Frage von STRAWB3RRY, 44

Zinsverbot im Mittelalter Frage?

Hallo, die Juden waren ja auch "Geldverleiher"& das war ja im Christentum verboten & warum das? Bzw wie läuft es dort mit den Zinsen bzw warum nimmt man Zinsen, wenn man doch nur das Geld zurück verkangt? (Bitte für dumme erklären :D) wäre super danke LG

Antwort
von JBEZorg, 23

Zinskapitalismus ist das wirtschaftliche System das wir heute haben. Das ist mit der Reformation durchgesetzt worden. Verboten waren die Zinsen als "unmoralisch". Im Grunde ging es aber darum ein auf Stabilität ausgerichtetes Wirtschaftssystem zu haben statt einem expansiven. Sobald der Zins den Weg in die Wirtschaft findet beginnt un weigerlich das Pyramidenspiel des Zinskapitalismus. Es lohnt sich Schulden zu machen um mehr Geld zu "verdienen" als man Zinsen zu zahlen hat. Das führt erstmal zu Überschuldung(genau deswegen der Vorwurf des Unmoralischen im Mittelalter. Seine Mimenschen durch Schulden zu knechten galt als nicht fein). Es gelingt aber ziemlich lange dieses Problem zu überspielen solange das System expandiert und immer neue Leute ausnehmen kann, die mit ihrem Geld die Schulden, die gemacht wurden abdecken. Nun ist die Schwachstelle dieses Systems: es muss immer weiter expandieren. Kann es das nicht kracht es zusammen. Gerade jetzt stecken wir in so einer Krise. Noch ein Trick der Zinskapitalisten - der Verbraucherkredit ist bis zum Anschlag ausgeschöpft. Sie suchen krampfhaft nach Mitteln, die diese Spirale der Expansion weiter ankurbeln würden.

Um es ganz einfach zu machen: das mittelalterliche System funktionierte in etwa so. In einer Stadt gab es 3 Schmiede, 5 Bäcker, 2 Schuhmacher usw. Der Sohn übenahm das Geschäft vom Vater und es gab immer 3 Schmiede, 5 Bäcker... Und die Anzahl der Stadtbewohner war auch relativ konstant. Das ist das Zunftsystem als Teil dieser zinsfreien Wirtschaft. In so einer Wirtschaft braucht man keine Kredite, denn es läuft alles stabil. Soviel Material wie der Schied von 10 Jahren brauchte, brauchte er auch nach 10 Jahren. Er hatte nicht mehr Kunden und musste und konnte nicht mehr verkaufen.

Letzendlich haben grosse Kriege dazu geführt, dass dieses System zerbrach. Kriegsführende Fürsten mussten sich verschulden und brachten dises System aus dem Gleichgewicht.

Und bis heute ist der Krieg der Motor des Zinskapitalismus.

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von RudolfFischer, 15

Aus der Zinsproblematik entstanden im 19. Jahrhundert die Genossenschaften im Bankwesen. Es gab eben Situationen, in denen ein Bauer Geld brauchte, um seinen Betrieb weiterführen zu können. Die Genossenschaft, die seinen Bedarf und seine Zahlungskraft prüfte, bevor er sich verschuldete, schützte ihn so vor Zinswucher und auch vor der eigenen Überschätzung. Ein Restrisiko wurde von der gesamten Genossenschaft getragen.

Zinsen blieben aber notwendig, um den Verwaltungsaufwand (z.B. Gehälter) zu bezahlen und eine Rücklage zur Absicherung des Restrisikos zu bilden. Aber ein möglichst hoher Gewinn war nicht das Ziel. Bis heute wird statt dessen ein Teil des Gewinnes an die Genossen ausgeschüttet.

Ein großer Fortschritt war die demokratische Organisation, bei der jeder Genosse in der Versammlung Stimmrecht hatte.

Noch heute gibt es die genossenschaftlich organisierten Banken (Volksbanken, Raiffeisenbanken u.a.), aber leider
geht das Stimmrecht des Einzelnen immer mehr unter, da auch die Genossenschaftsbanken durch immer stärkere gesetzliche Vorgaben heutzutage praktisch gezwungen werden, laufend zu größeren Einheiten zu fusionieren.

Dabei geht ein wesentlicher Vorteil der Genossenschaften zugrunde, nämlich die persönliche Beziehung der Genossen und ihrer Genossenschaftsangestellten untereinander. Heute ist alles praktisch wieder anonym. Zudem verfallen auch Genossenschaftsbanken zunehmend dem Gewinnstreben als Hauptziel, was dem Genossenschaftsgedanken eben zuwider ist.  

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von Awngr, 11

es steht in den 5 büchern moses, dass man von seinem nächsten keine Zinsen nehmen darf. Unter die Kategorie "Nächster" fallen nach jüdischer Definition nur Juden, d.h. es für Juden verboten, von anderen Juden zins zu nehmen, aber von Nichtjuden (die nicht zur Solidargemeinschaft der Juden gehören, Juden gegenüber keine Verpflichtungen haben, aber umgekehrt haben die Juden ihnen gegenüber auch keine Verpflichtung zu starker Solidarität) dürfen Zinsen genommen werden.

Ich vermute, die Christen basieren ihr Zinsverbot auf denselben abschnitten. Für sie galt es aber nur zeitlich beschränkt, bis irgend ein Papst erlaubte, Zinsen zu nehmen.

Moslems haben auch ein Zinsverbot, aber es gibt mittel, um es zu umgehen, siehe dazu "islamic finance".

Grundsätzlich muss man bei den Zinsen wahrscheinlich unterscheiden zwischen Teuerungsausgleich und eigentlich Zinsen, also "Mietgebühr für das Geld"...

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von findesciecle, 7

Ich erachte es als Irrweg, die Frage der Zinsen  ideengeschichtlich zu betrachten, generell zu historisieren und nebenbei auch noch damit den europäischen Antisemitismus zu erklären. Das Zinsverbot gilt für alle drei Schriftreligionen - ohne jemals Wirkung gezeigt zu haben.  Auch einige Wirtschaftshistoriker begehen den klassischen Denkfehler: Cum hoc ergo propter hoc, um zu argumentieren, dass am Ende des M.A. und in der Frühen Neuzeit  das Zinsverbot für Christen fiel und so das Scheunentor für den Kapitalismus offenstand.

Man sollte das Akteurs-bezogen sehen: kein Akteur A gibt B etwas, ohne die Aussicht es plus Bonum zurückzukommen : Das ist bei allen Primaten so und für die Menschen (wir sind Primaten) aller Epochen ebenso! Ob das Bonum nun ein extra großes Stück Fleisch oder im Mittelalter ein Lehen oder Steuer-,  oder Zollerhebungsrechte oder Produktionsmonopole war ändert nichts daran, dass Zinsen das Normalste der Welt für uns Primaten sind.

Dass das nie wirklich beachtete Zinsverbot in der Frühen Neuzeit völlig erodierte hatte als Ursache nicht die Ideen irgendwelcher Denker sondern z.B. den Edelmetallzustrom aus Amerika -> Kapitaldruck bei einer durch Seuchen zurückgeworfenen europäischen Gesellschaft.     

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von Fontanefan, 13

Das Zinsverbot konnte aber schon im Mittelalter von Christen durch Rentenkauf (https://de.wikipedia.org/wiki/Rentenkauf) umgangen werden.

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von Redefluss, 10

Seinen Ausgangspunkt nahm das schon altkirchliche Zinsverbot im Mittelalter mit dem Zweiten Laterankonzil von 1139, dem Decretum Gratiani, einem ausdrücklichen Zinsnahmeverbot durch Papst Innozenz III. von 1215 und dem Konzil von Vienne von 1311. Danach war es verboten, Zinsen auf verliehenes Geld zu verlangen. Auch Thomas von Aquin sprach sich philosophisch gegen den Zins aus. Zulässig war verzinste Einbringung von Kapital in ein Geschäft (societas) und der im Mittelalter weit verbreitete Rentenkauf(census). Im Übrigen wurde zwischen unzulässiger usura und zulässigem interesse unterschieden. So war auch bei einem Darlehen eine Zinsvereinbarung zulässig, wenn dem Geldgeber ein Vorteil entging (lucrum cessans), er einen Schaden erlitt (damnum emergens) oder die Gefahr des Kapitalverlusts (periculum sortis) bestand. Ein Fall des damnum emergens ist z. B. die Vereinbarung einer Strafgebühr für die verspätete Rückzahlung eines zinslosen, befristeten Darlehens. Nicht unter das Zinsverbot fielen außerdem Geldwechselgeschäfte. Zudem konnten entsprechend privilegierte Gruppen wie Juden und Lombarden verzinste Kredite vergeben. In die Zeit des Zinsverbotes fällt die überwiegende Zahl der deutschen Städtegründungen, der Bau zahlreicher europäischer Kathedralen sowie ein massiver Bevölkerungsanstieg in der Zeit des Hochmittelalters. Die Phase des Zinsverbotes deckt sich mit der Epoche der Gotik (1140–1500).

Das Zinsverbot wurde von den Templern (Ritterorden) und anderen Bankiers durch einen Zuschlag geschickt umgangen.

Im weltlichen Recht wurde das Zinsverbot zunehmend aufgehoben. So legalisierte Heinrich VIII. 1545 nach seinem Bruch mit dem Papst die Zinszahlung. Die Reichsabschiede von 1500, 1548 und 1577 erlaubten nach ihrem Wortlaut einen Zins von 5 % für den Rentenkauf, diese Erlaubnis wurde aber allgemein auch auf Darlehen bezogen. Im Westfälischen Frieden von 1648 wurden mit 5 % verzinste Darlehen für zulässig erklärt. Im Anschluss daran hielt die deutsche Rechtswissenschaft das Zinsverbot für gewohnheitsrechtlich abgeschafft.

Martin Luther wandte sich persönlich auch gegen das Zinsnehmen, im Gegensatz zu Jean Calvin. Dennoch wurde das Zinsverbot bald in allen evangelischen Gebieten Europas, reformierten wie lutherischen, aufgehoben.

Zu Ende des 17. Jahrhunderts sprach sich der niederländische Jurist Gerhard Noodt gegen das Zinsverbot aus. Er begründet dies damit, dass der Erlös aus verliehenem Geld eigentlich dem Eigentümer zustehe, sodass es gerecht sei, den Eigentümer durch Zinsen zu entschädigen. Das biblische Zinsverbot hielt Noodt für unbeachtlich, da es kein ius gentium sei, sondern nur für die Juden untereinander gelte, sodass Christen Zinsen nehmen dürften.

Noch 1745 wandte sich Papst Benedikt XIV. in der an die hohe Geistlichkeit Italiens adressierten Enzyklika Vix pervenit entschieden gegen den Zins. In § 3, Absatz I heißt es:

„Die Sünde, die usura heißt und im Darlehensvertrag ihren eigentlichen Sitz und Ursprung hat, beruht darin, dass jemand aus dem Darlehen selbst für sich mehr zurückverlangt, als der andere von ihm empfangen hat […] Jeder Gewinn, der die geliehene Summe übersteigt, ist deshalb unerlaubt und wucherisch.“

Dazu heißt es an einer entsprechenden Stelle im Neuen Testament bei Lukas:

„Und wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank wollt ihr dafür erwarten? Das tun auch die Sünder. Und wenn ihr nur denen etwas leiht, von denen ihr es zurückzubekommen hofft, welchen Dank wollt ihr dafür? Auch die Sünder leihen Sündern in der Hoffnung, alles zurückzubekommen. Ihr aber sollt eure Feinde lieben und Gutes tun und leihen, auch wo ihr nichts dafür erhoffen könnt. […]“

 

Lk

 

6,33–35 

EU

Innerhalb der katholischen Kirche wurde das Zinsverbot von Papst Pius VIII. in einem Schreiben vom 18. August 1830 an den Bischof von Rennes aufgehoben.

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von soissesPDF, 18

Weil es christlich ist, "Du sollst keinen Gott haben, neben mir", die Kiste mit dem Tanz ums goldene Kalb.
Wo kein Kläger, da kein Richter.

Ein gottesfürchtender Banker ist ein Widerspruch an und für sich.

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von onanas, 26

In der Bibel Lukas 6,34-35 steht:

Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr etwas zu bekommen hofft,
welchen Dank habt ihr davon? Auch die Sünder leihen den Sündern, damit
sie das Gleiche bekommen.Vielmehr liebt eure Feinde; tut Gutes und leiht, wo ihr nichts dafür zu bekommen hofft. So wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Kinder des Allerhöchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.

Das bedeuted, dass der, der verleiht, ohne zurückzuverlangen, wirklich Gutes tut. Es ist nicht wie ein Gebot, vielmehr eine Lebensweisheit. Genause wie: gibt dem Armen usw. Zinsen waren dementsprechend noch weniger erwünscht bzw. Verbot.

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