Frage von illuslash1, 81

Zu schüchtern fürs Bundesheer Österreich!?

Ich habe heute mein Stellungsergebnis bekommen und bin untauglich fürs Bundesheer und Zivildienst.

Der Grund dafür ist angeblich dass ich zu schüchtern und zurückhaltend bin. Ist das wirklich ein Grund um untauglich zu sein? Die Psychologin sagte auch dass es selbstschadend für mich sei. Weil ich dort in einer Gruppe sein muss.

Aber sollte ich nicht genau deshalb hingehen, damit ich lerne mit anderen Leuten umzugehen. Nicht mehr so zurückhaltend zu sein. Und hat sie das Recht für mich zu entscheiden, was gut ist und was nicht? Ich bin ja nicht psychisch krank, das ich nicht selbst entscheiden kann. Ich weiß, dass ich schüchtern bin. Trotzdem war ich fest entschlossen zum Bundesheer zu gehen. Weil ein psychologische Therapieform ist ja die Konfrontationstheraphie, wo man mit unangenehmen Situationen konfrontiert wird.

Antwort
von Xernea, 69

Bundesheer ist aber eben auch kein Zuckerschlecken, würde ich mal sagen.

Ich bin selbst sehr schüchtern und möchte mich meinen Ängsten stellen, deshalb will ich Lehrerin werden (natürlich nicht nur deswegen, ich arbeite auch gern mit Kindern). Aber alles was mit Militär zu tun hat, ist auch für offene Menschen manchmal psychisch und körperlich ganz schön belastend. 
Die Psychologin hat wohl viel Ahnung von ihrem Job, immerhin ist sie dafür ausgebildet. Wenn sie meint, dass du zu schüchtern bist, um das auszuhalten, dann wird das wohl seine Gründe haben.

Kommentar von illuslash1 ,

Schüchternheit hat nicht mit psychische oder körperliche Belastung nichts zu tun. Schüchtern sein heißt einfach dass man zurückhaltend gegenüber anderen ist. Mein Problem ist nur das Reden mit anderen.

Ich weiß, dass das Bundesheer nicht einfach ist. Aber ich weiß, dass ich das psychisch und körperlich aushalten kann.

Ich könnt wetten wenn ich beim Psycho Test nicht auf schüchtern geklickt hätte, würden sie es gar nicht merken und mich als tauglich einstufen.

Kommentar von Xernea ,

Die Überwindung von Schüchternheit kann je nach Person eben doch psychisch belastend sein - zumindest, wenn man sich immer wieder auf's Neue überwinden muss. In diesem Berufsfeld musst du das.

Ich war früher (gerade in der Pubertät) selbst sehr, sehr schüchtern und die Überwindung hat mir jedes Mal einiges abverlangt. Mittlerweile geht es eigentlich, aber der Prozess von der Schüchternheit eben dauerhaft "wegzukommen" darf nicht unterschätzt werden. 

Vielleicht waren das in etwa die Bedenken der Psychologin, die natürlich so nicht auf dich zutreffen müssen. Das weißt du selbst natürlich immer am besten. Nichtsdestotrotz scheint es wohl an dieser (Fehl-)Einschätzung gescheitert zu sein.

Kommentar von illuslash1 ,

Ich sehe Schüchternheit trotzdem nicht als einen Grund. Im Leben muss man immer es überwinden. In der Schule, in der Arbeit und im alltäglichen Leben. Wieso dann nicht auch im Bundesheer.

Kommentar von Ohrhan11 ,

1. Kannst du vorher nicht wissen wie du dann wirklich reagierst. Vielleicht würdest du es packen, vielleicht aber auch nicht. Die haben dort halt Erfahrungen gemacht, dass es für manche, die ähnliche Symptome zeigen, ein Problem werden kann, und gehen auf Nummer sicher.

2. Geht es nicht nur um dich, sondern auch um das Heer. So wie überall muss man auch dort Mindestanforderungen erfüllen. Wenn einer z.B. kleinwüchsig ist wird er auch nicht genommen weil sie für ihn keine Ausrüstung haben, auch wenn er selbst es "nicht als Grund sieht". Einer der schüchtern ist kann sich dort vielleicht nicht ordentlich integrieren, und das ist schlecht für die Truppe.

Aber wenn du unbedingt glaubst dass dir unrecht getan wurde und du unbedingt hin willst, dann beeinspruche es eben.

Antwort
von Ohrhan11, 27

Ich war vor vielen Jahren aus ganz ähnlichen Gründen untauglich.

Zuerst mal: Bei der Stellung geht es nicht nur darum ob du krank bist, sondern vor allem darum ob du *geeignet* bist. Soll heißen, man kann auch ohne krank zu sein ungeeignet sein (so wie du auch für andere Jobs ungeeignet sein kannst ohne gleich krank sein zu müssen). Umgekehrt kann jemand mit einer (leichten) Erkrankung trotzdem noch geeignet sein.

Sei froh dass das erkannt wurde! Und das meine ich nicht weil du dir die Zeit sparst, sondern weil es dir vielleicht nicht gut getan hätte, sprich, dich vielleicht wirklich krank gemacht hätte (was die Psychologin ja sogar sagte). Ich war zuerst genauso verwundert wie du. Inzwischen hab ich gemerkt, dass ich leider generell in vielen Situationen labil bin. Heute bin ich mir sicher, dass das Bundesheer sehr schlimm für mich gewesen wäre. Als Vorteil sehe ich meine Untauglichkeit nicht, denn die 6 Monate sind ein geringer Preis wenn man dafür stabiler durchs Leben geht. Es war vielmehr eine Notwendigkeit weil man anscheinend geahnt hat dass ich es nicht packe.

Und weil du Konfrontation ansprichst: Ja, es gibt Konfrontationstherapien. Aber die werden von Therapeuten durchgeführt die was davon verstehen. Sie funktionieren sicher nicht indem man jemanden ungesichert in eine Extremsituation bringt die ihn überfordert. Einen mit körperlichen Problemen therapierst du ja auch mit durchdachten Übungen, und nicht indem du ihn zum Extremsport zwingst.

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