Soll ich meine devote Neigung ausleben?

6 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Deine Ärztin hat so weit völlig Recht. Ich habe leider selber die Erfahrung gemacht, meine Neigung lange zu unterdrücken, weil ich mich geschämt habe und deswegen nicht offen mit meinen Partnern reden konnte. Mir ging es psychisch immer schlechter, habe mich immer minderwertiger gefühlt ("Wenn ich auf sowas stehe, bin ich offensichtlich total krank. Ich bin falsch. Und natürlich kann mich niemand lieben, wenn derjenige von meiner Neigung weiß"). Als ich es dann aber endlich richtig ausleben konnte, hat sich sehr viel gelöst.

BDSM ist ja keine echte Unterdückung, sondern beruht immer auf Freiwilligkeit. Es ist absolut üblich, dass der devote Part Grenzen und Tabus festlegt, an die sich der dominante hält. Meist sprechen beide Partner auch sehr viel miteinander, damit der devote Part eben auch sicher auf seine Kosten kommt.

Oft ist BDSM mehr oder weniger ein Rollenspiel. Viele nehmen nur in Sessions ihre Rollen ein und sind im Alltag total auf Augenhöhe. Machtgefälle im Alltag darf nicht stattfinden, wenn das nicht beide so wollen. Denn ohne Einvernehmen ist es kein BDSM mehr, sondern eben echte Gewalt.

Wenn du dich aber leicht manipulieren lässt, dann ist es gut, wenn du vorsichtig bist. Leider gibt es auch einige, die ihren Narzissmus und Machtgelüste an einem devoten Menschen auslassen. Lass dich deswegen bitte nicht auf die Erstbeste ein, sondern schau, ob es für DICH wirklich passt. Es gibt nicht DAS BDSM, sondern jeder lebt das komplett anders aus. Wenn dich jemand zu etwas drängt, wobei du ein schlechtes Bauchgefühl hast, nimm bitte Abstand von diesem Menschen. DU bist wichtig und auch DU sollst dabei glücklich werden. Vergiss das nie.

So oder so möchte ich dir aber ans Herz legen, dich einfach erst mal einzulesen. Es gibt ein paar Plattformen, Foren, Blog und Bücher zu dem Thema. Ich finde, das hilft immer sehr, um sich selber und die eigenen Fantasien etwas besser zu verstehen und einzuordnen - und dann auch zu akzeptieren. Außerdem hilft es dabei zu sehen, wie vielfältig BDSM sein kann. Mit vielem wirst du nichts anfangen können, in anderen Dingen findest du dich dafür genau wieder. Je mehr du weißt, umso leichter fällt es dir, ein passendes Gegenstück zu finden und es so aufzuleben, dass es dich erfüllt.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – bin selbst BDSMerin (devot/maso)

Danke für deinen persönlichen und hilfreichen Kommentar!

Schön das du jetzt auch zu deiner Neigung stehst, dass freut mich!

Meine Sexualität versuchte ich bereits in der Adoleszenz zu verdrängen, sah diese als etwas schlechtes an, was ich versuchte zu bekämpfen. Viele Jahre wusste ich nicht warum, heute weiß ich es. Ich hatte einfach Angst vor den aufregenden Gefühlen, dass ich die Kontrolle verliere. Dann war ich immer sehr ambivalent, wenn die sexuelle Erregung da war lebte ich sie aus und wenn sie nicht da war, war ich in einem anderen Modus, verteufelte meine Sexualität. Sprach dann von Meditation und inneren Frieden und Reinheit. So verrückte Sachen halt. Das es etwas ganz natürliches ist, war mir zwar bewusst, dennoch sah ich es als etwas schlechtes an, warum auch immer. Dazu muss aber auch gesagt sein, dass ich eine sehr traumatische Vergangenheit hinter mir habe, vielleicht hat mich das unterbewusst ebenfalls geprägt.

Bei mir war es wie bereits erwähnt mehr meine Ambivalenz, weshalb ich meine Neigung solange verdrängt habe, weniger die Gesellschaft, auch wenn mich diese ebenfalls im negativen beeinflusst hat. Zum Glück ist es mir heute ziemlich schnuppe was die anderen über mich denken, denn ich möchte nicht das Leben der anderen leben, sondern mein Leben.

Sexualität ist nicht alles, aber eben auch sehr wichtig. Sicher kann man auch glücklich werden wenn man nur meditiert und Sport treibt, anderen Hobbys nach geht, aber warum sollte ich meine grundlegenden Bedürfnisse verdrängen? Um Spaß am Sex zu haben braucht man nicht mal einen Partner, denn man kann auch mit sich selber viel Spaß haben, obwohl Sexualität mit einen Partner natürlich schöner ist.

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Ich kann deine Psychologin nur bestätigen.

Wer seine devoten Neigungen unterdrückt, baut sich auch im Ausleben des Alltag Defizite auf und kann durch diese sehr unglücklich. ( das Ausleben der Sexualität eines Menschen macht über 30% der Psyche aus.)

Ich kann dir dazu raten, dir einen Part zu suchen, welcher deine Neigungen annehmen kann, respektiert und achtet. Er wird dich nicht fertig machen oder ausnutzen.

Auch hast du beim Ausleben deiner Neigungen natürlich eine Selbstverantwortung und musst für dich immer wieder reflektieren, in wieweit es dir dabei gut geht. Wenn etwas wirklich unstimmig ist (also längerfristig nicht mal auf eine Situation bezogen, die dir gerade nicht schmeckt) ist es deine Pflicht mit deinem Part zu sprechen.

Das verinnerlichen und annehmen der eigenen Neigungen, ist für viele Menschen, ein echter und nicht immer leichter Weg.. Dafür benötigt man auch Vertrauen, vor allen zu sich selbst.

Doch es lohnt sich seine Neigungen auszuleben und nicht zu unterdrücken.

Gruß Marquis le deuxième

Woher ich das weiß:Beruf – Erw. Lebens & Sexualberatung. Hilfe & Coaching

Vielen Dank für deine Antwort!

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Zunächst einmal sei gesagt, dass deine Ärztin im großen und ganzen recht hat. An BDSM ist an sich erstmal nichts schlimmes, wenn es vernünftig und sicher ausgelebt wird. Was deinen Zwiespalt anbelangt zwischen "klassischer Mann" und "Devoter Neigung" bist du auch kein Einzelfall. Viele die in einer ähnlichen Lage sind leben das eine vom anderen getrennt aus.

Bezüglich dessen das du Angst hast die dominante Frau oder Domina macht dich "die ganze Zeit runter" muss man sagen, dass genau das der Knackpunkt am BDSM Leben ist. Es werden, vorallem vom Devoten Part, Regeln festgelegt nach dem das Ganze abläuft, das heißt vorallem, dass Grenzen und Regeln zum Abbruch geschaffen werden, die der Dominante zu respektieren hat. Tut er das nicht endet musst du schleunigst das Weite suchen, dann ist er oder sie der/die falsche dafür und hat im BDSM nichts verloren.

Hoffe ich konnte dir dahingehend etwas deine Sorgen nehmen. Bitte denk immer daran, im BDSM geht es in erster Linie um Sicherheit für alle Beteiligten.

Danke! Genau so meinte ich es auch, konnte es aber nicht so gut ausdrücken.

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Vielen Dank für deine aufschlussreichen Kommentar, Du hast mir sehr weitergeholfen!

Zwar war ich mal bei Dominas, aber das ist bereits 3 Jahre her. Dachte ich könnte meine Neigung verdrängen, aber das gelingt mir nicht. 

Gab sogar Frauen die fanden das gar nicht schlimm, als ich diesen offenbarte das ich devot bin. Eine hatte sogar Spaß daran mich zu necken.

Dieses ständige Verdrängen ist auf Dauer sowas von anstrengend, von daher glaube ich das es besser für mich ist zu meiner Neigung zu stehen.

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@searcher2

Verdrängen solcher Neigungen kann funktionieren, aber bei vielen mit denen ich bislang gesprochen habe führte es nur zu Frustration auf lange Sicht. Ich glaube persönlich auch, dass es vielen Frauen (gerade solchen die sich eher nicht im BDSM zuhause fühlen) eher leichter fällt den dominanten Part zu spielen als den devoten und daher keine Probleme mit einem im Schlafzimmer devoten Partner zu haben.

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@xNevan

Sehe ja selbst was es mit mir macht, ich werde traurig und gereizt, wenn ich meine masochistische Neigung verdränge.

Außerdem konnte ich mit BDSM immer gut Spannungen abbauen. Nach jedem Domina-Besuch ging es mir gleich viel besser. Frage mich nur warum, ich immer wieder Phasen hatte, in denen ich meine Neigung verdrängt habe. Dahinter stand wohl die Angst das ich die Kontrolle verliere, dass ich immer erniedrigendere Sachen mit mir anstellen lasse.

LG

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Ich finde es überhaupt nicht verwerflich und finde, du solltest deiner Neigung nachgehen.
ich würde mir keine Sorgen machen, dass eine Freundin mit dominanter Ader dich permanent fertigmachen würde - es wäre euer „Ding“, das ihr macht wenn ihr Lust drauf habt. Es gibt ja nicht nur 100% dominante und solche, die genau gegenteilig sind, sondern eben auch Frauen, die eigentlich völlig alltäglich und „rollengerecht“ sind wenn du es so nennen magst, die sich auch verletzlich und schwach zeigen, die aber trotzdem darauf stehen auch mal den Ton anzugeben.

Schön das ich hier so auf Verständnis stoße!

Du hast Recht, ich mag es ja. ;)

Zudem macht es mich ziemlich an, wenn sich eine Frau sensibel und verletztlich gibt, dann aber auch wieder sehr gemein und dominant sein kann.

Wäre echt schön wenn ich eine dominante Freundin kennen lerne. Denn die Frauen die ich bis jetzt kannte, waren eher devot.

Du hast Recht ich sollte zu meiner devoten Neigung stehen und nicht so einen Heckmeck daraus machen.

LG

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Deine Ärztin hat recht.

Es macht keinen Sinn seine Neigung zu unterdrücken. Man wird dabei nicht glücklich.

Auch das mit dem Ego ist gut in den Griff zu bekommen. Es gibt auch Feministinnen, die ihren Masochismus und ihre Emotion gegenüber Männer ausleben. Es kommt halt immer auf den Kontext an!

Sprich: Man muss den richtigen Partner finden, dem man vertraut und dem man sich hingeben will. Das gilt für alle Geschlechter.

Und da sind wir auch schon beim Problem: Du musst eben "die richtige" finden, die ihre Macht über dich nicht ausnutzt und dich nicht zerstört. Genau das selbe Problem haben Frauen auch.

Übrigens muss die Rollenverteilung im Bett nicht dieselb sein wie im Alltag...

Also ich kann sagen, dass mich das verdrängen sogar krank gemacht hat. Ich habe keine Lust mehr darauf mir das anzutun, von daher lebe ich meinen Fetisch heute aus. Wird übrigens mal wieder Zeit eine Domina zu besuchen. 😉

Danke nochmal für das positive Feedback und eure Resonanz!

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