Frage von Dieandrea72, 104

Zustände in Kurzzeitpflege - ist das normal?

Hallo zusammen,

meine Mutter ist gerade in einem Altenheim zur Kurzzeitpflege untergebracht. Normalerweise wird sie von meinem Vater und einem Pflegedienst versorgt. Aber da mein Vater ins Krankenhaus musste, wird sie vorübergehend untergebracht.

Ist das normal:

  • Ich finde eine Tablette am Boden liegend vor (meine Mutter muss mehrere Tabletten nehmen)
  • Ich finde nach 10:00 Uhr morgens alle Tabletten noch vor
  • Meine Mutter sagt, sie will nichts essen und trinken. Sie braucht Hilfe beim Essen, da sie sehr schwach ist. Wenn man sie aber ein zweites Mal fragt, lässt sie sich zu ein paar Bissen oder Schlucken überreden. Ich habe das unzählige Male den Pflegekräften mitgeteilt, Trotzdem fand ich sie mehrere Male vor, Essen unangetastet und für sie unerreichbar.
  • verschüttetes wird nicht aufgewischt
  • als sie immer schwächer wird, verordnet die Ärztin des Pflegeheims Psychopharmaka anstatt sie genau zu untersuchen. Ich habe daraufhin eine Einweisung ins Krankenhaus durchgesetzt und siehe da: Blutwerte (Eisen) total im Keller, Entzündungswerte hoch. Sie bekommt Infusionen mit Eisen und Antibiotika
  • Als ich mich beschwere und nachhake, wie es so weit kommen konnte, werde ich von der Pflegerin angeschrien. Heimleiter wiegelt alles ab. Die Tablette am Boden könnte ein anderer Dementer im Zimmer meiner Mutter ausgespuckt haben.
  • Ansonsten: Kein Eincremen der trockenen Haut, kein weich betten - ihr tut schon alles weh... etc.

Meine Frage an euch: Bin ich zu anspruchsvoll? Habe ich mich zu Unrecht beschwert? Vielleicht sind hier auch Altenpfleger/innen die mir dazu etwas schreiben können.

Danke im Voraus

Andrea

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Susanne464, 62

Ich komme aus der Pflege und wenn ich so was lese, bekomme ich einen dicken Hals. Du hast eindeutig die verkehrte Kurzzeitpflege bzw. das falsche Heim ausgesucht.

Wenn es vom Arzt eine Verordnung gibt, werden die Tabletten gegeben und die Pflegekraft bleibt so lange bei dem Gast, bis die Tabletten runter geschluckt sind. Man lässt niemals einen Gast mit seinen Medikamenten alleine.

Dann ist es so, das man natürlich ersten niemanden zum Essen zwingen kann. Wenn jedoch der Angehörige es so schildert wie hier, muss es umgesetzt werden von der Pflegekraft.

Wenn was verkippt wurde muss es auch weg gemacht werden, das hat ja auch was mit Hygiene zu tun.

Dein Anspruch ist völlig normal.

Viele sind überlastet, es ist aber kein Grund, das die PFLEGE darunter leider, so was darf es nicht geben.

Alte Menschen brauchen unsere Hilfe und unseren Schutz, und wir sind dafür da, das zu gewährleisten. Viele Kräfte sollten immer sehen, dass sie selbst doch auch nicht so behandelt werden möchten.

Dir rate ich das nächste mal eine andere Einrichtung zu nehmen.

Kommentar von Dieandrea72 ,

Vielen Dank - dann bin ich doch keine anspruchsvolle Zicke. Der Verwandte, der das Heim ausgesucht hat, sagt mir, das sei alles ganz normal. Das sei eines der besseren Heime. Zu der Lache meint er, es würde doch jeden Tag eine Putzfrau kommen. Aber ich verstehe nicht, wie man eine Riesenlache klebriges Zeug (Saft?) einfach lassen kann. "Wir können sie nicht zwingen" ist die Standardausrede für alles. Bei mir sagt sie auch immer erst einmal nein, aber das liegt an der Verwirrtheit. Und von Fremden lässt sie sich eigentl. eher noch etwas sagen, als von mir als ihrer Tochter. Und die Ärztin macht bei diesem bösen Spiel mit - wahrscheinlich hat sie sonst keine Patienten :-(

Kommentar von Susanne464 ,

Immer erst das Heim besichtigen vorher, dann sich alles in Ruhe ansehen, die Zimmer und Fragen über Fragen stellen. Klar dürfen wir niemanden zwingen, das sollte aber keine Standard Ausrede sein. Man sollte es schon immer versuchen. Kommste nächstes mal zu uns nach Berlin. :-).......

Kommentar von Dieandrea72 ,

Der Verwandte kannte das Heim und ich habe mich auf ihn verlassen, vor allem, weil er beruflich oft mit Heimen zu tun hat. Er hielt meine Beschwerden für völlig überzogen - auch ein Grund, warum ich die Frage hier gestellt habe. 

Zu Anfang haben sie mir in dem Heim auch noch schön getan: "Ihre Mutter ist ja ganz eine Liebe". Am Anfang haben sie sich auch noch etwas Mühe gegeben. Zumindest haben sie die Brote klein geschnitten hingestellt. Als meine Mutter immer schwächer und "komplizierter" wurde, reagierten sie mit Vorwürfen. Heute hieß es dann, sie sei aggressiv und ich mache mir jetzt ernsthaft Sorgen um sie. 

Ich bin jeden Tag dort, obwohl ich eigentl. etwas anders zu tun habe. Ich hoffe wirklich sehr, dass mein Vater sie übermorgen wieder heim holen kann. In Berlin war ich vor ein paar Wochen, bin immer wieder gerne dort :-)

Kommentar von Susanne464 ,

Das sie aggressiv ist, ist verständlich, das würde ich auch sein, wenn man so mit mir umgeht. Man muss es mal so sehen, es ist Deine Mama, ist doch klar das man da nur gutes will, man gibt doch seinen liebsten in die Obhut eines Heimes, damit man selbst beruhigt ist das dort alles getan wird, das derjenige da versorgt wird. Es tut mir leid wenn ich so was höre. Und kann nur mit dem Kopf schütteln. Und außerdem darf man alten Menschen keine Vorwürfe machen oder mit ihnen schimpfen, man muss sie sehen wie kleine Kinder, sie können doch nichts alleine oder nur wenig, sonst würden sie ja nicht dahin kommen. Naja, da kann ich mich aufregen und du wie wir wollen, so was kommt leider immer wieder vor. Ich wünsche Dir viel Kraft weiterhin.

Kommentar von Dieandrea72 ,

Vielen Dank Susanne464 - genau so ist es.

Antwort
von Gnubbl, 54

Nein diese Zustände sind nicht in Ordnung. Natürlich klappt in den Heimen nicht immer alles so wie es wünschenswert wäre. Das liegt einfach daran, dass viel zu wenig Personal da ist. Aber so wie du es schilderst darf es nicht sein. Natürlich muss man ihr beim essen helfen, natürlich muss die Tabletteneinnahme überwacht sein und natürlich gehört zur Körperpflege auch eincremen wenn es nötig ist.

Wende dich an die Pflegekasse deiner Mutter und/oder nehme Kontakt zu

http://www.heimaufsicht.de/

auf. Suche dir ausserdem für einen eventuellen weiteren Aufenthalt in der Kurzzeitpflege ein anderes Heim.

Ich wünsche dir und deiner Mutter von Herzen, dass ihr einen Platz für sie findet wo sie mit Respekt behandelt wird, denn das haben unsere "Oldies" verdient.

Kommentar von rosacanina45 ,

Klasse ist ja die Berechnung! Das Heim muss einfach nur ne ausrecheichende Trinkmenge protokollieren und genügend Aufschnitt fürs Brot. Und schon sind die auf "eins" Ob die Menschen da leiden, weil sie keiner wendet, das interessiert keinen Menschen. Wunderbarer Dicubitus fürn Weißbrot. Gruß an den MDK.

Antwort
von Susanne464, 32

Ich kann Dir noch raten wende Dich an den MDK.....Medizinischen Dienst die überprüfen auch alles.

Antwort
von tachyonbaby, 19

Nein, Du bist nicht zu anspruchsvoll.

Gut, daß Du darauf bestanden hast, Deine Mutter ins Krankenhaus einweisen zu lassen. Von solchen Vorkommnissen habe ich schon einige Male gehört. Man läßt die alten Menschen einfach verrecken, weil die Pflegekräfte durch Personaleinsparungen nur noch überfordert sind. Die mangelhafte Bezahlung für die zu erbringenden Leistungen sind auch nicht gerade eine Motivation.

Viele Pflegeheime sind schlicht eine Katastrophe und daß die Pflegerin schreit, ist ein Zeichen dafür, daß Du einen Nerv getroffen hast und sie sehr wohl weiß, daß die Pflege unzureichend ist. Klar ist auch, daß die Heimleitung abwiegelt, denn die ist ja dafür zuständig, daß die Kosten niedrig gehalten werden und das schafft man in der Hauptsache nur mit möglichst wenig Personal.

Das sind die Erscheinungen, wenn solche Heime "gewinnmaximiert" arbeiten müssen, weil da schlicht Firmen / Aktiengesellschaften dahinterstecken, die ihre Gewinne haben wollen. (Was glaubst Du, gibt das für Zustände in unseren Krankenhäusern, wenn die alle privatisiert werden und dann - gemäß TTIP-Abkommen - US-amerikanische Firmen auf den deutschen Markt drängen, die ihre Aktiengewinne auf unsere Kosten hochschrauben wollen???). Niemand der klaren Verstandes ist, kann so eine profitorientierte Privatisierung befürworten.

Meine demenzkranke Tante war in einem Pflegeheim in Hamburg untergebracht, das einer Stiftung gehört. Nachdem ich schon einige Pflegeheime gesehen hatte, war ich dort sehr positiv überrascht, wie angenehm freundlich und menschlich es doch in einem Pflegeheim zugehen kann. Klar, eine Stiftung muß zwar auch ökonomisch arbeiten, aber sie muß keine Gewinne erzielen, die zu Lasten der Pflege der Insassen gehen.

Dann kann man Dir nur wünschen, daß Du eine gute Lösung für die Pflege Deiner Mutter findest und daß Dein Vater bald gesundet.

Kommentar von Dieandrea72 ,

Ja, unser Gesundheitswesen ist komplett marode. Darf ich fragen, wie die Stiftung heißt?

Kommentar von tachyonbaby ,

Mußte erst mal nachsinnen, wie das Altenheim hieß, denn es ist schon einige Jahre her...

Das war das Seniorenzentrum Röweland in Hamburg-Langenhorn.

Ich war damals sehr überrascht, wie großzügig die Zimmer dort sind. Meine Tante konnte sogar ihre eigene Schrankwand und Sitzgruppe  mitbringen, hatte ihren eigenen Fernseher. Alle Zimmer hatten Terrasse oder Balkon und eine großzügig geschnittene Naßzelle (alles natürlich auch Rollstuhl-gerecht). Dort wuselte es nur so von Pflegepersonal und ehrenamtlichen Helfern, die den alten Menschen vorlasen, mit ihnen Spaziergänge machten oder sogar mit Ihnen in die Stadt zum Einkaufen fuhren.

Wie gesagt, ich war sehr positiv überrascht, denn bis dato hatte ich nur Altenheime mit tristen, öden, engen "Gefängniszellen", die mal gerade mit einem Bett, einem Tisch und einem Stuhl ausstaffiert waren, gesehen oder Pflegezimmer mit mehreren Betten.

https://www.kliniken.de/altenheim/plz-22/hamburg/seniorenzentrum-roeweland-30236...

Kommentar von Dieandrea72 ,

Vielen Dank!

Antwort
von rosacanina45, 46

Hallo du.

Ich bin Altenpflegerin. Was du beschreibst ist in der Pflege üblich. Die Leute, die Nachdenken und keine Lust auf diesen Mist haben... die gehen. Russlanddeutsche und Polen übernehmen die Pflege, weil sie eine andere Einstellung zur Pflege haben. Ich hatte keine Chance eine gute Pflegekraft zu sein. Und jedem, der alt ist und sich keine Pflege einkaufen kann, dem rate ich, sich zu erschießen. Lieben Gruß an alle Kollegen.

Kommentar von Dieandrea72 ,

Hi, danke für deine Antwort. Woran liegt das? Zu wenig Personal? Ich meine, ich muss meine Arbeit ja auch sorgfältig machen. Dem Heimleiter war meine Beschwerde übrigens völlig egal, so mein Eindruck. 

Kommentar von rosacanina45 ,

Heimleitung kann jeder sein. Jeder Kopfschlachter kann ein Heim aufmachen. Es geht ausschließlich um Profit. Dafür braucht man echt keine Ausbildung. Die Leute, die vor Ort arbeiten, werden systematisch missbraucht und verscherbelt. Wie die alten Menschen, die einen Ort im Lebensendstadium suchen ebenso. Es ist einfach eine reine Logik. Wenn du alt bist, dann bist du nichts mehr wert und jeder Idiot kann über dich und wird über dich verfügen. Es sei denn, du hast Geld. Wenn du keines hast, dann hast du verdammt schlechte Karten. Ich hab den Beruf damals gewählt, weil ich wollte, dass ich etwas weitergebe, um dann mal.... wegen Generationenübertragung- blödes Wort- sicher zu sein. Vergiss es. Vergiss es einfach. Kein Mensch braucht Pflegekräfte. Zu Pflegende brauchen einfach nur Windeln, Futter und Wasser. Und wenn mir jetzt hier jemand allen Ernstes erzählen will, dass ich nicht recht habe.... ich bin gern zur Diskussion bereit.

Kommentar von rosacanina45 ,

nochwas: Ich kam zum Dienst. Am Frühstückstisch saß eine Frau mit gebrochenen Augen. Ich dachte:"du bist doch nicht doof.. die Dame liegt im Sterben.. was macht die an dem Frühstückstisch?" Ich sagte dem Kollegen: "Der Frau gehts nicht gut.. sie sollte ins Bett". Der:" Wenn sie Bett liegt, sie nicht mobilisiert!"- ich war da neu und sage nichts mehr. Die Frau war am Nachmittag in ihrem Bett nach Dienstübergabe verstorben. Für mich war das der Zeitpunkt das Handtuch zu werfen.

Das Heim ist mit 1,3 ausgezeichnet. Trinken und essen kann man schließlich auch sterbend.

Antwort
von Lochitv, 47

Ich denke mal, dass du völlig richtig gehandelt hast. Normal sollte so etwas nicht sein.

Antwort
von Leisewolke, 42

nein, du bist nicht zu anspruchsvoll. Deine Beschwerde ist zu Recht. Setzte die Leute dort auf den Pott bis es deiner Mutter wieder besser geht. Was macht denn der Pflegedienst ?  Ich würde dort so lange den Lauten machen, bis sie mich rausschmeissen oder an den Verhältnissen etwas ändern und zwar sofort. 

Kommentar von Dieandrea72 ,

Der ambulante Pflegedienst ist zur Zeit abgemeldet, da gab es meines Wissens auch keine größeren Probleme. Nur in diesem Heim läuft alles schief. 

Antwort
von hauseltr, 35

Das ist leider die traurige Realität in Deutschland.

Völlig überlastetes Pflegepersonal, ich mache Ähnliches in etwa zur Zeit auch mit. Allerdings helfen die Familienmitglieder bei meiner 95jährigen Schwiegermutter so gut wie es geht auch mit.

Die Pflegekräfte dürfen die zu Pflegenden nicht zwangsernähren, wenn die  nicht essen wollen, müssen die das akzeptieren! Leider können sie sich aber auch nur in einem realtiv engen Zeitrahmen um die Pflegebedürftigen kümmern. Das bei denen manchmal die Galle hochkommt und sie laut werden, ist nur verständlich!

Versuch dich mal in die Lage des Pflegepersonals zu versetzen. Wie lange würdest du das durchhalten?

Kommentar von Susanne464 ,

Das ist zwar menschlich gesehen richtig, nur können die alten Leute nichts dafür das wir überlastet sind. Die hohen Leute da oben sollen mal anfangen den Beruf schmackhafter zu machen und vor allem auch Geldlich attraktiver zu gestalten und mehr Personal.

Kommentar von hauseltr ,

100 % Daumen hoch!

Kommentar von rosacanina45 ,

Ach Susanne... du denkst doch nicht allen Ernstes, dass sich Politiker Gedanken über die Pflege machen? die kaufen sich die Pflege ein. Und wenn Tante Merkel mal Hilfe braucht, dann lässt sich sich die Schamlippen einfach vom Butler abputzen.

Kommentar von rosacanina45 ,

Die Politiker sind auf der sicheren Seite. Pfelegekräfte gehen nicht auf die Straße und protestieren nicht, weil sie wissen, dass ein Portest das Leben ihres zu Pflegenden bedeuten kann. Die Pflege ist in den 70ern mal widersspenstig gewesen. Das war gut und gab ne Veränderung. Jeder, der nicht zu seinem Job geht, sitzt mit einem Bein im Knast. Und der zu seinem Job geht ebenso. Wenn die Pflege streiken würde........ es würden sehr viele unschuldige Köpfe rollen und es würde sich was verändern. Aber wer will schon Henker sein?

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