Mein Bruder hat ein Arbeitsangebot bekommen als Postzusteller in Teilzeit. Er müßte 5 Tage die Woche arbeiten und an einem Tag 70 km fahren (hin und rückweg). Verdienen würde er 730 brutto. Er meint das würde sich nicht lohnen, ich bin da aber ganz anderer meinung! Wie seht ihr das?

730 Euro Brutto, das bedeudet ca. 600 Euro netto und dazu bei einer 5-Tage Arbeitswoche 350 km, was wiederum ca. 160 Euro Benzinkosten im Monat ausmacht..
bleiben also 460 Euro zum Leben..was besser ist als 345 Euro, allerdings ohne einen gewissen Zuschuss für Miete vom Amt geht da nicht viel..weil der Verschleiß des Fahrzeuges hier nicht eingerechnet ist..
Das ist ja ohnehin zu wenig zum Leben. Aber besser Teilzeit wie gar nix! Den Rest wird wohl das Amt draufzahlen.

Meine Frau fährt täglich 150 km hin und zurück. Diese Entfernung ist heutzutage zumutbar. Wenn er die Arbeit abschlägt kann er weniger Arbeitslosengeld bekommen.
boriswulff am 12. März 2008 11:37 Ich hoffe mal das Deine Frau etwas mehr als 730 Euro dafür bekommt.

Wenn sein Verdienst einen bestimmten Betrag nicht übersteigt, zahlt er nur minimale Steuern. Die Fahrt mit ihren Kosten kann er steuerlich absetzen. Des weiteren liest es sich in einem Lebenslauf sicher besser, wenn man gearbeitet hat. Er kann die Arbeit annehmen und dann aus dieser gesicherten Position eines Arbeitenden weiter suchen.
Wie er das sieht ist die eine Sache, wie es das Arbeitsamt sieht eine ganz andere. Verlust / Kürzung von ALG könnte die Folge sein, wenn das aber nicht der Fragehintergrund ist: Ich würde auch nicht fahren: 70km x 5Tage x 4 Wochen = 1400km, =rd. 140 l * 1,40 EUR entspricht rund 200 EUR Spritkosten + (bzw. -) gesetzliche Abzüge, KK, ... => Nullsummenspiel (ist aber immer noch besser als sinnlos zu Hause rum zu sitzen!!!)

Rechne mal 730 Euro durch 20 Arbeitstage. Das sind pro Tag 36,50 Euro.
Bezingeld wären für 70 km schon um die 10 Euro je nach verbrauch.
Dazu kommt dann noch die Abnutzung des Autos etc. Da bleibt unterm Strich nichts mehr übrig.
kiralee am 12. März 2008 12:03 Deshalb geht er dann am besten erst gar nicht arbeiten? Was ist das denn für eine Milchmädchenrechnung?
boriswulff am 12. März 2008 12:27 Er soll ja ruhig arbeiten gehen. Aber es ist vokswirtschaftlicher Unsinn wenn dabei Mehr Fahrtkosten anfallen als man selber dadurch verdient. Man müßte wenigstens eine Bahncarte dagegen rechnen. Denn wenn man mal kein Auto hat muss man ja auch irgendwie zur Arbeit kommen.
@kiralee: Im Prinzip hat er aber Recht. Persönlich würde ich so eine Arbeit auch nicht annehmen. Besser wäre es sich weiterzubilden und einen Job zu bekommen wo man ohne Zuschuß vom Staat überleben kann.
kiralee am 12. März 2008 14:02 Klar - Bildung ist immer das Bessere. Aber wir wissen nicht, wie es derzeit um ihn bestellt ist - weißt du, wie viele Stellen er schon abglehnt hat? Und eine einfache Strecke von 30-35 km als unzumutbar hinzustellen, kann als Grund vom Arbeitsamt nicht akzeptiert werden
Für € 730 brutto würde ich auch nicht arbeiten gehen. Da bleiben ja nicht mal € 600,00 übrig. Bekommt er denn wenigsten Fahrtgeld? Außerdem ist er ja dann täglich ca. 2 Stunden unterwegs, nur um zur Arbeit zu kommen.
soweit ich weiß würde er eine pauschale kriegen aber genau weiß ich das auch nicht...
kiralee am 12. März 2008 12:01 Wie lange fährst du denn für 35 km?
von ihm aus wären das so 30- 40 min. denk ich mal

Dir stehen Zuschüsse zum Lebensunterhalt zu, wenn dein Gehalt unter den Mindestsatz rutscht. Dazu gehört auch das Fahrgeld das als Werbungskosten ertragsmindernd ist.
Besser einen Job, der etwas weiter entfernt ist als gar keine Chance. Es kann dann ja nur aufwärts gehen.

Ja ja...die strecken....Das mit dem abschlagen stimmt....Kann sein das es weniger Arbeitslosengeld gibt. Aber zb. wenn man befristet ist und im Arbeitsamt einen Antrag auf Fahrtkostenbeihilfe beantragt...bekommt man meist das erste halbe Jahr Fahrtkostenbeihilfe. Also den vollen Preis für den Benzin den man verfährt..So gehts mir nämlich.....
Zum leben zu wenig, zum sterben zuviel. Ich denke er kann ergänzendes Hartz IV dazu beantragen. Wenn er die Arbeit ausschlägt, kann es zu einer Kürzung der Hilfe kommen.
Bei 70 km pro Tag würde er im Monat ca. 1500 km fahren.
Ausbezahlt von den 730 Euro werden vielleicht so um die 550 (kann man irgendwo nachrechnen).
Es bleibt also auch nach Abzug der Fahrtkosten noch was übrig.
Ob sich das lohnt? - Was bedeutet "lohnt sich"?
Wenn er schon länger arbeitslos ist und ihm dieser Job einen Einstieg in das Berufsleben bietet - kann sein.
Wenn er stattdessen ein Angebot für 600 Euro Brutto gleich nebenan bekommen könnte - eher nein.
Was übrig bleibt kann man hier errechnen. http://www.lohn1.de/
Das wird knapp mit dem Gehalt da bleibt nicht viel über.