Frage von Ilovekakao, 83

Zusammentreffen von Kulturen? Profitieren oder Auslöser für Gewalt?

hallo liebe Leute, ich beschäftige mich momentan sehr viel mit dem Aufeinandertreffen von Kulturen durch die Globalisierung. Man hört mehr und mehr von Gewalt, ausgehend von Immigrierenden sowohl von Ansässigen. Ich würde mich sehr freuen eure Meinungen zu diesem Thema zu hören. Seit ihr bereit euer Leben an neue Kulturen anzupassen oder sollen sich die "neuen" anpassen? Ist die zunehmende Rechtsentwicklung in unserem Land Unbildung oder Angst.

Antwort
von voayager, 17

Alles viel zu abstrakt gefragt, denn es kommt doch immer wieder auf die ganz konkreten Fälle und Situationen an, ergo kann man da nicht pauschalisieren.

Antwort
von sarahj, 20
Nein, die "Neuen" müssen sich anpassen.

Was genau soll "anpassen" denn bedeuten?

Ich sehe keine Notwendigkeit, irgendwas oder mich anzupassen; wir haben hier einen Rechtstaat, mit gleichen Rechten für alle, mit diversen Freiheiten, auf die ich nicht verzichten will. Soll "anpassen" bedeuten, daß diese irgendwie eingeschränkt werden sollen? Wohl eher nicht.

Nüchtern betrachtet scheint mir das Hauptproblem die mangelnde Fähigkeit zu sein, Kritik zu ertragen. Kritik an Religion(en), dem Frauen- bzw. Familienbild, dem Ehrverständnis usw. Dabei wird eine Überempfindlichkeit gezeigt, die man bei anderen Gruppen so nicht akzeptieren würde. Ich erinnere an die Reaktionen auf den Charlie Hebdo Anschlag, bei dem einige wortwörtlich schrieben, man müsse sich nicht wundern, wenn Religion kritisiert würde, und von manchen sogar über Blasphemiegesetze nachgedacht wird. Was wäre losgewesen, wenn fundamentale Christen nach dem "Leben des Brian" die Monty Python Gruppe ermordet hätten? Hätten diejendigen dann auch nach Gesetzen zum Schutz vor Religionskritik gerufen?

Es kann nicht angehen, daß hier mit zweierlei Maß gemessen wird: gleiches Recht für alle. Es kann nicht sein, daß Frauen und Mädchen in Familien mit überkommenen Vorstellungen weniger Rechte hätten. Es darf keine Rechtssprechung außerhalb des staatlichen geben.

Also nochmal die Frage: wie sollte "anpassen" von meiner Seite her aussehen?

Kommentar von Ilovekakao ,

Liebe sarahj,

Mit "Anpassen" meine ich einen Schritt über Toleranz zu gehen. Tolerierien beudeutet einzig allein zu aktzeptieren, dass Menschen aus anderen Ländern und anderen Kulturen nach Deutschland kommen. Aber beim Anpassen übernimmst  Gewohnheiten, wie beispielsweise mit deinem Essen und deinem Verhalten . Also, dass durch das Zusammentreffen von unterschiedlichen Kulturen ein neues gemeinschaftliches Fundament geschaffen wird mit abzweigungen wie zum Beispiel Religion. Dabei spreche ich nicht von Verletzungen der Grundrechte.

Kommentar von sarahj ,

Aber sind wir doch mal ehrlich: niemand hat ein Problem mit fremdem Essen, fremder Musik, fremdem Aussehen (außer vielleicht ein paar rassistische NPD-Deppen). Es geht nicht darum, ob ich beim "Ausländer" Gemüse kaufe, oder ob es in unserer Stadt neben Chinese, italiener, Grieche auch noch einen Türken oder Nordafrikaner mit seinem Restaurant, Imbis oder Gemüseladen gibt.

Im Gegenteil: daran hat nun wirklich niemand was auszusetzen.

Darum geht es in der Debatte auch nicht bzw. wer so tut als ginge es darum, der hat entweder nichts begriffen, oder verschleiert die wahren Probleme absichtlich.

Worum es wirklich geht:

insbesondere Muslime fordern für sich eine separate Rechtsprechung. Das fängt bei harmlosen Dingen wie dem Tierschutz an, der aus religiösen Gründen nicht für sie gelten soll (im Internet mal Videos zum Schächten ansehen - da wird einem übel), bei der Beschneidungsdebatte, wo plötzlich das Recht der Kinder nicht mehr gilt, die Forderung nach Blasphemiegesetzen, weil ein eingebildeter Gott beleidigt wird, bis hin zu weniger harmlosen Dingen, wie privaten Schiedsgerichten in denen der lokale Imam/Gemeindevorsteher Nachbar-, Ehe- und andere kleinere Streitigkeiten regeln soll.

Das klingt alles ach so liberal und praktisch, aber wer denkt an die (Familien-)Mitglieder, die sich nicht trauen, zu verlangen, daß die Angelegenheiten in einem ordentlichen Gericht geregelt werden (denn so mancher "Gemeindevorsteher" hat halt seinen Koran im Kopf...

Auch die Forderung nach Einschränkung der Pressefreiheit gehört dazu.
Ebenso die Befreiung von bestimmten Unterrichtsstunden oder Vorschulerziehung, usw.
Damit wird natürlich die Isolation weiter zementiert, und den Kindern die Chance genommen, sich zu integrieren. Wer glaubt es sei auch nur im Geringsten hilfreich, z.B. Unterricht in türkischer Sprache anzubieten, ist völlig auf dem Holzweg: damit werden die späteren Chancen der Kinder nicht besser, sondern schlechter. Damit müssen sie dann später innerhalb ihrer türkischen Gemeinde schauen wo sie unterkommen, und werden somit die Parallelgesellschaft weiter stützen. Denn kaum ein Betrieb kommt ohne Mitarbeiter mit halbwegs vernünftigen Sprachkenntnissen aus.

Wenn Fremde fordern, daß der Koran über dem Grundgesetz steht (und das tun laut Umfragen rund 40% aller Muslime hier in D - und über 90% in Afghanistan), dann sollte man darüber besorgt sein. Dann darf man dies auch äußern.

Wir sollten auch nicht ständig die Dinge vernebeln, indem man von Fremdenangst oder gar Fremdenfeindlichkeit spricht, anstatt ehrlich zu sein, und von Islam-Angst oder zur Not auch Islam-Feindlichkeit zu sprechen. Wobei ich letzteres nicht sehe - es ist mehr die Angst, die Minderheit der Fundamentalisten (die vielleicht 5-10% ausmachen) könnte die Oberhand gewinnen. Es reicht übrigens eine Minderheit, um die Mehrheit zu unterdrücken: auch im 3.Reich gab es nur eine Minderheit von ca 10% die tatsächlich aktiv waren... So gesehen ist das Gerede von "die Mehrheit der Muslime ist friedlich" ebenso ein Euphemismus. Man braucht nicht zu warten, bis die Mehrheit radikal wird oder hinterher läuft.

Den Deutschen generell Fremdenfeindlichkeit vorzuwerfen ist ebenfalls Vernebelung: wo außer im dunklen Osten werden Asiaten - die ja schon äußerlich erkennbarer sind - besonders unterdrückt oder angefeindet? Wo haben Asiaten die schlechtere Ausbildung? Nirgens. Statistisch nachgewiesen ist, daß Asiaten im Schnitt öfter Abi und dabei auch noch bessere Noten haben. Es gibt keine pauschale Ausländerfeindlichkeit. Woran es liegt, daß besonders Muslime sowohl in Bildung als auch Beruf mehr Probleme haben, will ich hier nicht erörtern. Aber an der Gesellschaft und dem Bildungsangebot liegt es sicher nicht (mit nochmaligem Hinweis auf Asiaten).

Was es gibt ist eine neue Ideologiefeindlichkeit gegenüber dem Islam.
Und das sollte man auch so aussprechen können. Neu, weil es schon seit 60Jahren Türken in D gibt, und es damit bis vor ca. 15 Jahren kaum Probleme gab. Die steigende Ideologiefeindlichkeit oder eigentlich besser Angst vor der Ideologie ist durchaus berechtigt.

Der Islam ist eine Ideologie und mehr als eine harmlose Religion, denn er fordert klar und deutlich, nicht lediglich Privatangelegenheit zu sein, sondern auch und gerade das Leben, auch öffentliches, sowie Gesetzgebung zu bestimmen. Damit hat er zum Ziel, das gesamte gesellschaftliche Leben zu bestimmen. Und das steht auch so im Koran.

Für mich gibt es da nichts, was anpassungswürdig wäre. Im Gegenteil.

Antwort
von MrKnowIt4ll, 67
Ja, ich bin berteit mich neuen Kulturen anzupassen.

Ganz klar, wenn ich irgendwohin gehe und dort aufgenommen werde...Dann passe ich mich an. Das heißt nicht, dass ich sämtliche Bräuche/Einstellungen etc. ablegen muss, aber ich kann nicht erwarten, dass für mich andere Regeln gelten, als für jeden sonst. Wenn es gesellschaftliche Schranken gibt, die früher für mich anders waren, dann passe ich mich an. Ich bin ganz klar für Multi-Kulti und Menschen von überall, aber Integration bedeutet, dass man gemeinschatlich zusammenlebt - aber so, wie das im gegebenen Land üblich ist.

Kommentar von sarahj ,

hätte Deine Antwort nicht "Nein - die Neuen müssen sich anpassen" lauten müssen?

Antwort
von Lennister, 20
Ja, ich bin berteit mich neuen Kulturen anzupassen.

Was gerne vergessen wird: Integration ist eine Bringschuld auf beiden Seiten. Ja, Zuwanderer hier müssen sich integrieren- sie müssen den Grundkonsens an Werten, den unsere Gesellschaft hat(Demokratie, Menschenrechte, Menschenwürde, Toleranz) akzeptieren und ausreichend unsere Sprache lernen, um sich hier verständigen zu können.

Aber auch wir müssen uns integrieren: Wir müssen bereit sein, unsere Grundwerte, inbesondere Toleranz und Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, auch auf die Zuwanderer anzuwenden.

Sprich: Sie wie sie unsere Grundwerte zu akzeptieren und danach zu leben haben, müssen wir z.B. auch akzeptieren, wenn eine Muslima Kopftuch tragen will- das ist ihr freie Persönlichkeitsentfaltung. Wir müssen genauso tolerieren, wenn sie sich z.B. untereinander in ihrer Sprache unterhalten.

Wir müssen bei den Zuwanderern einfach alles tolerieren, was von ihren Grundrechten gedeckt ist. Dazu gehören auch Dinge, die viele nicht tolerieren wollen, wie etwa das Tragen eines Kopftuchs. Insofern müssen auch wir uns hier anpassen, weil durch Menschen aus anderen Kulturen die Menge dessen, was wir tolerieren müssen, nochmal zunimmt. 

Antwort
von Suboptimierer, 22
Kultureller Austausch ja, ich möchte mich aber nicht anpassen.

Minderheiten haben sich immer Mehrheiten anzupassen. Das ist auch mit am wenigsten Aufwand verbunden.

Grenzen gibt es. Zum Beispiel kann man von niemandem erwarten, im Zuge einer Anpassung auf Menschenrechte mit Füßen zu treten.

Dass sich Minderheiten der Mehrheit anzupassen haben, ist eine Faustformel. Im Detail muss dass dann genauer unter die Lupe genommen werden, auch, ob eine Anpassung zwingend erforderlich ist.

Wem hilft welche Maßnahme, sich zu entfalten muss dem Nachteil gegenübergestellt werden, den andere dadurch haben.

Da nicht alle Parameter messbar sind und selbst wenn unterschiedlich gewichtet werden können, bleibt es letztendlich doch zumeist eine Gefühlssache.

Fragen wie "Wo herrscht welcher Überfluss?", "Bleibt die Gerechtigkeit auf der Strecke?" und "Was sind die Konsequenzen?" spielen eine große Rolle.

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Kulturen profitieren voneinander, aber erst, wenn man auch einen große Schnittmenge in Ansichten und Lebensweisen hat, d. h. wenn eine erfolgreiche Integration stattgefunden hat.

Antwort
von skyberlin, 32
Ja, aber nur wenn beide Seiten bereit sind Kompromisse einzugehen.

zitat: "die wahrheit ist das kein moslem friedlich ist"

das ist überheblich, arrogant und undifferenziert, und deshalb völlig inakzeptabel

was ist denn hier los, sind wir menschen oder tiere?

Antwort
von djNightgroove, 9

Weder noch, ein gesunder Humanismus solte die Grundlage für das Zusammenleben sein, so dass die Menschen gegeneinander tolerant sind.

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