1hoss43 am 01.11.2008 um 5:22 Uhr
Vergangene Sonntagnacht um 2.°°h war meine Mutter (73) mit ihrem Hund Gassi, weil dieser Dünnsch.ß hatte. Beim Rückweg stürzte sie mitten auf der Fahrbahn, genau zwischen 2 Hochhäusern (á 66 Wohnungen) und rief laut um Hilfe, da sie sich nicht mehr bewegen konnte. Sie hatte sich den Oberschenkelhals gebrochen.
Gleichzeitig mit ihren Hilferufen konnte sie beobachten, daß an beiden Häusern etliche Lichter ausgingen (wohl, damit man die Leute nicht am Fenster stehen sehen konnte). Geholfen hat keiner. Und wenn man weiß, wie es hier zwischen den Hochhäusern hallt und man die Lautstärke meiner Mutter kennt, kann man davon ausgehen, daß sie von allen Leuten, die da noch wach waren, gehört wurde! Es fand auch keiner für nötig, die Polizei anzurufen, wobei man sich ja nichtmal in die Kälte (+2°C) hätte wagen müssen oder sich selbst in Gefahr gebracht hätte.
Erst eine halbe Stunde später kam ein Autofahrer angefahren, der dann anhalten mußte, da meine Mutter ja mitten in der Fahrbahn lag und er nicht vorbei konnte. Der Autofahrer hat dann per Handy die Rettungswache informiert und dort eine hilflose verletzte Person gemeldet. Meine Mutter war zwischenzeitlich durch die Kälte und die höllischen Schmerzen bewußtlos geworden.
Frage: Wie könnte man dieser Entwicklung entgegenwirken??

Nur, in dem Du der kommenden Generation ein Vorbild bist. Hilfsbereitschaft, Zivilcourage sind Werte, und Werte werden von Generation zu Generation weitervermittelt, am glaubhaftesten tatsächlich über das vorgelebte Beispiel.
LG
Wieselchen

Ich bin viel mit dem Auto unterwegs, habe schon viele Unfälle gesehen und auch schon öfter Erste Hilfe geleistet. Musste jedoch häufig fest stellen, das Autofahrer einfach nur glotzen und es nicht für nötig halten anzuhalten. Obwohl sie sehen das noch Hilfe benötigt wird. Mich nervt soetwas richtig und regt mich übelst auf, wenn anderen Leuten wichtiger ist schnell nach Hause zu kommen als anderen in Not zu helfen!
Geisterfahrer am 1. November 2008 06:05 Man siehe auch meine Antwort auf die Frage vom folgendem Link: http://www.gutefrage.net/frage/lieber-2-minuten-feige-als-ein-leben-lang-tot
1hoss43 am 1. November 2008 06:26 In die gleiche Lage bin ich in meinen 18 Jahren Fernverkehr auch oft gekommen. Oftmals war ich auch Ersthelfer und muß zu meinem Bedauern auch zugeben, daß ich manchesmal mit meinen Reanimationsmaßnahmen nicht erfolgreich war und mir die Opfer einfach unter den Händen wegstarben.
Einfach so, ohne mich zu fragen. :-(
Ich hatte ne echte Wut auf den, wie konnte der so einfach sterben, wo ich mir doch alle Mühe gab, ihn hier zu behalten.....
Beim ersten kam ich noch knapp drüber weg. Beim zweiten der mir starb war ich dann schon fast reif für die Klappse und nur durch das KIT (KrisenInterventionsTeam) kam ich darüber hinweg. Meine Selbstzweifel haben mich damals völlig zermürbt und fast meschugge gemacht, besonders dahingehend, weil ich mir die Schuld am Ableben der Opfer gab.
Aber trotz aller negativen Erfahrungen die ich in der Zeit gesammelt habe, würde ich doch ohne zu zögern wieder versuchen helfend einzugreifen.
Und daher kann und will ich das Verhalten der anderen "Mit?"-Menschen nicht verstehen und akzeptieren.
Geisterfahrer am 1. November 2008 06:35 RESPEKT!!! In solch eine unangenehme Lage bin ich zum Glück noch nicht gekommen.Aber schwer Verletzte hab ich auch schon oft genug gesehen und versorgt. Auch wenn ich sie zum Glück, bis her nie Reanimieren musste... Der Anblick der schwer verletzten ist schwer genug... :/
1hoss43 am 1. November 2008 06:48 Dadurch, daß ich fast nur Nachts und fast nur auf Autobahnen fuhr, war alle 14 Tage ein kapitaler Unfall, mit Schwer- und Schwerstverletzten, eigentlich schon obligatorisch......
In den 18 Jahren habe ich rund 30 Tote zugedeckt und 7 sind mir unter den Händen gestorben. Diese 7 besuchen mich von Zeit zu Zeit in meinen Träumen. Das ist auch mit ein Grund, warum ich Nachts fast nie schlafe. Denn, wenn ich erst Morgens in Bett gehe, schlafe ich meist traumlos......
Geisterfahrer am 1. November 2008 06:57 Dass das nicht einfach ist glaub ich dir! Ich fahre auch ca.150000km im Jahr. Bis her Unfallfrei seit 8 Jahren! ZUM GLÜCK
.
Habe auch schon viele Fahrzeuge abfliegen sehen... "zum Glück" bisher "nur" Schwerverletzte. Ich glaub ich könnte mit soetwas auch nicht leben...
1hoss43 am 1. November 2008 07:07 Ich muß ja damit Leben, oder soll ich mir deswegen die Kugel geben?
Was glaubst Du, wieviele Stunden ich deswegen bei den Mackenpfle.. ähm.. Psychologen und Psychotherapeuten auf der Couch verbracht habe??
Komplett umsonst, helfen konnte mir keiner von denen. Aber nen Haufen Geld haben sie dafür von meiner KK eingestrichen...
Nun, ich habe mich nun eben auf meine Art damit arangiert...
Geisterfahrer am 1. November 2008 07:19 Darum sag ich ja: " ZUM GLÜCK hatte ich bisher nie diese Erfahrung!". Aber es kann auch so schnell gehen, da ist man selbst in der Lage das man Hilfe brauch. Man muss ja nicht mal selbst schuld dran sein.

Durch ein allumfassende Wirtschaftkrise. Nur, wenn alle die gleichen wirtschaftlichen Herausforderungen zu bewältigen haben, wird es wieder echte Solidarität geben, denn die Menschen konnten sich nur durch Solidarität über das Ziel hinausentwickeln. Nur, weil Gier zum Ziel führte, sind wir, wo wir sind.
1hoss43 am 1. November 2008 05:46 Das kann ich so nicht unterschreiben!
Ich gehöre (gezwungerermaßen) auch zur "Geiz-ist-ge.l"-Gesellschaft, aber es würde mir im Traum nie einfallen, eine hilflose Person einfach liegen zu lassen!
Diese soziale Kälte muß imho eine andere Ursache haben!
YuLy42 am 1. November 2008 05:56 Solidarität lässt sich nicht erzwingen, außer durch die allgemeine Lage.
Deine Empörung teile ich, satte Menschen vergessen aber leider ihre Instinkte.
Masoud53 am 1. November 2008 08:36 naja,moralische Stabilität und Courage sollte jedem Meschen zu ALLEN Zeiten zu eigen sein!!

Nicht Hilfe, sondern Feuer schreien ....... dann kommen sie alle dahergerannt! Hat man mir mal gesagt.ö Wünsch deiner Mutter gute Besserung!
darkwhisper am 1. November 2008 06:58 Das hat mir meine Mutter schon in den sechtiger Jahren beigebracht. Viele Menschen reagieren halt nicht auf die Not anderer Menschen, wenn sie jedoch Gefahr für sich selbst erahnen gehen die Fenster auf (das hab ich schon selbst erlebt).

Ich denke auch öfters über diese "asoziale" Verhaltensform von Menschen nach. Es scheint nur eine kleine Gruppe von Menschen zu geben, die "aktiv" und Selbstständig Menschen in Not beistehen können. Es scheint, daß das Spannerbewusstsein weit mehr verbreitet ist als der Drang zu Helfen. Am schlimmsten hat mich eine Situation geschockt: auf einer Landstraße hatte es eine Woche vorher einen tödlichen Unfall in einer Kurve gegeben, Ich halte an (Warnblinkleuche, Fernlicht, Nebelschlussleuchte... das volle Programm) und klettere die Böschung runter, Glück gehabt, war nur ein Kranz mit zwei rotleuchtenden Kerzen( sah aber original aus wie ein Auto im Graben!).
Obwohl die Straße fast nur von Einheimischen benutzt wird (von denen jeder durch Dorftalk von dem vorherigen Unfall wusste) hat keiner von den ca 20 Wagen, die an der Stelle vorbeifuhren, auch nur angehalten.
darkwhisper am 1. November 2008 07:28 Zu Deiner Frage: das wird nicht normal, es war schon immer so und ich fürchte es bleibt auch so ( vielleicht wird es noch schlimmer, wenn die sozialen Kontakte sich noch weiter verändern)

Wenn nachts jemand um Hilfe ruft, vor allem Jugendliche, dann gehe ich selbstverständlich nicht auf die Straße. Rufe aber umgehend die Polizei. Sehe ich, dass es eine ältere Dame ist, wäre ich sofort unten und würde nachschauen und dann den Rettungsdienst informieren. Bzw. erst den Rettungsdienst informieren und dann nachschauen. Sie könnte ja auch Opfer eines Überfalls geworden sein. Aber ich würde vielleicht auch stutzig werden - heutzutage trauen sich ja leider ältere Menschen bei Dunkelheit kaum mehr auf die Straße! Zumindest kann aber jeder anrufen, zumal der Notruf ja kostenlos ist. Im Zweifelsfall kann sich die Polizei der Sache annehmen.
1hoss43 am 1. November 2008 07:34 Genau Heike, und das ist ja gerade das, was mich in der Sache so rasend wütend macht! Es wird ja von keinem verlangt, daß er sein Leben oder seine Gesundheit in Gefahr bringt. Meinetwegen dürfen sie bei der Saukälte ja auch in der warmen Wohnung bleiben, aber das wenigste was man von den Leuten verlangen kann ist, daß sie zumindest das Telefon zur Hand nehmen und Hilfe herbei rufen.
Ok, ich kenne in meinem Bekanntenkreis auch Leute, die nicht tätig helfen können, ja ich habe sogar eine Bekannte dabei, die fällt prompt in Ohnmacht, wenn sie Blut sieht. Aber telefonieren kann sie!
Das mit dem Blut hielt ich lange für ne Ausrede, bis sie mal bei mir zum Abendessen war und ich mir mit der Brotschneidemaschine in den Finger geschnitten habe. Wie Du vielleicht weißt, bin ich Marcumarpatient und so ein kleiner Schnitt blutet dann wie Sau....
Als die dann das Blut sah, kippte die schneller vom Stuhl als ich schauen konnte.

Leider kannst du Niemandes Hilfe eifordern,es ist eine moraliche Verpflichtung, der jeder nachgehen sollte!Weshalb Helfen keine Selbstverständlichkeit mehr ist-keine Ahnung-vieleicht ein Fenster der zunehmenden Gewalt und Betrügereien,die Menschen vertrauen keinem mehr.Ich habe da nur gute Erfahrungen.Wir hatten unlängst einen Unfall mit einem verletzen Tier,ich habe die Autos angehalten.ALLE haben ihre Hilfe angeboten und gefragt was los sei,aber wie leben auf dem Land.
Ich glaub gar nicht! Je mehr Menschen auf Erden wandeln, desto weniger wertvoll wird das einzelne Leben! Also müsste ein erheblicher Bevölkerungsrückgang stattfinden, damit das Leben wieder kostbarer wird!

Ich war noch nie (Gott sei Dank) in so einer Situation. Weiß nicht, ob ich helfen könnte, wenn ich Schwerverletzte sehen würde. Aber, hundertprozentig würde ich per Telefon Hilfe holen.Im Fall Deiner Mutter, würde ich nach dem Hilferuf auf jeden Fall mit ihr sprechen u."Händchen halten". Auch ich bin über die Gefühlskälte bei manchen Menschen erschüttert. Aber glaube, daß die Mehrzahl sich positiv verhalten würde. Wünsche Deiner Mutter schnelle Genesung!

Nur durch das vorleben,handeln läßt sich das Fördern. Aber auch durch das zur Sprache bringen, seies hier oder unter Freunden und Bekannten.Auch in der Familie kann man fragen,wie hättest Du reakiert. Wer Schweigt stimmt zu!
LG Sikas
Wie man entgegenwirkt? Mach es selber besser, erzieh deine Kinder richtig und hoff drauf, dass es der Nachbar auch tut. Hier bei mir is es genau das selbe, der einzige, der die Polizei ruft bin ich oder der sogar aus dem 3. Stock auf die Straße rennt um einer Frau zu helfen, die kaum noch laufen konnte... da möchte man selber nicht in Not geraten, schrecklich sowas.
Lieber Menschen mit Zivilcourage JETZT als später Helden.
Das ist echt krass. Ich persönlich kann so eine Reaktion (oder besser Nichtreaktion) garnicht verstehen. Wenn irgendetwas ist, guck ich nicht weg. Allerdings weiss ich nicht, inwieweit ich helfen könnte, habe aber ständig mein Handy in der Hosentasche um Hilfe zu rufen. Hoffe, deiner Mutter geht es inzwischen besser.
Ich glaube leider nicht, das ein Vorbild andere zum Handeln bringen wird, aber solche Vorbild-Menschen sollten sich niemals davon entmutigen lassen zu helfen. Es gibt eine Gruppe von Menschen die einfach zupacken können und leider auch eine viel größere die nur inaktiv sind.
Vielleicht hätte ich mich deutlicher ausdrücken sollen. Mit der kommenden Generation meinte ich hauptsächlich die eigenen Kinder. Ich habe meinem Langen immer Zivilcourage vorgelebt, und auch in Gesprächen immer wieder erklärt. Es gab Momente, wo er am liebsten in den Boden versunken wäre (besonders als Teenager), weil seine Mutter sich wieder mal einmischen musste. Ich habs ihm dann hinterher erklärt und mit ihm darüber diskutiert wohin uns das Wegsehen bringt. Heute ist er einer der "Hingucker" und Helfer, und das schreibe ich mir und meinem Vorbild zu :)
LG
Wieselchen
1a Wieselchen1
DH