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Die Einkommensanrechnung bei Hartz IV

Tipp von skyfly71 Fragant

Da die Frage immer und immer wieder auftaucht, hier eine Kurzübersicht:

Erwerbseinkommen

Die ersten 100,-€ sind anrechnungsfrei, darüber wird bis zu einem Betrag von 900,-€ 80% des Einkommens angerechnet, danach 90%.

Beispiel: Bei einem 400,-€ - Job bleiben 160,-€ übrig (100,- anrechnungsfrei, von den verbleibenden 300,-€ noch 20%, also 60,-€)

Kindergeld

Das Kindergeld wird voll auf den Bedarf des Kindes angerechnet. Sofern kein anderes Einkommen vorhanden ist, können 30,- für "notwendige Versicherungen" abgezogen werden. Wenn das Kind jedoch durch anderweitiges Einkommen seinen Bedarf komplett selbst decken kann, wird das Kindergeld als Einkommen bei den Eltern angerechnet.

Kindes- und Ehegattenunterhalt

Unterhaltszahlungen werden in voller Höhe auf den Bedarf des Unterhaltsempfängers angerechnet. Wenn das Kind einen höheren Unterhalt erhält, als es Hartz IV bekommen würde, kann es den Rest behalten.

Einnahmen aus selbständiger Arbeit

Es ist bei der ARGE bzw. Jobcenter eine Einnahmeüberschußrechnung einzureichen. Danach wird der Bedarf berechnet. Gewinne werden in voller Höhe auf den Bedarf angerechnet.

Einkommen in "eheähnlicher Gemeinschaft"

Sofern die Partner noch nicht ein Jahr zusammenleben, keine gemeinsamen Kinder und keine gemeinsamen Konten haben, sind sie keine Bedarfsgemeinschaft. Das Einkommen des Partners wird also nicht auf das Hartz IV angerechnet. Nach einem Jahr entfällt diese Regelung aber, wenn die Partner nicht nachweisen können, daß sie keine "Einstehens- und Verantwortungsgemeinschaft" bilden.

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Tipp-Ergänzungen (3)

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    Tipp-Ergänzung Redgirlfan Fragant

    Frage zum erwerbseinkommen: werden in der Lohnabrechung enthaltene fahr und übernachtungskosten ebenfalls angerechnet ?

    Kommentar von Larah10 Larah10 Fragant

    Redgirlfan, schau mal hier rein:
    http://hartz.info/index.php?topic=17.0

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    Tipp-Ergänzung Larah10 Fragant

    "Das Kindergeld wird voll auf den Bedarf des Kindes angerechnet. Sofern kein anderes Einkommen vorhanden ist, können 30,- für "notwendige Versicherungen" abgezogen werden."

    Das gilt nur für volljährige Kinder; bei minderjährigen Kindern ist das nur möglich, wenn tatsächlich eigene Versicherunge vorliegen (was so gut wie nie der Fall ist, da Versicherer in der Regel keine Verträge mit Minderjährigen abschließen.)

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    Tipp-Ergänzung Sylli68 Sylli68

    Anrechnung Kindesunterhalt

    "Erhält das Kind mehr Unterhalt als es Hartz 4 bekommen würde, kann es den Rest behalten"

    Das stimmt so nicht ganz , ist das Kind Mitglied einer Bedarfsgemeinschaft , wird der Überschuß auf die anderen Mitglieder aufgeteilt,

    Salopp gesagt, z.B. zahlt der Vater vollen UH nach DDT, erhält das Kind nur den Hartz4 -Satz und der Rest wird als Einkommen bei der Mutter angerechnet. Das Kind lebt also in Armut, obwohl der Vater voll zahlt !

    Das ist leider die traurige Realität!

    Kommentar von skyfly71 skyfly71 Fragant

    Nein, das ist nicht richtig. Nach § 7 SGB II ist das Kind nicht mehr Teil der Bedarfsgemeinschaft, wenn es seinen Bedarf aus eigenen Mitteln decken kann. Und da Unterhalt Einkommen des Kindes ist, fällt es aus der Bedarfsgemeinschaft heraus, wenn der Unterhalt den Bedarf übersteigt. Im Ergebnis hat das Kind dann mehr Geld.

    Kommentar von Larah10 Larah10 Fragant

    Was Sylli68 wahrscheinlich meint, ist der Kindergeld- Übertrag. Wenn das Kind seinen eigenen Bedarf (= seinen Regelsatz und seine anteiligen Unterkunftskosten) durch eigenes Einkommen (z.B. Kindergeld, Unterhalt/svorschuss) plus Wohngeldanspruch decken kann, fällt es aus der Bedarfsgemeinschaft und erhält keine ALG2- Leistungen mehr. Dabei wird aber der Teil seines Kindesgeldes, den es nicht mehr zur eigenen Bedarfsdeckung benötigt, als Einkommen auf die (z.B.) Mutter übertragen und auf deren ALG2- Leistung angerechnet. D.h. faktisch wird nicht der Unterhaltsüberhang, sondern das "überschüssige" Kindergeld auf die Mutter übertragen. Wenn das Kind 184 € Kindergeld bezieht und seinen Bedarf selber decken kann, können also (je nach Gesamteinkommen des Kindes ) bis zu 184 € Einkommensüberhang auf die Mutter übertragen werden. Als "mehr Geld in der Hand" könnte das Kind nur das bedarfsübersteigende Geld behalten, das über 184 € läge (was aber wohl eher selten eintreten dürfte).

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