Frage von Blaustern210, 66

Zuerst war ich froh, endlich Zuhause zu sein, aber jetzt tut mir meine Oma leid?

Hallo :)

Ich war letzte Woche bei meiner Oma (zsm mit meiner Schwester) und anfangs hab ich zwar mein Zuhause vermisst aber ich fand es bei meiner Oma eigentlich schön :) Ich leide allerdings an einer Hausstaubmilben-Allergie, die mir daheim zwar nicht auffällt, sich aber bei meiner Oma richtig durchsetzt. Häufig kann ich dann nur sehr schlecht schlafen, weil meine Nase läuft oder mein Gaumen juckt. Deshalb sah ich den Tag, an dem meine Eltern mich abholen, als meine "Erlösung der Allergie" (so krass war das auch nicht, ich mag meine Oma wirklich sehr!).

Als dann dieser Tag anstand (meine Schwester war den Tag zuvor schon nach Hause gegangen) war ich erleichtert, aber auch ein bisschen traurig, ich wusste selbst nicht genau, warum. Dann, als ich daheim ankam, ging ich sofort in mein Zimmer, begrüßte meine Wellis und beobachtete sie ein wenig. Mein Hahn kam direkt zu mir und zwitscherte vergnügt, es schien so, als wäre er glücklich, mich zu sehen. Doch dann überkam mich so ein Gefühl von Trauer und meine Augenbrauen zogen sich zusammen. Dann fing meine Nase an zu laufen und mir fiel eine Träne über die Backe. Meine Oma tat mir so leid! Sie war nun alleine in ihrem Haus und hatte niemandem mit dem sie reden konnte!

Zu diesem Zeitpunkt war ich total verwirrt, da meine Gefühle eigentlich keinen Sinn machten: Meine Oma lebt schon sehr lange allein, meine Tante besucht sie oft, sie arbeitet gerne im Garten und da gibt es immer etwas zu tun, ihr ist also nicht langweilig.

Gerade sitze ich auf meinem Bett und schluchtze vor mich her, hab schon eine ganze Packung Taschentücher verbraucht. Warum bin ich denn dann traurig, und wie bekomme ich meine Gefühle wieder in den Griff?

Antwort
von Poldi88, 24

Oje, wie süß. Ich kann deine Gefühle gut verstehen, mir geht es auch manchmal so.

Ruf deine Oma an. Telefoniere mit ihr, dann freut sie sich sicherlich. Wohnt deine Oma weit entfernt? Oder könntest du sie auch öfter mal besuchen?

Dass deine Oma sich manchmal einsam fühlt, kann sicherlich sein, aber sie wird sich mit ihrer Situation sicherlich arrangieren und vermutlich fühlt sie sich gar nicht so schlimm, wie du denkst.

Wie gesagt, mein Tipp: Ruf sie häufiger an! Und du kannst ihr auch ruhig erzählen, was du denkst. Vielleicht sagt sie dir auch, was du tun kannst, oder worüber sie sich freuen würde.,

Kommentar von Blaustern210 ,

Danke, das mach ich! Meine Schwester ruft sie auch oft an.

Sie wohnt übrigens ca. 1 Stunde entfernt.

Antwort
von Dxmklvw, 10

Da scheint eine Menge Empathie ihre Wirkung zu entfalten.

Doch wer es versteht, sich in andere hineinzuversetzen, der ist nicht nur bei anderen fürsorglich, sondern auch bei sich selbst, und auch sein Unterbewußtsein denkt über den Tellerrand hinaus.

Dadurch entstehen zwangsläufig Konflikte, und ab und zu wird auch etwas dabei sein, was man gar nicht auf die Reihe bringen kann.

Manchmal hilft aber die Einsicht, daß es kein Ding gibt, daß mehr leisten kann als das, wofür es geschaffen ist und wozu es maximal fähig ist. Das gilt für Maschinen genauso wie für Menschen.

Trauer selbst ist das Werkzeug, das tief im ganzen Menschen nach einer Antwort sucht, wie man etwas anders oder besser machen könnte im Hinblick auf das, was Ursache der Trauer war. Trauer erzeugt mögliche Antworten für zukünftige ähnliche Ereignisse, nicht für vergangene, denn die sind gelaufen (außer, wenn etwas reparabel ist). Reue ist eine entfernte Verwandte von Trauer und verursacht Einsicht.

Falls lediglich Hausstaub als wirkliches Problem erkannt wurde, dann gäbe es natürlich die Möglichkeit, diesen erheblich zu reduzieren.

Um solche Gefühle wieder in den Griff zu bekommen, hilft auch, intensiv darüber nachzudenken, warum im speziellen Fall so viel Mitleid mit der Oma aufkommt.

Jeder Mensch tickt etwas anders als alle anderen. Wer braucht wirklich eine besonders aufmerksame Zuwendung, man selbst oder der andere? Der andere sieht es mitunter ganz anders. Doch Zuwendung bedeutet auch, das Bewußtsein zu vermitteln, nicht vergessen zu sein, Wertschätzung zu erhalten und gebraucht zu werden. Das kann manchmal auch durch etwas ganz anderes bewerkstelligt werden als durch lange Besuche.

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