Frage von Johannes891960, 98

Zusammentreffen error in persona und aberratio ictus?

Grüß Gott,

mich beschäftigt das strafrechtliche Problem, bei dem das Fehlgehen der Tat (die aberratio ictus ) mit dem error in persona zusammentrifft.

A will Kontrahent B töten, visiert mit seiner Waffe aber irrtümlicherweise den C an. Verfehlt aber mit seinem Schuss zudem besagt anvisierten C und tötet dadurch den daneben stehenden X.

Laut Lehrbuch ist der erst genannte error in persona für den Vorsatz unbeachtlich, für den Fall, dass A das falsch anvisierte Opfer, namentlich C, auch trifft ... Im konrekten Fall trifft er aber eben durch das Fehlgehen der Tat besagten C eben nicht, sondern einen unbeteiligten Dritten X.

Ich käme zum Schluss: versuchte Tötung/Mord gegenüber B und C und fahrlässiger Totschlag gegenüber X

Vielen dank im voraus

Antwort
von Hasenmann81, 76

So paradox es klingen mag, die Lösung ist genau jene, die Du vorgeschlagen hast.

Das kann man ja leicht aufdröseln, wenn man es als zwei Handlungskomplexe ansieht.

Nimmt man den anvisierten Schuss auf C, so stellt sich dieser als unbeachtlicher error in perona dar. Bei Erfolgseintritt wäre hier Vorsatz gegeben. Da der Erfolg ausbleibt, liegt hier ein Versuch vor.

Hinsichtlich X liegt eine aberratio ictus vor. Bei der aberratio ictus ist der Erfolg dem Täter nicht zurechenbar. Also kann hier nur Fahrlässigkeit in Betracht kommen. 

Dasselbe Ergebnis hättest Du sogar auch, wenn A nicht X sondern sogar den B trifft. Wenn B und C nebeneinander stehen, A jedoch C anvisiert, weil sich C und B sehr ähnlich sehen, der Schuss dann aber fehl geht und B trifft, ändert das nichts an dem vorher gesagten: Versuchter Mord bzgl. C und Fahrlässigkeit bzgl. B. Es kann hier keine Rolle spielen, dass er seinen "Kontrahenten" letztlich doch trifft.

Kommentar von Johannes891960 ,

Ich hätte das ganze in einem Handlungskomplex unter "Strafbarkeit des A zu Lasten des X gem. § 212 I StGB"  geprüft.

Komme dann zuerst im Rahmen des subjektiven Tatbestand zu einem unbeachtlichem  Motivirrtum gegenüber C.

Und über den Doppelirrtum (welcher nach herrschender Lehre über die aberratio ictus gelöst wird) bei tabtestandlicher Gleichwertigkeit zu einer fahrlässigen Tötung zu Lasten des X und zu einer versuchten Tötung gegenüber C.


Die versuchte Tötung zu Lasten des B verneine ich im Rahmen des Tatentschluss damit, dass A's Tötungsvorsatz schon hinsichtlich C verbraucht wurde ??

Kommentar von Hasenmann81 ,

klingt plausibel :)

Kommentar von Hasenmann81 ,

Man muss beim error in persona bzw. error in objecto vel persona beachten, dass dies entwickelt wurde, um "Strafbarkeitslücken" zu schließen. Vornehmlich geht es ja darum, dass sich der Täter nicht mit der Aussage herausreden können soll, er habe doch den B und nicht den C erschießen wollen. Denn hier wird gesagt, dass es nicht darum geht, eine nach bestimmten Merkmalen etc. ausgewählte Person zu erschießen, sondern - so plakativ das klingt - grundlegend einen Menschen zu erschießen.

Das wird auch bei einem Autobomben-Fall sehr deutlich: A will B umbringen. Er installiert in dessen Auto eine Bombe, die bei Betätigen des Türgriffs ausgelöst wird. Dieb D will das Auto des B stehlen und stirbt aufgrund der Explosion. Hier kann sich A nicht darauf berufen, dass er nur B töten wollte. Vielmehr war sein Vorsatz von der Gewissheit gedeckt, dass der Erste, der den Türgriff betätigt, getötet wird. Somit liegt ein vollkommen unbeachtlicher error in persona und ein vorsätzliches Tötungsdelikt vor.

Bei der aberratio ictus muss man immer etwas genauer schauen, was der Fall hergibt. Denn eine aberratio ictus ist ja eine Abweichung vom vorgestellten Kausalverlauf. Allerdings muss diese Abweichung auch wesentlich sein. Wenn ein Täter jemanden erschießen will, der sich in einer Menschenmenge befindet, so kann man eine aberratio ictus auch gut ablehnen, bzw. diese als unbeachtlich ansehen, da der Täter durchaus damit rechnen muss, dass sein Schuss einen Anderen trifft. Steht im Sachverhalt, dass der Schuss irgendwie abgelenkt wurde, so kann man eine aberratio ictus bejahen. Liegt der Grund für das Fehlgehen der Tat lediglich in der Unfähigkeit des Täters, so wird es mit einer aberratio ictus schon sehr schwer.

Man könnte den Fall mit der Autobombe auch auf den Anlasser des Fahrzeuges umdeuten. Es würde hier keine Rolle spielen, dass der D das Auto rechtswidrig anlassen wollte. Es geht ja nicht darum, das Fahrzeug nur mit dem richtigen Fahrzeugschlüssel anzulassen. Sondern es geht darum, dass der Erste, der den Anlasser betätigt, eine Explosion herbeiführen wird. Eine aberratio ictus wäre hier fehl am Platz. Der Kausalverlauf geht zwar bezüglich des Diebes fehl, aber nicht so wesentlich, dass der Vorsatz des A nicht davon gedeckt sein würde. Denn man sagt nicht, der Erste der mit dem richtigen Schlüssel den Anlasser betätigt führt eine Explosion herbei, sondern der Erste der den Anlasser betätigt führt die Explosion herbei.

Die Strafrechtsirrtümer sind eine tolle Materie.

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