Frage von KleineTochter, 98

Zukunftsängste. Wie gehe ich damit um?

Einen schönen guten Abend.

Ich bin nun in der Phase, wo ich nur noch das letzte Jahr meines Abis vor mir habe. Soweit ich mich erinnern kann (und den Zeugnissen und Erfahrungen nach...) war ich nie wirklich "gut" in der Schule. Das heißt, dass ich viel Druck habe. Einerseits durch die Schule natürlich und meinen Eltern, aber der größte Druck, der ensteht, den mache ich mir selber. 

Ich habe sehr hohe Erwartungen an mich, die ich nicht erfüllen kann und daraus folgt logischerweise eine Art depressive Phase, die oft mal so lala erfolgt und sich doch manchmal unter Kontrolle hält. Manchmal (und in letzter Zeit immer häufiger) ist es dermaßen schlimm, dass ich in Tränen ausbreche, von Zeit zu Zeit aggressiv reagiere und ich deshalb als "asozial" von meine Eltern abgestempelt werde. Nebenbei habe ich minimale Selbstmordgedanken, wo ich eher Schiss habe als ernst darüber bin.

Ich kann nur vermuten, dass die hohen Erwartungen durch meine Erziehung entstanden, weil mein Vater in manchen Sachen sehr streng war, da er wollte, dass sein Kind die beste Zukunft hat (da gehört eig Gesundheit und Finanzen und da fallen nunmal die Noten drunter). Er will das Beste für mich, sprich "dass alle Türen offen sind". 

Find ich gut, aber falsch angegangen, in dem ich öfters mal als dumm bezeichnet wurde (auf verschiedenen Art und Weisen) und das will kein Kind durchmachen, denke ich. Mache ich etwas falsch, werde ich damit aufgezogen und man findet, dass das eine sehr effektive Methode ist, sein Kind so aufzuziehen. Und mein Vater ist viel unschuldiger, als meine Mutter.

Ich habe wenig Erfolg in meinem Leben genossen und fühle mich unmotiviert irgendetwas produktives zu tun, da meine Arbeit nicht wertgeschätzt oder verstanden wird. Da scheint es dann doch, dass der Fehler bei mir liegen muss - dem Vermittler. Das mag zwar stimmen, aber eine depressive Haltung macht das Vermitteln nun mal nicht einfacher.

So, da dachte ich mir, dass es bestimmt etwas gibt, dass ich selber unternehmen kann. Da kamen mir folgende Sachen in den Sinn:Abwechslung (fast nicht möglich aus vielen verschiedenen, zusammenhängenden, aber unvermeidlichen Gründen), Meditieren (Ruhe finde ich nicht in einem lauten Haushalt), Struktur (etliche Versuche gescheitert), sich mit Sachen beschäftigen, die ich besonders mag: Musik, Zeichnen, Video Spiele.

Das Thema "sich mit Sachen beschäftigen, die ich besonders mag" ist aber auch wieder schwer, weil ich mir immer denke "Du verschwendest deine Zeit. Du könntest was produktiveres machen, stattdessen musst du dich psychisch selber verarzten."Ich hasse es in so einer Situation festzusitzen und keinen Ausweg mehr zu erkennen. 

Mein Kopf brummt 24/7 und die Sorgen werden immer mehr je länger ich über die wichtigen Sachen hinwegdenke. Hilfe will ich leider nicht annehmen, weil ich zu sturr und stolz bin und ich würde mich selber hassen. Ich muss irgendwie einsehen, dass es auch ruhiger geht, aber egal was ich auch versuche, es geht nicht mehr durch eigene Hand.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von einfachichseinn, 28

Ich würde meine Grenzen versuchen neu zu definieren.

Was heißt denn, dass dir alle Türen offen stehen?

Mit einem guten Abitur hast du gute Möglichkeiten an einer Universität aufgenommen zu werden oder eine Ausbildung zu machen.
Das ist natürlich gut und schön, allerdings interessiert sich niemand mehr für dein Abitur, sobald du an der Universität bist.

Wenn du ein schlechteres Abitur hast, kannst du ein FSJ oder ähnliches machen. Das ist ganz bestimmt nichts schlechtes. Ganz im Gegenteil. Damit hast du dann auch gleich zwei Wartesemester und somit höhere Chancen an der Uni genommen zu werden...

Und wie gesagt, sobald du an der Uni bist, wird kein Hahn mehr nach deinem Abitur krähen.

Vielleicht kannst du dir so selbst ein bisschen den Druck nehmen.

Und denke auch mal weiter, welche Türen dir irgendwann noch offen stehen, wenn du dich selbst kaputt machst.

Wenn du irgendwann so fertig bist und nur noch aggressiv reagierst.

Zu guter Letzt würde ich dir wirklich raten, dass du dir Hilfe holst, bevor du irgendwann noch tiefer in der Klemme steckst.

Würdest du die selben negativen Gedanken haben, wenn sich herausstellen würde, dass du einen Tumor hast, würdest du dann auch Hilfe kategorisch ablehnen?

Kommentar von KleineTochter ,

Ah, genau sowas hatte ich gebraucht. Dankeschön.

Zu dem Tumor: Ich glaube nicht-- gut gekontert!

Antwort
von Dxmklvw, 14

Zukunftsängste habe ich bei mir abgeschafft, indem ich sage, daß es nur Gegenwartsängste geben kann, die daraus entstehen, daß man in der Gegenwart noch nicht wissen kann, ob die Zukunft wirklich das bringt was man geplant hat.

Zukunft ist für mich das Ungewisse und Unbekannte, und Ungewisses und Unbekanntes kann man nicht wirklich planen und wie ein Legospiel zusammenbasteln.

Taucht bei mir irgendwo Besorgnis auf, dann ist das für mich die Signallampe dafür, daß ich mir entweder über etwas falsche Vorstellungen gemacht habe oder daß ich meine Kenntnisse für irgend etwas aufpeppen muß oder daß ich dummerweise etwas für mein Problem halte, das gar nicht mein Problem ist.

Kommentar von KleineTochter ,

Interessanter Weg, sowas zu umgehen. Werde ich mal versuchen, dankeschön!

Antwort
von CounterMonkey, 31

Deine Situation erinnert mich an mich selbst. Bei mir fing genau das auch kurz vor dem Abi an, aus ziemlich ähnlichen Gründen. Ich ging davon aus, dass ich mich da schon irgendwie durchboxe. Hab mich immer mehr zurückgezogen und konnte kaum noch am Alltag teilnehmen, was mein extrem strenger Vater mir dann als Faulheit ankreidete wodurch es mir noch schlechter ging, ein Teufelskreis. Da hatten sich schon tiefere Probleme manifestiert die mich auch danach weiter begleitet haben, im Job und im Alltag, und ich hab dann noch 7 Jahre gebraucht bis ich mich Menschen anvertraut habe, die mir dann geholfen haben professionelle Hilfe von Psychiatern und Therapeuten in Anspruch zu nehmen. Heute geht es mir viel viel besser und ich weiss, dass man nicht alleine ist und es völlig normal und mein gute Recht ist Hilfe in Anspruch zu nehmen. Viele Menschen sind sehr verständnisvoll, selbst die, von denen man es nie erwartet hätte.

Vor allem wenn Du nur annähernd schon in Richtung Suizid denkst rate ich Dir, Dich jemandem anzuvertrauen. Entweder einem Elternteil, oder wenn Du diesen nicht vertraust einem Familienangehörigen oder einem Freund, der Dich dann unterstützen kann einen Facharzt aufzusuchen, und Dir in einem Gespräch mit Deinen Eltern zur Seite steht.

Mach nicht den selben Fehler wie ich und schlepp das noch jahrelang mit Dir rum. Es wird von alleine nur phasenweise mal besser, aber es verschwindet nicht. Ich habe dadurch so viele Jahre Lebensqualität verloren die mir niemand wiedergeben kann, und das ärgert mich heute noch.

Kommentar von KleineTochter ,

Ja, vielleicht hast du recht, aber diesen Stolz und die Sturrheit versuche ich noch zu überwinden. Suizid sind eher so Gedanken, mit denen ich spiele. Ich scheiße mir dann eher in die Hose, als sie in die Tat umzusetzten, aber ich weiß was du meinst.

Danke für deine Antwort, das hat mir auch sehr geholfen!

Kommentar von CounterMonkey ,

Stell Dir einfach vor, wie Du Dich verhalten würdest, wenn ein Freund oder Geschwister zu Dir käme und Dir erzählte dass es ihnen genau so geht. Würdest Du nicht verständnisvoll sein und helfen wollen? Du würdest sie sicherlich nicht abwerten und denken "Oh Gott was für ein Schwächling und Weichei". Und genauso verständnisvoll und hilfsbereit sind andere Menschen auch zu Dir wenn Du Dich an sie wendest. Das ist in der Tat falscher Stolz, denn um Hilfe zu bitten ist keine Schwäche, es erfordert sogar viel Mut. Und jeder braucht mal Hilfe. Selbst die milliardenschweren abgebrühten Topmanager liegen einmal die Woche beim Psychiater auf der Couch ;)

Freut mich, dass ich Dir helfen konnte.

Antwort
von KleineTochter, 35

Ich bin da sicherlich nicht alleine und es gibt bestimmt auch Wege. Ich dachte an eine eigene Wohnung, aber so viel Geld werde ich zur Zeit auch nicht verdienen können. Was macht ihr so? Was sind eure Tricks? Wenn es hilft: Mein Persönlichkeitstyp entspricht dem des INTJ's.

Antwort
von TechnologKing68, 50

Eins habe ich in letzter Zeit gelernt: Es geht immer irgendwie weiter, keine Sorge. Es ist schwierig, die Angst zu bekämpfen, doch so wie ich das sehe, hast du deine Chance noch.

Antwort
von Faihoc, 34

Hol dir professionelle Hilfe, ein Psychiater, wenn du den nicht bezahlen möchtest, gibt es in fast jeder Stadt Anlaufhilfe für Problemfälle, glaub mir, drüber reden hilft sehr viel, ausserdem versuch Struktur in deinen alltag zu bringen, angemessen ins Bett, genug essen, rausgehen,etc

Antwort
von Anubis85, 9

Hi ich habe selbst mit anstörung und mittleren Depressionen zu kämpfen diagnostiziert mit arzbrief. War in meinen leben insgesamt ein Jahr auf der Psychiatrie stationär und habe da keine schlechten Erfahrungen habe auch viel selbst bezahlt für therapeuten usw. hab auch Erfahrung weil ich ja lange auf der psych war also im Spital akh wien und kenne alle krnakheitsbilder die zu zeit dirt waren also auch essstörung und schitzo aber mit denn letzen hab ich wenig Erfahrung. Naja auf jeden ich würde gerne weiter helfen ich habe eine seite dort findest du auch meine fb Seite angst-nein-danke.at melde dich bei mir wenn ich helfen kann wenn ich nich helfen kann verweiße ich gerne weiter bin aber auch nicht jeden tag on also... lg dominik

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