5

Wann brauche ich wirklich einen Rechtsanwalt?

Tipp von skyfly71 skyfly71

Die meisten Menschen sind der Meinung, dass man bei allen Rechtsstreiigkeiten einen Rechtsanwalt benötigt. Das ist nicht nur eine falsche, sondern auch eine ziemlich teure Ansicht. Es gibt tatsächlich Dinge, die sich nur mit Rechtsanwalt regeln lassen. Nämlich dann, wenn ein Anwalt zwingend vorgeschrieben ist. Dies ist bei fast allen Familienrechtsangelegenheiten, bei Zivilverfahren vor dem Landgericht und bei Fällen der „notwendigen Pflichtverteidigung“ (140 StPO ) der Fall. In den meisten Rechtsstreitigkeiten ist ein Rechtsanwalt aber entbehrlich. Man kann auch selbst Schreiben aufsetzen oder alleine vor Gericht erscheinen. In vielen Fällen geschieht dies auch.

Zivilrecht

Die meisten zivilrechtlichen Streitigkeiten entstehen dadurch, dass A von B Geld haben möchte. Oder dass die Hecke vom Nachbarn zu hoch geworden ist. Zwar gibt es immer wieder mal besondere Einzelfälle, die meisten Streitigkeiten sind aber schon hundertmal durch Gerichte entschieden worden und deshalb wird auch jeder deutsche Richter so entscheiden. Da kann man den besten Rechtsanwalt haben – der wird auch nur das beantragen können, was die Gesetze vorgeben. Manchmal ist es ratsam, sich – z.B. im Internet – einen kurzen Rat vom Anwalt für 10-50 € zu holen um sicher zu stellen, dass man im Recht ist. Dann kann man zunächst selbst seinen Prozeßgegner auffordern, Geld zu bezahlen oder etwas bestimmtes zu tun oder zu lassen. Weigert er sich trotzdem, kann man selbst zur Rechtsantragsstelle des Amtsgerichts gehen und mit dem dortigen Rechtspfleger eine Klage formulieren oder selbst einen Mahnbescheid beantragen. Kosten ohne Anwalt: Unter 100,-€ Kosten mit Anwalt: 200-1000 € - oder auch mehr.

Strafrecht

Auch hier gilt: Wenn man unsicher ist, was einen erwartet, kann man einen Rechtsanwalt ausschließlich mit der Akteneinsicht beauftragen. Das kostet ca. 80,-€. Den Rest kann man in der Regel alleine machen. Bei schweren Taten bekommt man sowieso einen Pflichtverteidiger, bei kleineren Straftaten kostet ein Anwalt in den meisten Fällen mehr, als er nützt. Beispiel: Ohne Anwalt Geldstrafe 60 Tagessätze a 20,- Mit Anwalt 30 Tagessätze a 20,-€. Macht 300 gespart, aber über 500,- für den Anwalt. Nur, wenn man zu Unrecht angeklagt ist, sollte man wirklich einen Rechtsanwalt konsultieren, weil dann eine fundierte Verteidigung die Chancen auf einen Freispruch deutlich erhöhen kann.

mehr Tipps

Tipp-Ergänzungen (1)

  • 0
    Tipp-Ergänzung Stan82 Stan82

    Zuallererst: Auf einen Anwalt zu verzichten ist meines Erachtens wirklich nur in einfach gelagerten Fällen sinnvoll.

    Einen Strafverteidiger sollte man jedenfalls dann beauftragen, wenn man unschuldig angeklagt wurde, aus einer Verurteilung ernsthaftere (bspw. berufliche) Konsequenzen erwachsen würden oder eine höhere Strafe im Raum steht (was durchaus auch bei Vergehen der Fall sein kann).

    Akteneinsicht kann man in Strafverfahren auch ohne Anwalt nach Maßgabe des § 147 VII StPO bekommen.

Diesen Tipp

Verwandte Tipps

Verwandte Fragen

Noch nicht den richtigen Rat gefunden?

Einfach und schnell viele hilfreiche Ratschläge von Deutschlands aktivster Ratgeber-Community erhalten!

Einfach und schnell einen Tipp erstellen und Ihren guten Rat mit anderen teilen!

Einfach und schnell ein Video hochladen und anschaulichen Rat an alle geben!