Frage von Koboldmaki,

Zusammenziehen bei ALG2 und Arbeit

Mein Freund (ALG2) und ich (1200 Euro brutto, 900 netto) wollen in eine Eigentumswohnung ziehen, die meinen Eltern gehört. Wir gelten somit als Bedarfsgemeinschaft. Ich vermute, dass ihm das ALG2 gestrichen werden würde wg. meinem Einkommen. Ist das so? Wäre für Hilfe sehr dankbar.

Hilfreichste Antwort von VirtualSelf,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Wir gelten somit als Bedarfsgemeinschaft

Diese Annahme ist nicht notwendigerweise korrekt.
Im ersten Jahr des Zusammenlebens darf das Jobcenter nur in Ausnahmefällen eine BG unterstellen, solange ihr nicht mit einem gemeinsamen Kind zusammen lebt. Ein Ausnahmefall wäre, wenn ihr über das Einkommen und Vermögen des jeweils anderen verfügen könnt.
Haltet ihr das Finanzielle also chön getrennt und habt keine gegenseitigen Kontovollmachten oder z.B. Begünstigungen in Versicherungen, darf das JC selbst dann keine BG unterstellen, wenn ihr wie ein Ehepaar (gemeinsames Bett) zusammenlebt. Der Gesetzgeber und insbesondere die Rechtsprechung gibt euch ein Jahr Zeit, das Zusammenleben auszuprobieren und sagt daher, dass in dieser Zeit und in Anbetracht der Lebenswirklichkeit noch nicht davon ausgegangen werden darf, dass ihr bereit seid, in Notlagen füreinander einzustehen (Einstehens- und Verantwortungsgemeinschaft).

Keine BG bedeutet: er behält vollen Regelsatzanspruch + Kosten der Unterkunft; du musst nichts offen legen.

Aber selbst wenn ihr eine BG darstellen solltet, heißt das nicht, dass ihr zusammen keinen Leistungsanspruch haben werdet.
Von deinen 900 netto sind maximal 600 EUR anrechnungsfähiges Einkommen. Das deckt nicht einmal euren gemeinsamen Regelbedarf in Höhe von 656 EUR. Dazu kämen bei euch ja noch die Kosten der Unterkunft, denn die Eltern sind nicht verpflichtet, euch kostenlos wohnen zu lassen.

Kommentar von Koboldmaki,

Vielen Dank für diese ausführliche Antwort! Ich denke, mein Freund sollte mal seine Sachbearbeiterin fragen, um ganz sicher zu gehen. Ich hoffe, er kann da gefahrlos vorfühlen, ohne dass sie auf irgendwelche dumme Gedanken kommt...

Kommentar von VirtualSelf,

Er soll sie explizit fragen, ab wann nach SGB II-Recht und Rechtsprechung eine BG vorliegt, denn grundsätzlich werden 80 - 90% der Sachbearbeiter nur auf Grund des Zusammenzugs eine BG bejahen,auch wenn das nicht der Rechtsprechung und der Intention des Gesetzgebers entspricht, weil das bares Geld in erheblichen Ausmaß spart.

Antwort von Koboldmaki,

Vielen Dank für die schnellen Antworten, jetzt bin ich schon mal bissl schlauer!

Antwort von Socat5,

Nachdem ihr euch komplett ausgezogen und alles offengelegt und bescheinigt und was weiß ich noch alles habt, wird berechnet ob und wieviel ihm noch zusteht. Füllt den Antrag aus, macht einen ordentlichen Mietvertrag inkl. Neben- und Heizkostenaufstellung, pack deine Verdienstbescheinigung (und einiges mehr) dazu und seht mal was bei rauskommt. Für Zwei verdienst du jedenfalls nicht.

Kommentar von Koboldmaki,

Miete würden wir dank meinen lieben Eltern keine zahlen, aber das mit dem Antrag ist eine gute Idee.

Kommentar von Socat5,

Dann sieht die Sache gleich schon wieder ganz anders aus und es könnte sein, dass du tatsächlich komplett für ihn aufkommen musst.

Antwort von phlox1979,

Nicht gestrichen. Es würde nur zusammengerechnet werden. Aber da du ja auch nicht soooviel verdienst, glaube ich nicht, dass ihr da noch Abzüge habt. Es muss dann halt anders berechnet werden, wegen Wohngeld etc.

Schau mal hier:

http://www.sozialhilfe24.de/hartz-iv-4-alg-ii-2/alg2-ergebnis.html

Antwort von user1192,

Evtl. nicht alles, aber ein Teil bestimmt!

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