Frage von ParallelHearts, 144

Zum Zahnarzt trotz fehlender Versicherungskarte?

Hallo ihr Lieben! Ich weiß bald nicht mehr weiter. Mein Freund hat seit Tagen Zahnschmerzen, die kaum auszuhalten sind. Er muss dringend zum Arzt. Das gestaltet sich aber nicht so leicht. Er hat seine Versichertenkarte verloren. An sich kein Problem, da es ja Bescheinigungen von der KK gibt. Er wohnt aber gar nicht hier, sondern besucht mich nur. Nun zu meiner eigentlichen Frage... kann ich ihn hier zum Arzt schicken, auch ohne Karte? Immerhin ist er ja ein Schmerzpatient. Versichert ist er auch auf jeden Fall. Nur hat er Schulden bei der KK, ist aber zahlungsunfähig etc. Können sie ihm deswegen die notwendige Bescheinigung verweigern? Sonst würden wir einfach bei seinem IKK-Büro daheim anrufen und darum bitten, dass sie der Praxis eine Bescheinigung faxen, mailen oder was ihnen sonst noch einfällt. Für Rat wäre ich euch sehr dankbar, denn ich kann es nicht mehr sehen, wie er sich quält, besonders nachts. Grüße!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Apolon, 70

Das einfachste wäre, die IKK um eine Bestätigung bitten, die diese dann an die Arztpraxis zu senden.

Expertenantwort
von DerHans, Community-Experte für Versicherung, 83

Wieso musst du ihn zum Arzt schicken? ist das ein kleines Kind?

Wenn er keine Versichertenkarte dabei hat, muss er eben u.U. für diese Notfallbehandlung die Kosten vorstrecken,

Wo soll da ein Problem sein?

Kommentar von ParallelHearts ,

Das Problem liegt da, dass einfach kein Geld da ist. Der Zahn ist schwer abgebrochen, muss also demnach sicherlich gezogen werden. Das kostet keine 50€. Meine Reserven sind für eine Tierarztbehandlung draufgegangen, und unser beider Geld kommt erst Mitte des Monats. Woher also soll ich den Betrag nehmen?

Und nein, er ist kein kleines Kind. Er hat aber panische Angst vor dem Zahnarzt. Also muss ich ihn quasi hinschicken, ja.

Kommentar von nonamestar ,

Mir sind mehrere Menschen im betrieblichen Umfeld bekannt, die abgebrochene "Zahnleichen" mit sich herum tragen.

Diese rühren in der Regel aus Zeiten, in denen diese Patienten durch besondere Umstände nicht versichert waren.

Kommentar von nonamestar ,

Das Problem liegt da, dass einfach kein Geld da ist.

Mir sind mehrere Menschen im betrieblichen Umfeld bekannt, die abgebrochene "Zahnleichen" mit sich herum tragen.

Nach einiger Zeit verursachen die nach übereinstimmenden Rückmeldungen keine Schmerzen mehr und bleiben als "hohle Zähne" ohne inneres Leben im Kiefer.

Diese Rückstände / Nichtversicherungsveranlagungen
rühren in der Regel aus Zeiten, in denen diese Patienten durch besondere Umstände nicht versichert waren.

Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang, dass oft gerade in so prekären Situationen Geld für Tierhaltung, moderne Flachbildschirme, Zigaretten und Alkohol vorhanden ist.

Ohne Zahlung eines "Härtefallbeitrags" an die Krankenversicherung gibt es auch keine Pflicht der KK, diese Versorgung zu übernehmen.

Das ist nach wie vor der Fall.

Hier wäre zu überlegen, ob nicht die Abschaffung der Tiere, Abschaffung von Handys und Daddelkisten, Kündigung von Telefonverträgen ausreichend Geld für eine Behandlung / Beitragszahlung frei werden lässt.

Ebenso bringt eine Arbeitsaufnahme (Zeitarbeit) eine sofortige Erneuerung des gesetzlichen Versicherungsschutzes mit sich.

Mein RAT:

Prioritäten setzen. Internet, Flachbildschirme, Daddelkisten, Handys, Telefon, Spiele sind unnötige, sekundäre Ausgaben.

Meine Frau arbeitet in einer Bahnhofsmission als Ärztin, es gibt Patienten, denen der Eiter aus den Schuhen läuft weil sie eben nicht den Notfallmindestbeitrag aufbringen sondern versaufen.

Das ist REALITÄT in Deutschland.

Kommentar von DerHans ,

Wenn er WIRKLICH Schmerzen hat, wird er schon hin gehen. Wenn nicht, ist er selbst Schuld.

Antwort
von Ekztelaj, 70

Kasse anrufen und fragen ob die diese Behandlung zahlen wenn du die Rechnung einschicken wirst. Der arzt behandel ihn dann erstmal auf seine Rechnung. Dh er zahlt dort bar und bekommt die Rechnung für die Krankenkasse.

Antwort
von Samila, 77

dann ruf doch einfach mal bei der kk an ob es ok ist. der zahnarzt wird ihn so behandeln und wird sagen das er die karte oder eine bescheinigung bis ende märz bringen muss. tut er das nicht kommt eine rechnung. 

Kommentar von Apolon ,

 tut er das nicht kommt eine rechnung. 

Weshalb soll der Zahnarzt seinem Geld nachlaufen ?

Kommentar von Samila ,

so ist das nun mal, wenn keine karte kommt gibt es eine privatrechung

Antwort
von Repwf, 57

Ich würde JETZT mal dort anrufen! Und zwar fix bevor wegen Rosenmontag alles zu hat! 

Antwort
von ThommyHilfiger, 62

Er kann auch ohne seine Versichertenkarte, gerade als Schmerzpatient zum Arzt. Er muss dann ein Formular unterschreiben. Wenn die KK aus irgend einem Grund nicht zahlt, so wird er als Privatpatient abgerechnet. Versichertennummer mitnehmen!

Antwort
von nonamestar, 51

Nur hat er Schulden bei der KK, ist aber zahlungsunfähig etc. Können sie ihm deswegen die notwendige Bescheinigung verweigern?

Wenn er noch versichert ist, wird er diese Bescheinigung bekommen.

Ist er nicht mehr versichert weil offene Schulden bestehen, kann und MUSS die KK diese Bescheinigung verweigern und der Patient muss selbst für die Behandlung aufkommen.

Kommentar von kevin1905 ,

Den Status nicht versichert kennt das deutsche Recht nicht. Die Kasse hat keinerlei Kündigungsmöglichkeiten.

Bei Notfällen ist sie immer leistungspflichtig, auch bei Beitragsrückstand.

Kommentar von nonamestar ,

So einfach ist das nicht immer - auch der Arzt hat seine Interessen :

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ZITAT:

Allein wegen der fehlenden Versicherung darf
eine Behandlung vom Arzt allerdings nicht abgelehnt werden – vor allem
nicht, wenn der Patient eindeutig behandelt werden muss.

Umsonst muss der Arzt in diesem Fall aber nicht arbeiten: Kann der Patient innerhalb von zehn Tagen nach dem ersten Arztbesuch keine
Gesundheitskarte vorlegen bzw. den Versicherungsschutz auch anderweitig nicht nachweisen, darf der Arzt eine Vergütung fordern. Die richtet sich nach der Gebührenordnung für Mediziner – der Nichtversicherte wird also wie ein Privatpatient behandelt.

Hier
können somit horrende Kosten auf einen Nichtversicherten zukommen – schließlich muss er sämtliche Kosten aus der eigenen Tasche zahlen. Wäre der Patient dagegen versichert und die Behandlung eine Kassenleistung, hätte seine Krankenkasse die Kosten für ihn übernommen.

ZITAT ENDE

Gastautorin Sandra Voigt ist Assessorin und Redakteurin bei anwalt.de.

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Bei anhaltendem Beitragsrückstand ist die Kasse NICHT verpflichtet, Notfallkosten zu übernehmen, hierzu muss der Patient vorher aktiv geworden sein und eine Neuanmeldung beantragt haben. Der Tarif für Härtefälle beträgt in der Regel dann hierzu 100 Euro monatlich.

Wird dieser auch nicht gezahlt, ist der Patient in Regress zu nehmen auch wenn zunächst die Notfallbehandlung erstattet wurde.

Ohne Zahlung keine Versicherung.

Hart aber wahr.

Antwort
von NervusUlnaris, 81

Er müsste die Karte eigentlich nachzeigen können. Natürlich ist das wahrscheinlich von der Kulanz des Arztes abhängig. Ruf doch vorher mal an und frag nach! Viel Glück!

Antwort
von User1998, 47

Der normale Zahnarzt muss ihn nicht behandeln, wenn er keine Karte vorlegen kann. Ein Notfallpatient ist er nicht. Notfallpatienten sind Menschen, die z. B. bei einem Verkehrsunfall verletzt wurde, mit dem RTW ins KH gebracht werden und durch diese Umstände keine Papiere bei sich tragen.

Kommentar von kevin1905 ,

Er hat Schmerzen, also muss er behandelt werden.

Für deine Aussage hast du sicher eine Rechtsquelle.

Kommentar von User1998 ,

Vom Grundsatz her normieren die gesetzlichen Bestimmungen, dass der Zahnarzt mit seiner Kassenzulassung gleichzeitig die Verpflichtung übernimmt, sozialversicherte bzw. gesetzlich krankenversicherte Patienten nach dem Sachleistungsprinzip zu behandeln oder weiterzubehandeln. Trotz dieser Pflicht sind Ausnahmen denkbar, soweit besondere Gründe für eine Behandlungsablehnung oder einen -abbruch vorliegen. Dies gilt z.B. dann, wenn die Kapazitäten des Zahnarztes erschöpft sind bzw. er zeitlich überlastet ist. Wenn sich eine größere Zahl von Patienten behandeln lassen will, als dem Zahnarzt möglich ist, kann er Patienten zurückweisen, da eine ordentliche Behandlung nicht mehr gewährleistet wäre. 

quelle: kzv Berlin

Und ich kann dir versichern, dass es genug Ärzte gibt, die Leute ohne Versichertenkarte abweisen, um sich die Scherereien zu ersparen, in dem sie behaupten, dass ihre Kapazität erschöpft sei.

Gesetz und Wirklichkeit klaffen oft auseinander.

Antwort
von hanoj1, 47

Ja lass das faxen die Bescheinigung und schick ihn hin

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