Wieso ist aus Sicht der Religion weibliche Selbstbefriedigung Sünde?

11 Antworten

In welcher Religion soll das denn problematisch sein? =:-o

Oh, halt! Ich weiß: In den drei monotheistischen Religionen, die auf dem Alten Testament basieren. Gibt aber auch wirklich weniger Gestörtes! ^^

Nun ja, das Alte Testament beinhaltet die niedergeschriebene Sexualmoral patriarchialischer Nomadenvölker der Steinzeit.

Frauen waren da Ware und hatten zu gehorchen. Kinder kriegen, großziehen und kochen, nicht irgendwie selbstbestimmt rummasturbieren und Spaß dabei haben.

Beim Christentum kam noch generelle Lust- und Leibfeindlichkeit hinzu (weil der Sohn vom Christengott, der Lattengustl, sich ungefragt unter Qualen für die Menscheit geopfert haben soll - da ist "Spaß" nicht so angesagt, sondern Verzicht), und im Islam gab (und gibt es vereinzelt immer noch) die patriarchiale Tradition, bei Mädchen die Klitoris abzuschneiden, ggf. ebenso die inneren Schamlippen, und ggf. die Scheide dann auch noch zunähen - sicher ist sicher, damit die Ware "Gebärmutter" bloß nicht auf falsche Gedanken kommt.

Merke: Vor rund 100 Jahren galt auch in Europa noch jede sexuelle Handlung als "pervers", die nicht dem Kinderkriegen diente. Das Frauen eine eigene Sexualität haben, hat dann Kinsey vor rund 70 Jahren festgestellt und öffentlich gemacht. Und bis vor rund 50 Jahren, war "Sexualaufklärung" hierzulande fest in kirchlicher Hand.

Danke Dir, wirklich sehr tiefgehend...das hat Substanz. Mir fällt dabei so richtig schön auf, wie wenig wir auch heute noch nicht davon weggekommen sind trotz der Anmaßung eine moderne, aufgeklärte und sekuläre Gesellschaft zu sein. Einerseits gibts Softporn in Musikvideos, andererseits scheuen sich Mädchen Tampons zu benützen, weil sie sich ja dann untenrum befummeln müßten. Krass!

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@sterreschans
Einerseits gibts Softporn in Musikvideos, andererseits scheuen sich Mädchen Tampons zu benützen, weil sie sich ja dann untenrum befummeln müßten. Krass!

Ja, und es gibt die immer noch, die Eltern, die ihre kleinen Kinder anbellen: "Du sollst dich doch da unten nicht anfassen!"

Es ist ein schönes Gefühl, wenn man sich an der Stelle berührt, die keinen Namen hat, aber Papa und Mama werden dann böse.

In Deutschland, Europa, 21. Jhdt. Eigentlich ist es unglaublich - aber leider immer noch für manche Kinder Realität ... :-/

Unabhängig davon kommt allerdings bei Mädchen noch hinzu, dass ihr Geschlechtsteil eher "im Verborgenen" ist. Sie brauchen einen Spiegel, um sich selbst zu betrachten.

Jungs hingegen schauen einfach an sich herunter - und sind ggf. stolz wie Bolle, wenn sie eine Erektion haben.

Usw., usf. - so kommt eines zum anderen ...

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Das ist eigentlich sehr verallgemeinert, weil nicht alle Christen so denken. Außerdem sind viele Teile der Bibel falsch übersetzt, weil wichtige Propheten zumeist nicht hebräisch, griechisch etc. sprachen, sondern aramäisch. Man müsste also hebräische Schriften ins Aramäische und dann wieder ins Deutsche rückübersetzen.

Auch Christen wie ich können moderne Meinungen zu diesem Thema haben, zudem ich auch homoromantisch und asexuell bin. Ich finde es nicht gut, alle Christen vorzuverurteilen, bloß weil sie Christen sind. Verschiedene Menschen haben verschiedene Denkweisen.

Außerdem ist es nicht richtig, dass Frauen zu diesem Zeitalter Ware waren und ein Patriarchat herrschte, denn viele weibliche Prophetinnen waren hochangesehen und hatten ein hohes Bestimmungsrecht in Gemeinden.

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Hallo sterreschans,

viele Religionen erscheinen eher anti- wenn nicht assexuell. Mit den Religionen, die sich in der Antike im Bereich des Mittelmeerraumes entwickelt haben, wird oft ein hellenistischer Einfluss nachgesagt, unterdem alles Körperliche "schlecht" sei (grob verstanden zusammengefasst).

Dann kommt hinzu, dass Sexualität mit ihren special effects zu intensiver natürlicher Freude führt - was von einer Freude, die nur über Beschäftigung mit Gott (oder Überlieferungen) erreicht werden darf, ablenkt.

Viele sexuelle Styles - so auch ein Spielen mit sich selbst - führen nicht zur Fortpflanzung, zu der Sexualität in sehr reduzierter Form notgedrungenerweise erlaubt ist.

Das alles beschränkt sich nicht auf die Geschlechter - unabhängig von physiologischen Umständen. Ein Mann würde auch mit einem unwillkürlichen nächtlichen Vulkanausbruch sündigen.

Den Frauen wird noch über die Schöpfungsgeschichte (Eva und Adam und der Apfel) eine Erbsünde nachgesagt, die sich leicht auf eine bei den Frauen intensiver wahrgenommene Sexualität übertragen lässt. Da mag auch ein gesellschaftliches und archaisches Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern eine Rolle spielen (Frau kommt einfacher zu einem Sexualpartner als ein Mann).

In dem Zusammenhang kann ich verstehen, dass sich gerade einige Frauen gegenüber ihrer Sexualität genieren. Die Dogmen hatten sich nicht nur religionistisch, sondern auch gesellschaftlich etabliert und zu Quasi-Normen ausgebildet. Eine daraus folgende anti- oder assexuelle zumindest eine restriktive Erziehung mag da Mauern aufbauen.

Letztlich ignorieren all diese Dogmen die Universalität von Gottes Liebe, und wenn schon von Schöpfung gesprochen wird, auch die Sexualität als von Gott erschaffen (inkl. der special effects). Und Sexualität ist der wohl intensivste Ausdruck von Liebe - beim Spielen mit sich selbst sogar von Liebe gegenüber sich selbst.

Mit vielen lieben Grüßen
EarthCitizen

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – früherer Glaube - heutige Plausibilität vieler Dinge

Special effects....sehr treffend umschrieben :-)))

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Hallo sterreschans,

vermutlich wärs gut, wenn Du in Deiner Frage schriebest, welche Religion(en) Du meinst.

Ich bin reformierte Christin - und froh, dass meine Kirche den Weg langsam macht, männliche wie weibliche Selbstbefriedigung nicht als "Sünde" zu sehen, sondern als normale Form von Sexualität, die gelebt werden darf.

LG

Wiyana

Nun, ich wollte mit Absicht keine gezielt aussondern und anprangern, zielte aber auf die großen Mastodonten. Meiner Ansicht ist das Judentum, die Christenheit und der Islam alle zusammen erschreckend ähnlich menschlicher Sexualität gegenüber negativ eingestellt.

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Weil sie das unabhängig macht.

Und unabhängige Mädels sind das Letzte, was ein Religionsstifter brauchen kann, weil die machen sein ganzes Konzept kaputt, das auf Kontrolle aufbaut.

Kontrolliere die Sexualität und Du kontrollierst die Menschen.

Menschen haben sich halt immer versucht die Welt zu erklären. Und Religionen perpetuieren Vorstellungen der Welterklärung die aus Zeiten stammen als man sich noch mit Kupfer und Bronzemessern rumärgern musste.

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