auch kein Kriterium mehr ist, auf Distanz zu bleiben (und zu frieren ,-).

Das heißt nicht, dass du jeden nah an dich heran lässt. Aber es ist dann eine Herzensentscheidung.

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Sehr schöne Worte

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Ich bin grundsätzlich einer dieser Einzelgänger, aber Tag für Tag spreche ich mir eine Litanei vor, die mir immer hilft:

Lebe mit ihnen, freu Dich mit ihnen, trauere mit ihnen. Du kannst dadurch nichts verlieren, nur gewinnen.

Nach aussen hin bin ich also ein absolut kontaktfreudiger, humoriger und geselliger Mensch, weil ich in der Lage bin, über meinen Schatten zu springen.

Ich lebe seit 2 Jahren in einer glücklichen (noch Fern-)beziehung. Meine Freundin weiss, dass ich eher der ruhige, nachdenkliche und vor allem gesellschaftskritische Mensch bin. Sie akzeptiert es.

Auch ich möchte grundsätzlich nicht zu dieser "absolut oberflächlichen und primitiven Gesellschaft" dazugehören, aber ich habe eingesehen, dass kein Weg daran vorbeiführt.

nun, für mich gibt es da zwei Unterschiede:

"Einsam sein" oder "alleine sein"!

-Einsam sein ist negativ / ein Außenseiter sein -alleine sein ist positiv "mit-Allem-Eins-sein

Ich habe einen anstrengenden Job. Ein Parner hätte nichts von mir. Und das ist Liebe! Mir einzugestehen, jemanden nicht zu verarschen! Somit fange ich an mich zu Lieben....... Das wiederum lässt zu, dass ich auch einen Anderen lieben könnte / Jederzeit Jetzt und hier.....

LG

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