Du weißt sicherlich nicht, wer oder was da in dir denkt. Du glaubst vermutlich fest daran, daß du denken würdest. Doch du bist mit dem Denker in dir identifiziert, und er sagt dir laufend – ICH bin DU. Dieser Denker in dir hat ein eigenes Ich erschaffen – das Ego-Bewußtsein – und dieses Ego erklärt dir die Welt. Du nimmst also das wahr, was dir dieses Ego erzählt.
Der Denker erschafft eine geistige Konstruktion, welche er dann in die Zukunft verlagert, und wenn sie von dort zurückkommt, reagiert das Ego auf diese Befürchtung, die ja nur ein Gedankenkonstrukt ist. Da das Ego kein eigenes Bewußtsein besitzt, kann es auch nicht erkennen, daß es doch selbst diese Befürchtung erst erschaffen hat. Es reagiert quasi auf sich selbst, und weiß es nicht.
Da du nun mit dem Denker identifiziert bist, hältst du seine Reaktion für deine eigene, und nun zeigt sich die Angst, di ja bereits schon in dir ist. Du willst dieses Angstgefühl auf gar keinen Fall erleben. Du spürst den inneren Widerstand gegen das Gefühl, doch im Grunde ist es das Ego, welches versucht, über deine Wahrnehmung weiterhin die Kontrolle zu behalten.
Angst ist keine Sache, die man haben kann. Angst ist die Differenz zweier unterschiedlicher Energien in deinem physischen Körper. Energie kann man nicht vernichten – nur umwandeln. Irgendwann einmal hast du etwas von Geistern gehört, und nun sitzt es als Wissen fest im Gedächtnis des Verstandes. Es ist somit kein Erlebnis aus deiner Erfahrung, sondern nur etwas Gehörtes ohne jeglichen Bezug zur Realität.
Diese Geister entstehen im Phantasiebereich des Ego-Bewußtseins. Das Ego bietet dir diese Bilder an und behauptet, es wäre eine reale Wahrnehmung. Solange du mit dem Denker in dir identifiziert bist, also noch nicht weißt, wer oder was da in dir denkt, so lange glaubst du alles, was dir dieses selbsterdachte Ich erzählt.
Doch das Ego befürchtet Machtverlust, wenn du die Verbindung mit ihm trennen solltest, denn dann kann es dir nicht mehr die Welt erklären, und dir nicht mehr sagen, wer du bist. Solltest du jedoch dieses Gefühl von Angst akzeptieren – also zu dir gehörend betrachten – lockert sich die Verknüpfung mit dem Ego-Bewußtsein. So erkennst du diese Angst eher als eine Illusion.
Was du tun kannst? – Nun – schaue unter dein Bett. Kümmere dich nicht um andere, was sie dazu sagen sollten. Es geht hier NUR um DICH. Gehe bewußt durchs Zimmer. Wenn es dich beruhigt, dann schaue weg, wenn der Spiegel kommt. Akzeptiere, daß du dich vor dem Blick in den Spiegel fürchtest. Sei ehrlich zu dir selbst. Du mußt niemandem etwas beweisen. Die Gefühle sind nun einmal da, und nun spürst du ihre Wirkung in dir.
Versuche, nicht zu rennen. Höre intensiv in die Ruhe hinein. Bleib ruhig stehen und höre nur. Je intensiver du hörst, um so ruhiger wird diese Stimme im Kopf, bis sie völlig verstummt. Du kannst nicht intensiv hören, und gleichzeitig denken – probiere es aus, und glaube es nicht nur einfach. Je bewußter du durchs Zimmer gehst, um so mehr Energie wird für die Wahrnehmung benötigt – und fehlt somit der Stimme im Kopf.
Eine weitere Hilfe ist dieses kleine Steckdosenlicht, welches für kleine Kinder im Dunkeln einfach nur in die Steckdose gesteckt wird. Das Sehen benötigt ebenfalls Energie, welche wiederum dem Denker fehlt. Du wirst auch irgendwann bemerken, daß das, was du gerade denkst, die Angst erst erzeugt – oder anders gesagt: Zum Vorschein bringt.
Richte deinen Blick auf einen Gegenstand und bleibe dabei. Vielleicht zündest du eine Kerze an und schaust konzentriert in die Flamme. Es geht darum, daß du mit deiner Konzentration bei dir bleibst, und nicht in die Zukunft abdriftest. Denn dort ist ja die Befürchtung entstanden, die der Verstand geschaffen hatte, und nun nichts mehr davon weiß, daß er es selbst war, der eine Befürchtung geschaffen hatte.
Und noch etwas: Stelle dich bei hellem Licht einmal vor den Spiegel. Vermutlich willst du dich selbst gar nicht sehen. Vielleicht bist du der Ansicht, daß du nicht so erscheinst, wie du dir das so vorgestellt hattest. Du hast vermutlich ein Bild von dir erschaffen, welches mit diesem realen Bild nicht zusammenpaßt.
Vielleicht hast du ja bereits alles ausgeklammert, was du nicht sein willst, und wie du auch auf keinen Fall gegenüber anderen erscheinen möchtest. Das hat etwas mit Selbsterkennen zutun. Du kannst dich selbst nicht akzeptieren, wenn du nur die positiven Eigenschaften als zu dir gehörend betrachtest. Verdrängung – egal, auf welcher Ebene, erzeugt Angstenergie.
Wie geschrieben – versuche, so bedächtig wie möglich, deine Schritte zu wählen. Spüre diese Angst, aber verdränge sie nicht sofort, sonst wächst sie an. Wenn es dir hilft, dann nimm einen Gegenstand mit auf die Toilette – wie wäre es mit einer Taschenlampe oder einem kleinen Radio? Mache dir auf ja keinen Fall Vorwürfe, daß du Angst spürst – das ist menschlich.
Herzliche Grüße