Frage von andrejT92, 59

Zugspitze über das Höllental ohne Vorerfahrung besteigen?

Hallo, ich und meine Freunde wollen die Zugspitze besteigen und haben uns überlegt dies über das Höllental zu machen. Die Strecke wird als mittelschwer bezeichnet. Zwar sind wir alle sportlich, jedoch haben nur die wenigsten von uns Erfahrung mit Klettern. Nun sind manche aus unseren Gruppe ein wenig irritiert, ob das auch ohne Vorerfahrung zu schaffen wäre.

Weil das einfache Wandern ist natürlich cool, doch laut Fotos sieht die Höllentalstrecke doch sehr anziehend.

Danke im Voraus für die Tipps bzw. eure Erfahrungen.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Much72, 30

Hallo Andrej!

Ich möchte Euch unbedingt davon abraten, wenn Ihr noch nicht über ausreichend Erfahrung verfügt!

Der Anstieg durch's Höllental ist der schwerste auf die Zugspitze und eine ernstzunehmende hochalpine kombinierte Tour.

Dort passieren leider jedes Jahr immer wieder schlimme Unfälle zum Teil mit tödlichem Ausgang, weil die Leute unerfahren sind, schlecht ausgerüstet und z.B bei Blankeis ohne Steigeisen am Gletscher unterwegs sind. Helm, Steigeisen und Klettersteigset sind ein Muss und zur Zeit empfiehlt es sich wegen der noch vorhandenen Schneebrücken, die die Gletscherspalten überdecken, mit Seil über den Höllentalferner zu gehen.

Im oberen Teil der Tour erwartet Euch dann eine längere Klettersteigstrecke, die für unerfahrene Begeher doch mit einigen kniffligen Stellen in meist Absturzgelände überrascht. Auch hier gibt es leider immer wieder tödliche Unfälle, weil die Leute nicht angeseilt sind (Klettersteigset), sich überschätzt haben oder in einen Wettersturz (Blitzschlag, Kälte) geraten.

Wie schon gesagt, es ist schon eine ernstzunehmende Tour, die leider viel zu oft unterschätzt wird! Als unerfahrene Alpinisten werdet Ihr keinen Spaß haben, selbst wenn Ihr irgendwie durchkommt!

Mein Tipp: Tastet Euch langsam mittels anderer Ziele an solche Touren heran. Es muss ja nicht immer gleich das höchste, vermeindlich spektakuläre sein. Eine Alternative zum "Training" wäre z.B. der Mittenwalder Höchenweg. Klingt erstmal unspektakulär, ist aber eine gewaltige Tour, die von sportlichen Leuten gut gepackt werden kann und man kraxelt immer am Gratverlauf über gleich mehrere Gipfel. Aber auch hier gilt es für unerfahrene Leute, Klettersteigset und Helm mitzunehmen. Hat aber deutlich weniger objektive Gefahren, als die Tour auf die Zugspitze.

Und falls es aus irgendwelchen Gründen doch unbedingt die Zugspitze sein soll, rate ich Euch, einen Bergführer zu engagieren (z.B. www.ludwig-karrasch.de - cooler Typ) Der kümmert sich dann um alle Sicherheitsrelevanten Themen wie Ausrüstung und Absicherung und sorgt dafür, dass Ihr mit größtmöglichem Kletterspaß durch die Tour kommt. Und wenn Ihr mehrere Leute seid, ist das auch gar nicht mal so teuer. 

Ich hoffe, Dir geholfen zu haben! Bitte nicht unvernünftig einfach drauf losziehen! Es passiert leider schon viel zuviel...

Viele Grüße, Michael (geprüfter Tiroler Bergwanderführer)

Antwort
von AnglerAut, 46

Bin die Strecke ein paar mal gegangen, schön ist sie allemal, aber ohne jemanden, der sich auskennt würde ich sie einer Gruppe von Anfängern nicht empfehlen.

Klettern muss man fast nicht, die Höhenmeter bekommt ihr sicherlich hin, aber es gibt ein paar ungute Stellen über 2500m, da würde es sich rächen, wenn man nicht komplett trittsicher ist oder die falsche Ausrüstung trägt.

Einmal, genau auf dieser Strecke durfte ich mit ansehen, wie jemand auf dem Gletscher den Halt verloren hat, diesen nach unten gerutscht ist und dann in eine Gletscherspalte stürzte. Er wurde tot geborgen. Sicherlich extrem unglücklich gelaufen, aber die Strecke ist nicht risikofrei.

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