Wieso sind immer noch harmlosere Drogen als Alkohol verboten?


16.01.2021, 03:10

Konsum ist nicht strafbar aber die Beschaffung und der Handel , sogar nur der Besitz .. ja moin wie soll es denn herkommen vom Himmel geflogen ..

4 Antworten

Unsere Politiker sind zum großen Teil (außer CDU/CSU und AFD auch für eine Änderung der Drogenpolitik! Dabei geht es hauptsächlich erstmal um die Entkriminalisierung des Konsumenten, sodass Handel/ Besitz nur noch eine Ordnungswidrigkeit darstellen würde.

Legalisierung von, z.B. Cannabis ist der Folgeschritt

Interessant zu wissen, Oregon hat Ende letzten Jahres ALLE Drogen entkriminalisiert und THC und Psilocybin (Zauberpilze) für freizeitliche Zwecke LEGALISIERT.

Ein großes Vorbild für alle eher Konservativ eingestellten Länder. Nur durch Legalisierung lässt sich der Drogenmarkt kontrollieren.

Das wird vielleicht auch in DE nicht mehr all zu lange dauern.. wenn unsere Politiker irgendwann im 21. Jahrhundert angekommen sind ;)

Es gibt sogar Polizisten, die die Prohibition kritisch sehen. Hier ein aktueller Artikel aus der Badischen Zeitung, vom 12.01.21: https://www.badische-zeitung.de/ein-cannabis-konsument-hat-fortwaehrend-angst-vor-der-polizei?mode=in

"Freiburger Polizisten fordern eine liberalere Drogenpolitik

Die Freiburger Polizisten Jochen Andruschak und Simon Grimm sind Sprecher des Vereins "Law Enforcement Against Prohibition". Dessen Ziel ist eine liberalere Drogenpolitik. Was bedeutet das konkret?"

Der Verein "Law Enforcement Against Prohibition" (LEAP) fordert von der Politik eine Änderung in der Haltung zu Drogen. Das Außergewöhnliche an LEAP: Viele Mitglieder arbeiten als Polizisten. Mit Jochen Andruschak und Simon Grimm stammen zwei Vereinssprecher aus Freiburg.

"BZ: Wie viel Aufwand haben Sie im Polizeialltag aufgrund der Gesetzeslage?

Grimm: An jeder noch so kleinen Menge Cannabis, die gefunden wird, hängt ein langer Rattenschwanz: Beschlagnahmung, Beschuldigtenvernehmung, Wiegen, Verpacken, Versiegeln, ans LKA senden, Anzeige schreiben und an die Staatsanwaltschaft schicken. Bei geringen Mengen wird das Verfahren dann in fast allen Fällen eingestellt.

BZ: Ein Ziel von LEAP ist es, den Respekt für die Polizeiarbeit wieder herzustellen, der durch die Beteiligung bei der Durchsetzung der Anti-Drogengesetze beschädigt wurde. Erklären Sie mir das bitte.

Grimm: Ein Cannabiskonsument, der lieber einen Joint als ein Feierabendbier konsumiert, hat fortwährend Angst vor der Polizei. Weil auch Tage nach dem Konsum Abbauprodukte im Blut sind, kann der Führerschein entzogen werden, obwohl es keinen Rauschzustand und keine Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit mehr gibt. Diese Person mag ein ganz normaler Bürger sein, wird aber kriminalisiert und sieht uns daher als Feind.

Andruschak: Gerade bei der Jugend haben wir ein schlechtes Ansehen. Ich kann nicht sagen, ob es nur daran gelegen hat, aber den Ausschreitungen in Stuttgart ist eine Drogenkontrolle wegen eines Joints vorausgegangen."

Was ist LEAP?
LEAP (Law Enforcement Against Prohibition) versteht sich als weltweites Netzwerk, das sich für eine legale Regulierung von Drogen einsetzt. Mitglieder sind unter anderem Polizisten, Soldaten, Juristen und Wissenschaftler. Zu den bekanntesten Mitgliedern in Deutschland zählen der ehemalige Münsteraner Polizeipräsident Hubert Wimber, Richter Andreas Müller und der Kriminaloberkommissar und ehemalige Bundestagsabgeordnete der Linken, Frank Tempel.

"BZ: Wie reagieren Ihre Kollegen auf Ihr Engagement für eine liberalere Drogenpolitik?

Andruschak: Die Polizei ist eher konservativ aufgestellt. 40 bis 50 Prozent der Kollegen, mit denen ich gesprochen habe, sind aber auch für eine Veränderung der Drogenpolitik.

Grimm: Jüngere Kollegen sind deutlich offener als die älteren. Das ist aber verständlich. Wer seit 30 Jahren etwas macht und dann gesagt bekommt, dass er jetzt falsch liegen soll, reagiert anders.

BZ: LEAP setzt sich für die Kontrolle und Regulierung des Konsums und Verkaufs von Betäubungsmitteln ähnlich wie bei Alkohol und Tabak ein. Bedeutet das, man sollte laut LEAP legal Heroin kaufen können?

Grimm: Nein, nur Suchtkranke sollen legalen Zugang zu sauberem Heroin erhalten, damit sie nicht auf den Schwarzmarkt angewiesen sind. Die Schweiz hatte in den 1980ern massive Probleme mit Heroinabhängigen und hat deshalb eine legale Heroinabgabe eingeführt. Dadurch sterben weniger Menschen an einer Überdosis und erkranken nicht durch verschmutzte Spritzen an HIV oder Hepatitis. Abhängige müssen wie Patienten, nicht wie Kriminelle behandelt werden. Portugal hat bereits 2001 alle Drogenkonsumenten entkriminalisiert. Anders als in Deutschland ist Drogenbesitz dort nur eine Ordnungswidrigkeit.

BZ: Wenn der Staat die Drogenausgabe übernimmt, suchen sich die bisherigen Hersteller und Dealer dann neue Einnahmequellen?

Grimm: Drogenhandel ist in der Hand von Kriminellen. Kartelle werden sich nicht in Luft auflösen, sondern andere Tätigkeitsfelder wie Waffen- und Menschenhandel suchen. Eine Hauptfinanzierungsquelle wird ihnen aber entzogen. Dass Verbote nicht helfen, hat schon die Prohibition in den USA gezeigt. Der Alkoholkonsum ging zurück, aber die Mafia wurde stärker.

Andruschak: In Kanada gibt es seit zwei Jahren eine staatlich kontrollierte Abgabe von Cannabis. Dort ist der Schwarzmarkt um über 50 Prozent eingebrochen. Ich bezweifle, dass das Geschäft der Kleindealer auf dem Stühlinger Kirchplatz noch floriert, wenn wir hier ähnliche Angebote haben.

BZ: Maximilian Plenert, Sprecher des Bundesnetzwerks Drogenpolitik bei den Grünen, geht von Einnahmen von einer Milliarde Euro durch die Besteuerung von Marihuana aus. Weshalb ist das kein Anreiz, die Drogenpolitik zu ändern?

Grimm: Am Status quo festhalten wollen nur die CDU und AfD. Was ich sehr erstaunlich finde, Cannabis wird von deren Politikern immer noch als Einstiegsdroge bezeichnet. In keiner einzigen Studie konnte das nachgewiesen werden. Bereits 1994 hat das Bundesverfassungsgericht festgestellt, dass Cannabis keine Einstiegsdroge für härtere Drogen ist.

BZ: Worin unterscheiden sich harte und weiche Drogen?

Grimm: Die Einordnung in harte und weiche Drogen gefällt mir nicht, weil jede Droge ihre eigene Gefährlichkeit hat. Wir fordern daher eine Drogenpolitik, die das Schadenspotenzial anhand wissenschaftlicher Kriterien einschätzt.

BZ: Ein Argument der Gegenseite ist es, dass Menschen, die nie Interesse daran hatten, erst durch eine Legalisierung mit Drogen in Kontakt kommen könnten.

Andruschak: Das Horrorszenario, das unsere Prohibitionsbefürworter befürchten, ist in Kanada mitnichten eingetreten. Gerade die Jugendlichen haben dort nach der Legalisierung weniger Cannabis konsumiert. Selbst in den USA und den Niederlanden gibt es weniger jugendliche Cannabiskonsumenten als in Deutschland."

Jochen Andruschak (39) ist stellvertretender Dienstgruppenleiter auf dem Innenstadtrevier Freiburg-Nord.
Simon Grimm (25) arbeitet als Sachbearbeiter bei der Verkehrspolizei Freiburg. Beide sind Sprecher von LEAP Deutschland.
Woher ich das weiß:Hobby – Interessierter Laie ✔️ Kein Fachmann, kein Arzt ❌

Wenn man Drogen wie Alkohol erlaubt, Werbung für gemacht werden darf ect.. bin ich der Meinung sollte man alles erlauben, also das es für jede Substanz Gramm Beträge gibt die nicht verfolgt werden und du dein stuff auch behalten darfst, aber wenn das Land diese Substanzen vertreibt hätte man den Vorteil das man sicher konsumieren könnte wenn man möchte ...

Anders als bei Corona hört die Regierung was Drogenpolitik angeht nicht auf die Wissenschaft und Empfehlungen von Fachleuten. Der zur Neutralität verpflichtete wissenschaftliche Dienst des Bundestages kam in einer Analyse zu dem Ergebnis dass eine strenge Drogenpolitik nicht zu einer Reduzierung des Konsumes führt:

"Zusammenfassend kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die Verfolgung einer strikten Drogenpolitik wenig bis keinen Einfluss auf das Konsumverhalten hat. So wiesen einige der Länder mit den strengsten gesetzlichen Regelungen einige der höchsten Prävalenzraten im Hinblick auf den Drogenkonsum auf, während Länder, die eine Liberalisierungspolitik verfolgen, einige der niedrigsten Prävalenzraten aufwiesen."

https://www.bundestag.de/resource/blob/675688/4ba9aed6de8e9633685a1cdc2d823525/WD-9-072-19-pdf-data.pdf

Was macht die Regierung: Ignorieren.

Ende letzten Jahres gab es eine Petition mit über 20.000 Teilnehmern und einen offenen Brief(unter anderem von Prof. Dr. Lorenz Böllinger) wo eine Entkriminalisierung und ein Expertenkomitee für die Drogenpolitik gefordert wurden:

https://mybrainmychoice.de/offener-brief/

Reaktion der Regierung: Gar keine.

Statistiken aus Kanada zeigen dass die Legalisierung bzw kontrollierte Abgabe von Gras an Erwachsene den Konsum bei Jugendlichen reduziert hat:

Marijuana use among teens down 2 years after legalization

"In fact, use of cannabis in the age bracket of 15 to 17 has been cut in half, down to 10 per cent from the 20 per cent it was before legalization."

https://www.cbc.ca/news/canada/new-brunswick/nb-two-year-marijuana-no-increase-use-1.5781423

Reaktion der Regierung: Na rate mal...

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