Du hast das Ego-Bewußtsein entdeckt. Man kann es wie Sonne und Mond betrachten. Der Mond leuchtet nur mit fremdem Licht, und auch das Ego-Bewußtsein verfügt über kein eigenes Bewußtsein. Dieses Ego entstand, als das Denken anfing. Eines Tages fing es an, in dir zu denken, und deine Eltern sagten dir, du würdest denken.
Doch deinen Eltern wurde genau das Gleiche gesagt, als es in ihnen anfing, zu denken. Und so geht dieses Spiel schon seit Jahrhunderten so, ohne daß uns jemand darüber aufklären würde, was sich da im Grunde eigentlich ereignet. Das Denken geschieht dem größten Teil der Menschheit, und sie wissen nicht, wer oder was da in ihnen denkt.
Dieses Ego-Bewußtsein dient als Ersatz für die vergessene Quelle des Seins. Symbolisch dargestellt, als vom Baum der Erkenntnis im Paradies gegessen wurde, und somit das Erkennen begann. Der Mensch war sich des Paradieses noch nicht bewußt, und so betrat er das Feld des Denkens, um dieses zu durchqueren, und dann wieder in einem Paradies anzukommen. Jedoch dieses Mal wird er sich des Paradieses bewußt sein.
Dieses Ego-Bewußtsein – also diese Stimme im Kopf – sollte dem inneren Bewußtsein mitteilen, was der Mensch wahr nimmt, und wie diese Erfahrungen sich ereignen. Doch da war noch ein Baum im Paradies – dessen Früchte Gut und Böse erkennen ließen. So entstand nicht nur die Wahrnehmung, sondern auch noch gleich das Urteilen in gut und schlecht.
Im Laufe der Zeit wurde dieses Ego immer stärker, und es verdrängte zunehmend das Weibliche auf dieser Erde. Immer mehr wurde die Wahrnehmung zu einem erdachten Konzept, also zu einer reinen Gedankenkonstruktion. Wahrheit wurde nun etwas erdachtes, nicht mehr die Wahrnehmung ohne Gedanken. Doch die kleinen Kinder nehmen immer noch ohne Gedanken wahr, und so leben sie stets in der Gegenwart.
Dort – in der Gegenwart – ist die Wahrnehmung noch direkt, im Gegensatz zur indirekten Wahrnehmung – also durch den Verstand. Und nun sind wir bei der Stimme – oder den Stimmen – im Kopf. Das Ego quasselt die ganze Zeit über. Es ist dieses ständige Denken-Müssen, wovon viele Menschen überhaupt nichts bemerken. Sie sind mit dieser Stimme im Kopf vollkommen identifiziert. Das heißt – sie haben diesem Ego ein Ich-Gefühl unterlegt.
Dieses Ego-Bewußtsein behauptet nun – ICH bin DU. Und solltest du nun Ich sagen, fängt das Ego an zu sprechen. Es spricht für dich, da du und es identisch seid. Sicherlich bist du schon Menschen begegnet, de fortwährend vor sich hinquasseln oder vor sich hinmurmeln. Manchmal sprechen sie auch mit einer unsichtbaren Person. Meist sind diese Menschen eher als friedlich zu bezeichnen, wobei jedoch auch das Gegenteil der Fall sein könnte.
Es ist im Grunde kein Unterschied, ob du nun im Geist mit dieser Stimme sprichst, oder ob du ein Selbstgespräch führst, wobei du die Worte laut aussprichst. Stets ist es eine Unterhaltung mit diesem Ego-Bewußtsein. Beim Blick in den Spiegel erkennst du die Trennung im Bewußtsein. Du siehst Dich. Ein Subjekt betrachtet ein Objekt. Es scheint so normal zu sein, daß kaum ein Mensch dieses seltsame Spiel hinterfragt.
Diese Trennung – oder Spaltung – im Bewußtsein ist notwendig, damit sich das Bewußtsein selbst bewußt werden kann. Ein völlig Ganzes kann niemals nur aus sich selbst heraus, sich erkennen. Das Auge sieht zwar alles – aber niemals sich selbst. Und so hat das Bewußtsein einen Teil von sich abgespaltet, um mit diesem Teil sich erkennen zu können.
Höre dieser Stimme nur aufmerksam zu und denke nichts dabei. Du wirst ganz von selbst erkennen, daß du nicht der Denker sein kannst, wenn du ihm nur zuhörst. Das kannst du nur in der Gegenwart erkennen – also Jetzt. Du wirst auch noch erkennen können, daß es immer nur Jetzt ist. Als du begonnen hast zu lesen – war es Jetzt. Und nun ist es immer noch – Jetzt.
Versuche nicht, dieses Paradox zu verstehen – das geht niemals. Du kannst es nur erleben. Dann bist du gegenwärtig, also völlig im Körper zuhause. Und nur dort im Körper findet Leben statt – wo, sonst? Du mußt nichts tun – und du kannst auch nichts tun. Sei gegenwärtig, das genügt. Diese Stimme im Kopf kann nicht in die Gegenwart, da se nur aus dem Gefühl des von-allem-getrennt-sein lebt. Und wenn du dich so fühlst, bist du im Ego-Bewußtsein.
Solltest du beginnen, dich mit der Natur verbunden zu fühlen, wird dieses Gefühl, sich von allem getrennt fühlen zu müssen, immer schwächer. Das Denken über alles Mögliche wird immer ruhiger. Immer öfter erkennst du die Stimme im Kopf als nicht DU, und so wirst du ihr nicht mehr bedingungslos Folge leisten. Du wachst auf aus dem Traum der Illusionen.
Nun erkennst du eher, daß du nur Rollen gespielt hast, um zu sein, wer du doch schon immer bist. Du mußt dich nicht mehr irgendwann in der Zukunft finden. Wenn diese Zukunft kommt, dann kommt sie immer nur – Jetzt. Zukunft und Vergangenheit werden als Illusion erkannt werden. Dann hörst du auf, über dich laufend nachzudenken, da du erkennst, daß du dich nicht erklären kannst.
Herzliche Grüße