Selbstbewußtsein ist aus Sicht des Verstandes etwas, was man auch haben kann, und somit auch verlieren. Woher dieses Bewußtsein kommen könnte, weiß der Verstand nicht. Er redet über etwas, wovon er keinerlei Ahnung haben kann, denn Bewußtsein ist nichts Physisches. Doch wenn ein Mensch mit diesem Denker in sich identifiziert ist, glaubt er alles, was ihm diese Stimme im Kopf erzählt.
Und genau so lebt der größte Teil der Menschheit heute. Sie wissen nicht, wer oder was da in ihnen denkt, und so sind sie mit dieser Stimme im Kopf identifiziert – das heißt, sie haben diesem Verstand ein Ich-Gefühl unterlegt, und so sind sie völlig unbewußt. Die Wahrnehmung wird eines Tages nur noch vom Verstand interpretiert, und so auf das Niveau des Denkens eingeschränkt.
Diese Menschen nehmen dann noch etwa drei Prozent dieser Welt wahr und behaupten, sie wüßten Bescheid. Die Folgen dieser Reduzierung erleben wir heute in allen Bereichen des menschlichen Zusammenlebens. Ein Verstand macht aus der Wahrnehmung ein Gedankenkonzept, das heißt, er nimmt den Menschen nur noch gedanklich wahr.
Sich selbst wahrzunehmen bedeutet, still zu sein, und die innere Energie des Körpers nur zu fühlen. Der Mensch besitzt keinen Wert, somit ist ein Selbstwertgefühl nur eine erdachte Geschichte über sich selbst. Man kann kein Gefühl für eine Sache mit dem Verstand erzeugen, da der Verstand Gefühle nicht erkennen kann – nur sehr viel darüber erzählen und schreiben.
So lange sich ein Mensch nicht selbst fühlen kann, wird er die Existenz eines anderen Menschen nie erkennen können. Er bleibt auf der gedanklichen Ebene hängen, und so wird er nur die Form eines Menschen mit Worten beurteilen können. Das kommt daher, daß ihm diese Stimme im Kopf das erklärt, was er glaubt, wahrzunehmen
Sich selbst bewußt zu sein erfordert zuerst die Kontrolle über den Denker, also dieses Ego-Bewußtsein zusammen mit der Stimme im Kopf. Diese Stimme behauptet laufend – ICH bin DU. Also fängt es damit an, dieser Stimme einfach nur konzentriert zu zuhören und nichts dabei denken. So läßt sich erkennen, daß der Beobachter nicht der Denker sein kann, wenn er der Stimme nur zuhört.
Gehe einmal vor den Spiegel und schaue dich an. Was siehst du? Eine Gestallt, die man Mensch nennt. Der Verstand sagt – Ich sehe mich – und genau das ist die Trennung im Bewußtsein. Du hast aus dir selbst ein Objekt gemacht, welches du nun betrachten kannst. Du bist das Subjekt, und du betrachtest ein Objekt im Spiegel. Du hast dich selbst gespalten in Betrachter und Betrachtetes.
Und dann fühlst du dich von Allem als getrennt. Zu Allem hast du eine Beziehung, die dir der Verstand erklärt. Alles ist mit einem Etikett versehen, so daß du alles auch benennen kannst. Du hörst nicht mehr den klaren Ton, sondern sofort einen Vogel, ein Auto, einen Hund usw. Du nimmst nur noch mit dem Verstand wahr, also nur noch durch das Denken.
Gehe zurück in die Kindheit, als du alles erfragen mußtest, da du nichts kanntest, und alles für dich stets neu erschien. Damals warst du absolut in der Gegenwart, und deine Wahrnehmung war direkt und unmittelbar. Du mußtest alles erfragen, und so lebtest du eines Tages nur noch mit lauter Antworten auf deine gestellten Fragen. Dein Verstand war so gut wie programmiert und konnte fast alles erklären.
Das unmittelbare Gefühl für dich selbst wanderte allmählich ins Denken und wurde dadurch immer mehr reduziert. Dieses Gefühl wieder stärker spüren zu können bedeutet, weniger über sich nachzudenken. Du kannst dich niemals erklären, da du stets klar bist. Wenn du Ich sagst, beginnt das Ego-Bewußtsein eine Geschichte zu erzählen, an der du teilgenommen hast – mehr, nicht.
Beobachte die Stimme im Kopf. Du wirst selbst erkennen, daß du nicht der Denker sein kannst. Sicherlich kennst du den Spruch: Ich denke – also bin ich! – Und wenn du nun nicht mehr denkst, bist du immer noch. Glaube es nicht nur einfach, sondern probiere es selbst aus, damit du es erlebt hast, und nicht nur glauben kannst. Achte auf den Körper, ob er reagiert, wenn du nur da bist und dieser Stimme im Kopf zuhörst.
Das Ego-Bewußtsein lebt nur aus dem Gefühl, von allem getrennt zu sein. Solltest du das Ego beobachten, kann es nicht mehr behaupten – ICH bin DU. Wenn du die Verbundenheit mit Allem, was da ist, wieder dir bewußt machst, stirbt das Ego-Bewußtsein. Doch es wird vermutlich kämpfen um seinen Fortbestand. Das Ego ist hinterhältig und auch gemein.
Doch je weniger du über dich nachdenkst, um so schwächer wird diese Identifikation mit dieser Stimme im Kopf. Atme tief durch die Nase ein – halte die Luft kurz an – dann blase die Luft langsam durch den Mund aus. Das genügt, um gegenwärtig zu sein. Die Gegenwart ist für das Ego unverdaulich. Dort ist es immer nur – Jetzt.
Und als du begonnen hast zu Lesen, da war es Jetzt – und nun ist es immer noch – Jetzt. Versuche nicht, dieses Paradox mit dem Verstand zu verstehen. Es ist unverständlich – nur erlebbar. Das ist die Spaltung der Zeit – in innere und äußere Zeit