Frage von Julien97, 37

Zitierung eines Werkes des Aristoteles (in wissenschaftlicher Arbeit)?

Hallo zusammen,

nachdem ich eine wissenschaftliche Arbeit im Bereich der Philosophie verfasst habe, bemühe ich mich nach geschehener Durchsicht durch den Dozenten nun um eine Überarbeitung derselben. An einer Stelle möchte ich dazu den antiken Philosophen Aristoteles zitieren. Genauer: Es geht um seinen Gottesbeweis in seiner Metaphysik, Buch XII. In der mir vorliegenden Ausgabe, übersetzt und kommentiert von Hans-Georg Gadamer, ist gemäß der Bekker-Zählung für die Werke des Aristoteles (siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Bekker-Z%C3%A4hlung) auf das Werk des Aristoteles verwiesen.

Meine anderen Quellenangaben per Fußnoten lauten etwa: "Vgl. Kurt Flasch: Einführung in die Philosophie des Mittelalters. Darmstadt (3)1994. S. 166." [Die (3) ist hochgestellt und verweist auf "dritte Auflage".]

Nun bin ich mir etwas unsicher, wie genau ich die Aristoteles-Quelle hier einreihe. Ich schätze, ich sollte ebenfalls die Bekker-Zählung verwenden, oder? Und wird dann nirgendwie erwähnt, dass ich die von Hans-Georg Gadamer kommentierte Übersetzung verwendet habe?

Würde der Quellennachweis folgendermaßen aussehen? "Vgl. Aristoteles, Metaphysik XII 6-7, 1071 b 4 – 1072 b 10." ["6-7" verweist auf die Kapitel innerhalb des Buches - oder fällt diese Angabe weg?] oder "Vgl. Aristoteles: Metaphysik XII, übersetzt und kommentiert von Hans-Georg Gadamer; dritte, verbesserte Auflage, Frankfurt am Main 1976 (Text griechisch und deutsch). S. 31/33."

Und wie müsste der entsprechende Verweis im abschließenden Literaturverzeichnis aussehen?

Für eure klärenden Antworten bin ich im Voraus dankbar!

Julien

Expertenantwort
von Albrecht, Community-Experte für Philosophie, 13

Inhaltlich geht es offenbar um Aussagen von Aristoteles zum ersten unbewegten Bewegenden (πρῶτον κινοῦν ἀκίνητον).

Für Aristoteles sollte die Bekker-Zählung verwendet werden. Mit so einer Standardzählung (nach einer üblich gewordenen Einteilung des Textes in einer Textausgabe), die in wissenschaftlichen Textausgaben angegeben ist, kann eine Textstelle dann eindeutig und ziemlich schnell gefunden werden. Seitenzahlen in modernen Textausgaben/Übersetzungen, an denen die betreffende Textstelle steht, weichen dagegen voneinander ab. Wer nicht die verwendete Textausgabe/Übersetzung hat, bekommt Schwierigkeiten beim Auffinden.

Bei einem Zitat (wörtliche Wiedergabe), ob in der Originalsprache oder einer Übersetzung, gehört kein „Vgl.“ (Vergleiche) vor den Beleg. Der Wortlaut ist direkt übernommen und dafür wird einfach der Stellenbeleg angegeben.

Das Zitat wird in Anführungszeichen gesetzt oder durch eine andere Art der Hervorhebung als Zitat gekennzeichnet.

Die Angabe der Kapitel fällt besser nicht weg. Zwischen Buch- und Kapitelangabe kann noch ein Komma gesetzt werden, notwendig ist dies aber nicht. Die Buchangabe kann statt mit römischen Ziffern auch mit arabischen Ziffern oder mit griechischen Buchstaben geschehen:

Aristoteles, Metaphysik XII, 6 - 7, 1071 b 4 – 1072 b 10.

Aristoteles, Metaphysik 12, 6 - 7, 1071 b 4 – 1072 b 10.

Aristoteles, Metaphysik Λ, 6 - 7, 1071 b 4 – 1072 b 10.

Das Vorgehen sollte dabei auf jeden Fall einheitlich sein.

Die Angabe des Textabschnitts bei Aristoteles ist für einen ordentlichen wissenschaftlichen Quellennachweis nötig und darf nicht durch einen Hinweis auf eine Seitenzahl in einer Übersetzung ersetzt werden. Auf die verwendete Übersetzung kann ergänzend hingewiesen werden:

Aristoteles: Metaphysik XII. Übersetzung und Kommentar von Hans-Georg Gadamer. 3., verbesserte Auflage. Frankfurt am Main : Klostermann, 1976 (Klostermann-Texte : Philosophie). S. 31/33.

mit Benutzung von Abkürzungen wird daraus z. B.:

Aristoteles: Metaphysik XII. Übers. u. Kommentar v. Hans-Georg Gadamer. 3.., verb. Aufl. Frankfurt a. M. : Klostermann, 1976 (Klostermann-Texte : Philosophie). S. 31/33.

wenn auf die Angabe der Auflage hochgestellt verwiesen und die Verlagsangabe weggelassen wird:

Aristoteles: Metaphysik XII. Übers. u. Kommentar v. Hans-Georg Gadamer. Frankfurt a. M. ³1976 (Klostermann-Texte : Philosophie). S. 31/33.

Bei „S. 31/33“ ist anscheinend die deutsche Übersetzung gemeint und auf S. 32 befindet sich griechischer Text. Wenn auch der griechische Text in Originalsprache zitiert wird, wäre eher „S. 30 – 33“ zu erwarten.

Im abschließenden Literaturverzeichnis wird das Buch ebenso angegeben, nur die bestimmte Seitenzahl nicht, die ja auf einen bestimmten an einer Stelle der wissenschaftlichen Arbeit zitierten Textabschnitt bezogen ist.

Einige Einzelheiten (wie Verwendung von Komma, Punkt, Semikolon und Doppelpunkt, Ausmaß von Abkürzungen, Nennung oder Weglassen der Verlagsangabe, Angabe der Auflage hochgestellt oder anders) hängen von Vorgaben der Hochschule ab. Dazu kann der Dozent verbindliche Auskunft erteilen.

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