Mittels des Übermaßverfahrens ist es uns anscheinend gelungen eine Frau von Wollphobie zu befreien.
Mitte Oktober hatten wir die Frage gestellt, wie Wollphobie heilbar ist. Eine entfernte Bekannte hatte uns um Rat gefragt. Sie litt nach eigener Angabe unter einer Wollphobie, die sich so äußerte, dass allein schon der Anblick jeglicher Strickkleidung bei ihr zu Beklemmungsgefühlen, leichten Angstzuständen führte.
Mittlerweile haben wir mit ihr mehrere Gesprächsrunden geführt und wir sind uns ziemlich sicher, dass wir die Ursache für ihre Wollphobie gefunden haben. Der Grund scheint, wie bei anderen Phobien oftmals auch, in früher Kindheit zu liegen. Als Kind musste sie, die Eltern hatten recht wenig Finanzmittel zur Verfügung, die gestrickten Kleidungsstücke ihrer Schwester "auftragen". Wie sie uns berichtete, waren diese Kleidungsstücke nicht hässlich anzuschauen, sie mochte es nur nicht, die Kleidung anzuziehen, die schon ihre Schwester getragen hat.
Mit ihrer Zustimmung haben wir bei ihr das von uns schon öfter praktizierte Übermaßverfahren angewendet. In einer für sie äußerst angenehmen und entspannenden Atmosphäre haben wir sie während der dritten Sitzung darum gebeten, drei Wollrollkragenpullover, die wir gekauft hatten, übereinander anzuziehen. Sie tat dies, ohne mit der Wimper zu zucken. Das Übermaßverfahren besteht in diesem Fall darin, dass sie, die eigentlich von ihr gehasste Wollkleidung, an diesem Nachmittag über Maßen hinaus, also mehr als sonst üblich, trug und auch ausgezeichnet ertrug. Sie zeigte keinerlei Anzeichen einer phobischen Störung, im Gegenteil, sie fühlte sich dabei ausgesprochen wohl.
Nach weiteren zwei Sitzungen, in denen wir ähnlich verfuhren, wagten wir den nächsten Schritt. Wir übergaben ihr norwegische Wollunterwäsche und baten sie, diese bis zu unserem nächsten Treffen möglichst ständig zu tragen. Zwei Tage später wurde sie wieder bei uns vorstellig. Sie trug die Unterwäsche, von Wollphobie keine Spur. Wir waren erfreut, dass unser Übermaßverfahren anscheinend wieder den erwünschten Erfolg gezeigt hat. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Zustand von Dauer ist.
Freundliche Grüße O. von Sand