Frage von yorkifan,

Zusatzurlaub bei Schwerbehinderung

Ich hab einen Antrag auf Neufestsetzung des Grades der Behinderung gestellt, weil sich mein gesundheitliches Problem verschlimmert hat. Bisher hatte ich 40%. Ab 50% steht mir ein Zusatzurlaub von 5 Tagen zu. Bekomme ich den dann für dieses Jahr nur anteilig, weil wir ja schon September haben oder bekommt man den dann trotzdem voll? Vielen Dank für eure Antworten!

Hilfreichste Antwort von ralosaviv,
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http://www.schwbv.de/zusatzurlaub.html

Wird anteilig gerechnet.

Antwort von tuebinger,
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Zusatzurlaub Menschen mit einer für das ganze Kalenderjahr anerkannten Schwerbehinderung erhalten (z.B. bei einer 5-Tage-Woche) einen Zusatzurlaub von 5 Tagen (§125 Abs. 1 SGB IX). Die Urlaubstage kommen zum Grundurlaub dazu, der den schwerbehinderten Beschäftigten laut Arbeits- oder Tarifvertrag bzw. nach gesetzlichen Bestimmungen ohnehin zusteht und unterliegt somit auch den selbigen Bestimmungen.

Anspruch nicht für das ganze Jahr Besonderheiten gelten gemäß § 125 Abs. 2 SGB IX dann, wenn die Schwerbehinderteneigenschaft nicht während des gesamten Kalenderjahres besteht (z.B. Anerkennung als schwerbehinderter Mensch ab dem 15.07.). In diesen Fällen hat der schwerbehinderte Mensch (nur) für jeden vollen Monat der im Beschäftigungsverhältnis vorliegenden Schwerbehinderteneigenschaft einen Anspruch auf ein Zwölftel des regelhaften Zusatzurlaubs (im obigen Beispiel also für 5 Monate). Entstehen bei dieser Berechnung Bruchteile von Urlaubstagen, die mindestens einen halben Tag ergeben, so werden sie auf volle Urlaubstage aufgerundet. Der so ermittelte Zusatzurlaub ist ebenfalls dem allgemeinen Erholungsurlaub hinzuzurechnen.

Der Anspruch nach § 125 SGB IX ist ein Mindestzusatzurlaub. Sehen gesetzliche, tarifliche oder betriebliche Regelungen (Betriebsvereinbarung) einen längeren Zusatzurlaub vor, so gelten diese Sonderregelungen zugunsten der schwerbehinderten Beschäftigten (§ 125 Abs. 1 Satz 2 SGB IX).

Bei einer Gleichstellung besteht demgegenüber kein Anspruch auf Zusatzurlaub (§ 68 Abs. 3 SGB IX).

Auf dieser Seite findest Du alles was Du wissen solltest: Die Seite für die Schwerbehindertenvertretung Vertrauensperson der schwerbehinderten Menschen im Betrieb

Kommentar von Anton96,

Super Antwort dafür DH!

Antwort von hubkon,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Hallo yorkifan,

in dem sehr hilfreichen und sehr preiswert erhältlichen Buch,

"Schwerbehinderung meine Rechte von Heinfried Tintner-Weltbildverlag" finden Sie auf Seite 106 folgende Aussagen zu Ihrer Fragestellung:

(Zur Zeit gebraucht erhältlich bei Amazon EUR 5,97 Kostenlose Lieferung, also incl. Versandkosten)

Wie wirkt sich die Schwerbehinderung auf die zeitliche Verpflichtung zur Arbeitsleistung aus?

Eine Schwerbehinderung führt zunächst zu einer Verlängerung des Urlaubsanspruchs.

Schwerbehinderte Arbeitnehmer haben Anspruch auf einen Zusatzurlaub von einer Arbeitswoche im Jahr.

Bei einer regelmäßigen Arbeitswoche von fünf Tagen besteht daher ein Anspruch auf fünf Tage Zusatzurlaub im Jahr.

Wird die Schwerbehinderung erst im Verlaufe des Urlaubsjahres festgestellt, hat der Schwerbehinderte nur Anspruch auf Zusatzurlaub in anteiliger Höhe.

Dabei erhält er für jeden Monat, in dem die Schwerbehinderung entsteht, einen Anteil von einem Zwölftel.

Achtung, aber Antrag erforderlich:

Der Zusatzurlaub muss auch bei Kenntnis des Arbeitgebers von der Schwerbehinderung bei diesem ausdrücklich für das laufende Jahr beantragt werden.

Folgendes Berechnungsbeispiel liegt bei:

Das Versorgungsamt stellt bei Ihnen das Vorliegen der Schwerbehinderung z.B. ab dem 15.6, fest.

Sie haben damit für dieses Jahr einen Zusatzanspruch von sechs Zwölftel (ein Halb) und damit bei einer 5-Tage-Woche Anspruch auf 2,5 Tage Zusatzurlaub.

Da Bruchteile von Urlaubstagen, die mindestens einen halben Tag betragen aufzurunden sind, haben Sie somit Anspruch auf 3 Tage Zusatzurlaub.

Zu dem Punkt, ob Gleichgestellte bzw. Schwerbehinderte unter GDB 50, also mit GDB 30; 40; mit vorhandener Gleichstellung einen Anspruch auf Zusatzurlaub haben, steht auf Seite 87, Absatz 3:

Gleichgestellte erhalten die meisten, aber nicht alle Vergünstigungen wie Schwerbehinderte.

So haben sie insbesondere keinen Anspruch auf Zusatzurlaub.

Sie fallen jedoch ebenso wie Schwerbehinderte unter den besonderen Kündigungsschutz.

Die wichtigsten Vergünstigungen für Schwerbehinderte sind?

Seite 24.

-Verstärkter arbeitsrechtlicher Kündigungsschutz!

-Zusatzurlaub von einer (Arbeits-) Woche!

-Befreiung von Mehrarbeit!

-besondere Hilfen bei der Erlangung oder Bewahrung eines Arbeitsplatzes durch Arbeitsagenturen und Integrationsämter!

-Besonderer Schutz behinderter Heimarbeiter!

Im Bereich der Krankenversicherung erfolgen Nachteilsausgleiche:

-Durch das Beitrittsrecht zur freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung und durch

-Die Befreiung von Zuzahlungen bei chronisch Kranken (ab GDB von 60)

Nach meinem Dafürhalten und auf Grund meiner Erfahrungen in meinem eigenen Fall, aber auch bei anderen Betroffenen, kann ich nur Jedem empfehlen, immer einen Rechtsbeistand hinzuzuziehen, wenn es um Leistungen aus dem Sozialversicherungssystem geht.

Eine gute Empfehlung ist hier grundsätzlich immer die Mitgliedschaft im VDK, weil dieser einen kompetenten Rechtsbeistand in allen Fragen der Sozialversicherung und das zu einem einem monatlichen Mitgliedsbeitrag von 5 Euro bietet.

Die Juristen des VDK begleiten Ihre Mitglieder bei Bedarf bis zu den Sozialgerichten.

Außerdem bietet der VDK eine unabhängige Patienberatung, welche in unserem sehr komplizierten Gesundheitswesen mit den chronisch leeren Kassen nicht hoch genug geschätzt werden kann.

Jeder einzelne Fall ist anders gelagert und schon oft konnte mit Hilfe eines guten Rechtsbeistandes, notfalls mit Klage vor dem Sozialgericht, ein höherer GDB gegenüber dem Versorgungsamt begründet und durchgesetzt werden.

Übrigens gehört das oben angeführte Buch in das Bücherregal eines Jeden Betroffenen, damit Rechte rechtzeitig erkannt und durchgesetzt werden können.

In diesem Sinne beste Grüße, Besserung und bestmögliche Gesundheit

Konrad

Kommentar von yorkifan,

Vielen Dank für die sehr ausführliche Antwort. Ich werde mir ganz bestimmt das Buch kaufen. Alles Gute auch für dich!

Antwort von vesparoller,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Ich denke mal, nur anteilsmäßig. Mit diesem Thema habe ich mich ebenfalls schon mal beschäftigt, weil ich ebenfalls GdE habe (allerdings keine 50 %)

Kommentar von Anton96,

Nur der GdB (Grad der Behinderung) ist ausschlaggebend ab 50 gibt es eine Arbeitswoche Sonderurlaub

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