Das Denken – Wer oder Was denkt da im Grunde ?
Das Denken geschieht dir. Du denkst nicht. Du hast nie gelernt, zu denken. Etwas in dir fängt an, zu denken, wenn die Sprache entsteht. Du hörst die Töne, und du wiederholst die Laute, die du anfängst, zu üben. Wenn du ein Wort gelernt hast, wird dieses Wort mit einer Bedeutung in Verbindung gebracht. Und dann kommen noch weitere Bedeutungen zu diesem einen Wort.
Tiere und Pflanzen bleiben auf dem Stadium des Seins und betreten nicht die Ebene des Denkens. Sie sind absolut gegenwärtig im Sein. Das Sein läßt sich nicht erklären. Es findet außerhalb der Materie statt. Was wir hier erleben, ist nur das Echo der Kommunikation. Im Traum unterhältst du dich mit allen möglichen Personen, die du kennst, oder noch nie gesehen hast.
Dort bewegt sich unter Umständen kein Mund, um zu sprechen, wie es ja im täglichen Leben Gang und Gebe ist. Und doch ist im Traum eine perfekte Unterhaltung möglich, bei der im Nachhinein keine Unklarheiten übrig bleiben. Die Traumkommunikation ist der perfekte Gedankenaustausch, jedoch auf einer Ebene, die man zeitlos nennen kann.
Es gibt sogar Menschen die behaupten, man könne das Denken gar nicht abschalten. Das mag wohl richtig, und auch falsch zugleich sein, wenn man davon ausgeht, daß diese Menschen glauben, sie würden selbstständig denken. Wenn diese Menschen ICH sagen, dann meinen sie diese Person, welche diesen Namen trägt, und die eine ganze Menge von Ereignissen bereits erlebt hat.
Sie reden über eine Gestallt, von der sie glauben, daß sie diese Gestallt seien, und alles Physische, was mit dieser Person jemals zu tun haben könnte. Sie schauen an diesem Körper herunter und behaupten, ich habe dieses Etwas, was ich Körper nenne. Und ich glaube, daß dieser Körper alles sei, was ein Ich ausmachen würde. Und so beziehen sie alles auf diese eine Person, die sie mit diesem Namen gleichsetzen – den ihnen die Eltern einmal gaben.
Doch seit Generationen, ja – seit Jahrtausenden, da lebt der Mensch in diesem Zustand der Gleichsetzung mit der materiellen Welt und glaubte irgendwann einmal, er sei von Allem da draußen getrennt. Und genau so erleben viele Menschen heute diese Welt – von Allem getrennt müssen sie ihre Erfahrungen machen. Der Mensch hat sich im Laufe der Zeit einen Ersatz für die Quelle seines Seins geschaffen und glaubte dann, sie könne ihm alle Fragen beantworten.
Und nun sind wir beim Denken. Wer oder Was denkt da im Grunde? Diese Frage läßt sich nicht gedanklich lösen, da ja der Verstand gerade darüber nachdenkt. Also der Verstand kann es nicht sein. Aber was bleibt dann noch? Wer erkennt das gerade? Wer denkt nicht über diese Frage nach und schaut nur dem Denker zu?
Du liest gerade diese Zeilen und machst aus dem Gelesenen in dir Gedanken. Und jetzt beobachte den Denker in dir, wie er diesem Gelesenen eine Bedeutung gibt. Das nennt man eine Meinung sich bilden. Es kommt von Mein – also es gehört mir. Und diese soeben gebildete Meinung wird mit bereits bestehenden Meinungen in dir verglichen. Und sollten sie nicht zusammenpassen, dann wirst du sie ablehnen müssen.
Meinungen sind erdachte Standpunkte. Alles nur Gedankenkonstrukte des Verstandes. Der Verstand sammelt also Gedanken, mischt sie neu auf, und dann bietet er sie dir als etwas Neues an. Du erlebst also laufend deine eigene Vergangenheit, indem du alte Gedanken und alte Vorstellungen ausagierst. So hast du es von deinen Eltern gelernt. Und sie wiederum von ihren Eltern, und so weiter. Du kannst also niemandem einen Vorwurf machen, er hätte dich falsch unterrichtet.
Denken läßt sich nicht abschalten. Doch es läßt sich erkennen. Du mußt nur den Denker beobachten und wachsam sein. Warte einmal konzentriert auf den nächsten Gedanken. Du wirst erleben, wie er nicht kommen kann, da du mit deiner Aufmerksamkeit den Raum erfüllst, in dem die Gedanken erscheinen wollen. Dieser Raum ist die Gegenwart – also der Augenblick.
Wenn du diesen Raum nur beobachtest, dann bist du gegenwärtig und präsent. Dort existieren keine Zukunft und keine Vergangenheit. Dort kann es nicht mehr Denken, wenn du anwesend bist mit deiner Konzentration. Dort kannst du das Denken erleben und steuern. Verstand und Ego-Bewußtsein haben keine Kontrolle mehr über das Denken, da du nun anwesend bist.
Präsent – bedeutet Gegenwart und – Geschenk.
Herzliche Grüße