Frage von Nepomuk22, 51

Zu welcher philosophischen Epoche wird Kant gezählt?

Zum deutschen Idealismus nicht mehr ? oder ?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von berkersheim, 25

Das ist wieder das übliche Schubladenspiel und dabei kommt es ganz darauf an, wer welche Zettelchen auf seine Schubladen klebt. Vor Kant herrschte der "Rationalismus", von dem sich Kant grass abgrenzte. Der Rationalismus war Idealismus pur. Wird aber in der Zeitgeschichte als Rationalismus eigenständig geführt. Die Hauptfiguren des dann als Idealismus genannten Zeitalters wie Hegel oder Fichte und Schelling fallen im Prinzip im Wesentlichen wieder in die Betrachtungsweisen des Rationalismus zurück.

Kant, der sich anfangs von den Rationalisten als empirisch gegründet abgrenzt, die Erfahrung als wesentliches Merkmal der Erkenntnis betont, wendet sich später dann wieder mehr der abstrakten Spekulation zu. An diese knüpfen die sog. Idealisten an, während sogenannte "Links-Kantianer" weiter die Erfahrungsanbindung betonen. Kants "Welt an sich" und seine "deterministische Welt der Erfahrung" (Schopenhauer: Welt als Vorstellung) zeigen an, dass Kant irgendwie zwiegespalten ist. So darf man sich nicht wundern, wenn sowohl die "Idealisten" wie auch die "Empiriker" Kant für sich reklamieren.

Antwort
von Hegemon, 19

"Wirkungsgeschichtlich besonders einflussreich wird der Begriffsgebrauch durch Immanuel Kant."

https://de.wikipedia.org/wiki/Idealismus

Ansonsten war Kant vor allem ein wichtiger Vertreter der Aufklärung.

Expertenantwort
von Albrecht, Community-Experte für Geschichte & Philosophie, 8

Bei einer geschichtlichen Einteilung in Epochen liegt keine völlig eindeutig so und nicht anders einteilbare Sache vor. Eine Epocheneinteilung ist immer ein Hilfsmittel, eine Konstruktion zum Überblick und um irgendetwas mit einer bestimmten Betrachtungsweise zu erfassen. Andere Betrachtungsweisen sind oft daneben ebenfalls möglich. Unterschiedliche Arten der Betrachtung schließen sich nicht einfach aus. Sehr oft gibt es bei solchen Einteilungen und Bezeichungen kein schlichtes „richtig“ oder „falsch“. Es verändert sich nicht alles plötzlich schlagartig und für Zeitgenossen klar bemerkbar. In einem bestimmten Zeitraum sind nicht die philosophischen Gedanken, Methoden und Thematiken aller Menschen gleichartig ausgerichtet, auch wenn manche vorherrschend bzw. stark prägend sein können.

Immanuel Kant wird zum Zeitalter der Aufklärung gezählt.

Zu dem Thema »Aufklärung« hat er selbst einen Beitrag geschrieben: Immanuel Kant, Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? In: Berlinische Monatsschrift, Dezember 1784, S. 481 – 494 (AA VIII, 33 – 42)

S. 491 (AA VIII, 40): „Wenn denn nun gefragt wird: leben wir jetzt in einem aufgeklärten Zeitalter? So ist die Antwort: nein, aber wohl in einem Zeitalter der Aufklärung.“

Gerd Irrlitz, Kant-Handbuch : Leben und Werk. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2002, S. 13:

„Kants Denken ist nur von den Grundideen der europäischen Aufklärung her und als deren kritische Fortführung zu begreifen. Es ist nicht Kritik der leitenden Intentionen der Aufklärung, sondern Kritik der theoretischen Durchführung von deren Ideen. Er sieht die Gedankenform in Widerspruch zum Inhalt des kulturellen Programms stehen. Dadurch gerate die Aufklärung vor Prozesse der Selbstnegation, z.B. in der skeptischen wie in der utilitaristischen Konsequenz des Empirismus. Das bestärke ihre Gegner, die religiöse Gefühlsphilosophie, überhaupt alle theoretischen und institutionellen (kirchlichen und staatlichen) Richtungen der Rationalitätskritik. Er sieht die europäische Aufklärung unfertig durch mangelnde Begründungsleistung eines noch gar nicht richtig verstandenen Programms und nimmt sie darum unter dem Zeichen der Krise wahr. Sein eigenerAufklärungsbegriff, den er wiederholt und mit verschiedenen Akzentsetzungen umreißt, ist darum nicht auf die anwachsenden Wissensinhalte, auch nicht, wie bei Mendelssohn, auf die Trias von Aufklärung - Bildung - Kultur konzentriert, sondern auf unabhängigen Verstandesgebrauch und freie Öffentlichkeit. Nicht um die Inhalte geht es primär, sondern um die Denkungsart; ein methodischer Akzent, der Toleranz unterschiedener Auffassungen und Traditionen einberechnet (Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?, 1784; VIII, 35). Erst in diesem methodischen Sinn bedeutete »Aufklärung« fur Kant auch einen geschichtlich konkreten Vorgang seiner Gegenwart und eine eröffnete Perspektive. Kritische geistige Öffentlichkeit als zentrales methodisches Verfahren macht für ihn das Zeitalter der Aufklärung aus, da die Vernunft »unverstellte Achtung nur demjenigen bewilligt, was ihre freie und öffentliche Prüfung hat aushalten können« (IV, 9).“

Unter den Vertretern der Aufklärung gab es inhaltlich unterschiedliche Richtungen, z. B. Rationalismus (in Deutschland war Christan Wolff ein einflußreicher Philosoph dieses Ansatzes) und Empirismus (in England war John Locke dafür ein wichtiger Denker), (in ontologischer Hinsicht) Idealismus und Materialismus, Theismus und Deismus und Atheismus.

Immanuel Kant hatte anfangs das Ziel, die alte/herkömmliche Metaphysik mit stärker empirischen Methoden der Naturwissenschaften zu verbinden und auch naturalistische Anthropologie einzubauen. Er kam dann aber zu dem Ergebnis, die Grundlage der alten/herkömmlichen Metaphysik sei nicht aufrechterhaltbar. Die Wende in der Erkenntnistheorie bedeutete den Übergang von einer »vorkritischen« zu einer »kritischen« Phase Kants. Kant versuchte eine Synthese von Rationalimus und Empirismus in einem neuen Ansatz, der Transzendentalphilosophie (auch als transzendentaler Idealismus, kritischer Idealismus oder Kritizismus bezeichnet). Die Untersuchung der Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis ist wesentlich.

Kants Werk ist ein starker Einschnitt in der Geschichte der Philosophie.

Für die philosophische Strömung, die später im Rückblick »Deutscher Idealismus« genannt worden ist, bildete Kants Transzendentalphilsophie einen Ausgangspunkt. Kants Philosophie ist kein »Deutscher Idealismus«, aber aus einem Weiterdenken mit dem Bestreben, zu einem Gesamtsystem einer sich als Wissenschaft darstellenden Philosophie mit einem obersten/ersten Grundsatz/Prinzip zu kommen, entsteht dieser. Bei Kant stellt sich das Problem, wie Anschauung und Verstandesdenken, empirische Welt der Natur mit Phänomenen und intelligible Welt (mit Freiheit), Subjekt und Objekt (Kant nimmt die subjektunabhängige Exstenz einer Außenwelt an, ein »Ding an sich (selbst)« als etwas Reales, über das allerdings nur Spekulation möglich ist, weil es dazu keine Erfahrung gibt) in einem übergreifenden Prinzip verbunden werden kann. Die spekulativen Gedanken, an die »Deutscher Idealismus« sich wagt, entfernen sich in Inhalt und Denkform bei diesem Versuch dann von Kant.

Antwort
von issst, 26

Guten Morgen! :)

Soweit ich weiß hat mit Kant die Epoche des "deutschen Idealismus" erst begonnen. 

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