Bisexuell? Von beiden Geschlechtern gleich angezogen?

13 Antworten

Bisexualität kann ganz viele verschiedene Gesichter haben. Jeder Mensch ist einzigartig und das gilt auch für seine sexuelle Orientierung. Natürlich kann es sein, dass Bisexuelle sich von beiden Geschlechtern gleichermaßen angezogen fühlen. Manche haben gar keine Präferenz und wählen ihre Partner nicht nach Geschlecht aus (einige von diesen wählen, um zu betonen, dass ihnen das Geschlecht egal ist, für sich lieber die Selbstbezeichnung pansexuell). Ein Großteil der Bisexuellen bevorzugt bei der Partnerwahl ein bestimmtes Geschlecht, wobei die meisten von ihnen wohl mehr oder weniger stark in die heterosexuelle Richtung tendieren. Man kann die sexuelle Orientierung eben nicht unbedingt in drei feste Kategorien wie hetero-, bi- und homosexuell einteilen, sondern die Übergänge sind fließend.
Die Kinsey-Skala versucht diesem Umstand zumindest ansatzweise gerecht zu werden, indem sie die sexuelle Orientierung auf einer Skala von 0 (ausschließlich heterosexuell) bis 6 (ausschließlich homosexuell) abstuft. Die Skalen-Werte dazwischen repräsentieren das breit gefächerte bisexuelle Spektrum, wobei der Wert 3 für gleichermaßen starke hetero- wie homosexuelle Anziehung steht. Die Kinsey-Skala ist sicher nicht perfekt, im Großen und Ganzen aber schon wesentlich besser geeignet als das klassische Drei-Kategorien-Modell. In Umfragen zeigt sich dabei regelmäßig, dass überraschend viele Menschen bisexuell sind. Personen, die sich im herkömmlichen Modell nämlich als bisexuell einstufen, ordnen sich auf der Kinsey-Skala häufig den Werten 1 oder 2 zu und sind damit "eigentlich" bisexuell. Nimmt man nur die Leute aus dem bisexuellen Spektrum, dann ordnen sich die meisten auch diesen beiden Kategorien zu. Ich habe selbst auf gutefrage.net einmal eine Umfrage dazu gestartet, deren Ergebnis (zumindest zum aktuellen Zeitpunkt Ende Mai 2020) ziemlich interessant und stark abweichend ist, weil sich überraschend viele den Werten 6 (18 %) bzw. 5 (14 %) zu: Wo würdet ihr euch auf der Kinsey-Skala einordnen?. Diese Umfrage ist aber nicht repräsentativ und ihre Aussagekraft deshalb eher gering.

Es gibt auch Bisexuelle, deren Geschlechterpräferenz auch stark vom jeweils aktuellen Beziehungspartner abhängt. Sind sie gerade in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung, dann finden sie auch gleischgeschlechtliche Menschen attraktiver, sind sie hingegen in einer heterosexuellen Beziehung, dann tendieren sie auch stärker zum anderen Geschlecht.

Und schließlich kann sich die Präferenz auch innerhalb eines bestimmten Rahmens im Lauf der Zeit einmal oder mehrmals ändern. Die sexuelle Orientierung ist eben nicht in Stein gemeißelt, sondern eher fluide. Es gibt Bisexuelle, die bevorzugen in bestimmten Phasen ihres Lebens das andere Geschlecht und tendieren zu anderen Zeitpunkten eher zum gleichen Geschlecht. Allerdings: das geht nicht beliebig und nur in einem bestimmten Rahmen. Die sexuelle Orientierung ist nämlich angeboren und kann nicht geändert werden. Wer beispielsweise homosexuell ist, der wird zeitlebens schwul oder lesbisch bleiben und kann nicht heterosexuell "umgepolt" werden. Solche so genannten Konversoins-"Therapien" sind im Gegenteil sogar extrem gefährlich, weil nicht wenige schließlich erkennen, dass sie von ihrer Homosexualität nicht geheilt werden können und in tiefe Depressionen verfallen oder gar Suizid begehen. Konversionstherapien sind also unmöglich und auch völlig unnötig, denn Homo- und auch Bisexualität sind keine Krankheiten. Es sind ganz normale Ausprägungsformen der menschlichen Sexualität und sie bedürfen keiner Behandlung.
Das bedeutet auch: ein Bisexueller, der gerade eine heterosexuelle Phase erlebt, bleibt trotzdem bisexuell. Wer bi ist, der ist zeitlebens bi und wird nicht irgendwann hetero oder homo. Leider glauben viele aber, dass eine bisexuelle Person, die gerade in einer heterosexuellen Beziehung sei, wieder hetero "geworden" ist. Ist die Person gerade in einer homosexuellen Beziehung, glauben die Leute oft, dass die Person homo geworden sei. Hinzu kommt, dass Bisexualität für viele eine sehr unsichtbare Form der Sexualität ist. Ist eine bisexuelle Person beispielsweise in einer heterosexuellen Beziehung, wirkt sie auf ihr Umfeld eben auch heterosexuell. Und sieht man auf der Straße etwa zwei Mädchen einander küssen, kommen nur die wenigsten darauf, dass eines oder beide der Mädchen nicht unbedingt lesbisch sein müssen, sondern auch bi sein könnten. Offensichtlich wird die Bisexualität für viele nur, wenn die Person in einer offenen Beziehung ist und Sexualkontakte mit Menschen beiderlei Geschlechts unterhalt. Diese Unsichtbarkeit der Bisexuellen (bi invisibility) trägt leider dazu bei, dass manche Leute sogar behaupten, dass Bisexualität gar nicht existiere (bi erasure). Aber das stimmt nicht. Bisexualität ist eine real existierende sexuelle Orientierung. Es ist weder eine Phase der Unsicherheit noch ein Nichteingestehenwollen der eigentlichen sexuellen Orientierung. Es ist einfach wie es ist. Normal.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Ich bin selbst bisexuell.

Bisexualität bedeutet nicht gleich, dass du dich von beiden Geschlechtern gleich stark angezogen fühlst. Du kannst dich auch als bisexuell identifizieren, wenn du dich nur in 1% der Fälle in einen Mann verliebst. Von Mensch zu Mensch ist das ganz unterschiedlich:)

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Ich bin selbst bisexuell

Nein, man kann durchaus Tendenzen haben. Haben wohl auch die allermeisten Bis.

Muss überhaupt nicht gleich sein. Meine Ex fühlt sich auch mehr zu Männern hingezogen also zu Frauen. Für die Definition ist nur wichtig, dass du mit beiden Gelschechtern schlafen möchtest😉

kein Mensch ähnelt einem anderen, pauschal kann man dass deswegen nicht sagen. Bi sexuell ist man wenn man sich bin beiden Geschlechtern angezogen wird. Welches man davon bevorzugt ist letztendlich egal 😊

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