Frage von CountDracula, 50

Zufluchtnahme im Zen - bei Google nichts gefunden?

Hallo,

gibt es im Zen auch die Zufluchtnahme? Wenn ja, wie sieht sie aus? Ich habe bei Google nichts gefunden...

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Enzylexikon, Community-Experte für Buddhismus & Religion, 20

Ich bin Zen-Buddhist der Soto-Tradition und helfe dir bei deiner Frage gerne weiter.

Ja, auch im Zen gibt es die Zeremonie der Zufluchtnahme. Da werden dann allerdings auch gleich die Bodhisattva-Gelübde abgelegt, so dass man zunächst unter einem Lehrer lernen und sein Rakusu nähen muss.

Deshalb wird die Zeremonie auch "Jukai" (受戒) genannt - man empfängt (ju) die Gelübde (kai) und erhält einen buddhistischen Dharma-Namen.

Mit diesem Suchbegriff finden sich dann auch diverse YouTube-Videos, auf denen der Ablauf der Zeremonie zu sehen ist.

Kommentar von CountDracula ,

Dankeschön :)

Ich bin noch recht neu dabei... um ehrlich zu sein, bin ich bisher noch nicht einmal aus der Kirche ausgetreten, weil ich das Geld für den Austritt noch nicht hatte (hier in Niedersachsen muss man 25€ Aufwandsentschädigung zahlen)...

Wenn ich trotzdem aber schon den Vier Edlen Wahrheiten und dem Edlen Achtfachen Pfad folge - hältst Du es dann für legitim, dass ich mit Buddhismus antworte, wenn ich nach meinen Anschauungen gefragt werde? Dazu hat mir nämlich bisher auch jeder was anderes gesagt :/

Manchmal lese ich, dass man erst mit der Zufluchtnahme Buddhist ist, aber andere Quellen sagen, dass jeder Buddhist ist, der den Lehren Buddhas folgt

Kommentar von AaronMose3 ,

Ich hoffe, ich bin durch eine Antwort nicht unhöflich.

hältst Du es dann für legitim, dass ich mit Buddhismus antworte, wenn ich nach meinen Anschauungen gefragt werde? 

Hier kommt es eigentlich nur darauf an, was deine Anschauungen genau sind. ^^ Decken sie sich mit der buddhistischen Lehre, kannst du natürlich auch mit Buddhismus antworten.

Manchmal lese ich, dass man erst mit der Zufluchtnahme Buddhist ist, aber andere Quellen sagen, dass jeder Buddhist ist, der den Lehren Buddhas folgt

Die Zufluchtnahme ist nur der "offizielle Weg" zum Buddhist werden, was aber nicht bedeutet das es nur darüber geht.

Im Prinzip könntest du dich auch in dein Zimmer setzen und ganz privat Zuflucht nehmen. 

Selbst in diesem Fall, vorausgesetzt du folgst der Lehre Buddhas auch tatsächlich, könntest du dich Buddhist nennen.

Auch hier sind die verschiedenen Wege zum Buddhist werden sehr gut beschrieben:

http://www.buddhismus.de/06\_buddhist.php

Zitat:

Möglich ist dies auf drei Ebenen:

Auf theoretischer Ebene kann man die buddhistischen Erklärungen in Vorträgen, Seminaren und durch Bücher kennenlernen.

Auf praktischer Ebene kann man in einem buddhistischen Zentrum Meditationen erlernen und anschließend dort und zuhause praktizieren.

Auf der Ebene des täglichen Verhaltens kann man sich entscheiden, Buddhas Ratschlägen zu folgen. Hierbei geht es vor allem darum, andere Menschen gut zu behandeln und auch im Alltag möglichst bewusst an der eigenen geistigen Entwicklung zu arbeiten.

Wer formell Buddhist werden möchte, beschließt in einem kurzen Zeremoniell.

Das Zufluchtszeremoniell nimmt man bei einem Lehrer einer buddhistischen Schule, von denen in Deutschland mittlerweile mehrere hundert vertreten sind - in manchen Großstädten kann man aus bis zu 30 Gruppen wählen. Bei der Auswahl sollte man offen, aber kritisch sein - Insbesondere im Vajrayana/Diamantweg und im Zen sollte man den Lehrer zunächst in Ruhe und sorgfältig prüfen, damit sich später ein vertrauensvolles Verhältnis auf solider Basis entwickeln kann.

Kommentar von CountDracula ,

Dankeschön :)

Hier kommt es eigentlich nur darauf an, was deine Anschauungen genau
sind. ^^ Decken sie sich mit der buddhistischen Lehre, kannst du
natürlich auch mit Buddhismus antworten.

Mit den Teilen der buddhistischen Lehre, die mir bekannt sind, decken sie sich schonmal :)

Kommentar von Enzylexikon ,

hältst Du es dann für legitim, dass ich mit Buddhismus antworte, wenn ich nach meinen Anschauungen gefragt werde?

Ich sehe darin kein Problem. Wenn du die Lehren Buddhas als Wahrheit für dich akzeptierst, kannst du auch dazu stehen.

Dazu hat mir nämlich bisher auch jeder was anderes gesagt :/

Ja, da gibt es in der Tat verschiedene Ansichten. Das ist meiner Meinung nach eine Frage von Traditionsbewusstsein, dem Bedürfnis nach exotischen Ritualen, und teilweise auch Elitedenken.

Manchmal lese ich, dass man erst mit der Zufluchtnahme Buddhist ist, aber andere Quellen sagen, dass jeder Buddhist ist, der den Lehren Buddhas folgt

Ja wie gesagt, darüber gibt es geteilte Meinungen.

Für mich persönlich zeigt eine zeremonielle Zufluchtnahme, dass sich jemand nicht nur intellektuell mit den Lehren identifiziert, sondern tatsächlich unter Aufsicht eines Lehrers geübt hat.

Es ist nämlich leicht, zu buddhistischen Lehren vom Kopf her "Ja" zu sagen, dann aber vor der Praxis zurückzuschrecken.

Jemand der formell Jukai absolviert hat, muss zuvor mindestens zwei Jahre unter einem Lehrer geübt haben, was eine gewisse Bereitschaft zur Praxis voraussetzt.

Grundsätzlich kann aber natürlich auch jemand, der die Bodhisattva-Gelübde abgelegt hat, ein fauler Hund sein, der sich anschließend nicht mehr um seine Praxis bemüht.

Wenn sich jemand was darauf einbildet und meint, er sei durch eine Zeremonie ein besserer Buddhist als jemand, der kein Rakusu trägt, dann ist er grundsätzlich auf dem Holzweg.

Daher ist das formelle Jukai für mich lediglich ein Hinweis, nicht aber ein Garant für ernsthafte buddhistische Übung.

Kommentar von CountDracula ,

Danke für die Erklärung, das hat mir sehr weitergeholfen :)

Die Auswahl an Lehrern ist in meiner Umgebung nicht so groß. Um genau zu sein, weiß ich nur von einer Zen-Meisterin hier. Bald habe ich hoffentlich die Möglichkeit, sie zu treffen :)

Kommentar von Enzylexikon ,

Wie schon gesagt, mache dich nicht von irgendeinem äußerlichen Status fest. Man kann auch als Bodhisattva leben, ohne von diesen Gelübden jemals gehört zu haben.

Außerdem sollte man auch einem Lehrer gegenüber nicht unkritisch sein - und manchmal ist es besser, keinen Lehrer zu haben, anstatt einen schlechten.

Kommentar von CountDracula ,

Ich werde sie mir auf jeden Fall mal ansehen :)

Kommentar von Enzylexikon ,

Vielen Dank für den Stern. :-)

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