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Vater will das Sorgerecht - was nun?

Tipp von skyfly71 Fragant

Das Bundesverfassungsgericht hat mit seinem Beschluss vom 21. Juli 2010 bestimmt, dass die Väter von nichtehelichen Kindern mit sofortiger Wirkung das Sorgerecht für ihr Kind bekommen können und damit die alte gesetzliche Regelung der Bevorzugung unverheirateter Mütter gegenüber Vätern gekippt. Ein Gesetz dazu gibt es zur Zeit (September 2010) noch nicht, die Familiengerichte tun so, als wenn es sich bei dem Kind um ein eheliches Kind handelt.

Grundsätzlich geht es hier also um die Gleichstellung von unverheirateten Eltern gegenüber verheirateten Eltern. Die neue Regelung besagt nicht, daß Väter von nichtehelichen Kindern das alleinige Sorgerecht sozusagen hinterher geworfen kriegen, wenn sie nur einen solchen Antrag stellen.

Es git also jetzt die Verfahrensweise, wie sie schon immer bei ehelichen Kindern angewandt wurde: Der "Normalfall" soll das gemeinsame Sorgerecht sein. Nur dann, wenn ein Elternteil das alleinige Sorgerecht haben will und die Ausübung des gemeinsamen Sorgerechts nicht möglich ist, kann einem Elternteil das alleinige Sorgerecht zugesprochen werden. Dabei geht es aber immer in erster Linie um das Wohl des Kindes, nicht um den Willen der Eltern. Es muß also schon bedeutende Anhaltspunkte geben, daß das Wohl des Kindes besser gewährleistet ist, wenn der eine Elternteil das Sorgerecht verliert und der andere Elternteil das Sorgerecht bekommt. Dabei sind auch die Folgen für das Kind zu berücksichtigen, die der Wechsel des Wohnortes, Bezugspersonen etc. haben würde. Wenn das Kind schon jahrelang alleine bei der Kindesmutter gelebt hat, ist also von einem "Sorgerechtswechsel" wohl eher nur bei einer akuten Kindeswohlgefährdung auszugehen.

Sorgerecht bedeutet nicht Umgangsrecht. Auch, wenn eines der Elternteile das alleinige Sorgerecht innehat, so steht dem anderen Elternteil trotzdem weiter ein uneingeschränktes Umgangsrecht zu.

Anzumerken ist noch, daß Anträge bezüglich des Sorgerechts vor dem Familiengericht gestellt werden. Dort herrscht Anwaltszwang. Geht es vor Gericht, bleibt beiden Elternteilen also nichts anderes übrig, als sich jeder einen Fachanwalt für Familienrecht zu suchen.

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Tipp-Ergänzungen (2)

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    Tipp-Ergänzung Funtast Funtast

    Ein Anwaltszwang in dieser Sache besteht nicht! Ich habe aktuell ein anhängiges Verfahren und weder die Mutter noch ich sind anwaltlich vertreten.

    Kommentar von skyfly71 skyfly71 Fragant

    Das stimmt! Früher gab es den Anwaltszwang, der ist aber mittlerweile abgeschafft.

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    Tipp-Ergänzung MichaelSelm Fragant

    Es wird meiner Meinung nach zu oft vergessen das die Frage des Sorgerechts nicht allein Sache der Eltern ist. Sondern ab dem 14. Lebensjahr hat das Kind ganz entscheidende Mitwirkungsrechte, die von den Eltern zu beachten sind.

    Leider wird das seitens der Eltern oft umgangen. In dem sie ihr Kind nicht darüber aufklären.

    Das ändert aber nichts daran das ab dem 14. Lebensjahr das Kind

    die Anhörungspflicht des Gerichtes bei Sorgerechtsentscheidungen hat (§ 159 FamFG)

    Ebeso kann das Kind Widerspruch gegen Sorgerechtsübertragung einlegen (§ 1671 Abs. 2 BGB)

    Und weiterhin hat das Kind die Möglichkeit Einwilligung zu eigener Adoption und Widerspruch dagegen zu geben (§§ 1746, § 1762 BGB)

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