Frage von hahaha1234, 107

Zeugin behauptet weiterhin ich wäre Täter obwohl der wahre Täter gestanden hat, was passiert?

Hallo,

letzte Woche hat eine Freundin Fahrerflucht nach einem Parkunfall begangen und ich saß als Beifahrer daneben. Eine Zeugin hat das ganze beobachtet und ist der festen Überzeugung dass ich am Steuer saß und meine Freundin Beifahrerin war. Meine Freundin war geständig und hat zugegeben dass sie den Unfall und die Fahrerfluht begangen hat. Die Polizisten meinten sie vermuten weiterhin aufgrund der Zeugenaussage dass ich die Tat begangen hab. Die Täterin und ich behaupten das gleiche nur die eine Zeugin sagt was anderes. Jetzt habe ich Angst verurteilt zu werden obwohl ich unschuldig bin, kann das überhaupt passieren wenn die wahre Täterin gestanden hat?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von TheGrow, 20

Hallo hahaha1234,

aufgrund der Zeugenaussage besteht zumindest  der Verdacht, dass Du und nicht Deine Freundin den Straftatbestand des unerlaubten Entfernens vom Unfallort gem. § 142 StGB  begangen hast.

Dementsprechend leitet die Polizei nicht nur gegen Deine Freundin sondern auch gegen Dich ein Ermittlungsverfahren/Strafverfahren ein.

Im Rahmen des Strafverfahrens,

  • wirst Du noch einmal als Beschuldigte in einem Strafverfahren und
  • Deine Freundin als Zeugin in einem Strafverfahren und
  • die Zeugin logischerweise auch als Zeugin in einem Strafverfahren

zur Vernehmung vorgeladen.

Nach Abschluss der Ermittlungen, geht die Ermittlungsakte an die Staatsanwaltschaft, die dann Anhand der Aktenlage entscheidet, ob sie gegen Dich Klage erhebt oder das Verfahren gegen Dich nach folgender Rechtsgrundlage einstellt.

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§ 170 StPO - Entscheidung über eine Anklageerhebung

(1) Bieten die Ermittlungen genügenden Anlaß zur Erhebung der öffentlichen Klage, so erhebt die Staatsanwaltschaft sie durch Einreichung einer Anklageschrift bei dem zuständigen Gericht.

(2) Andernfalls stellt die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein. Hiervon setzt sie den Beschuldigten in Kenntnis, wenn er als solcher vernommen worden ist oder ein Haftbefehl gegen ihn erlassen war; dasselbe gilt, wenn er um einen Bescheid gebeten hat oder wenn ein besonderes Interesse an der Bekanntgabe ersichtlich ist.

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Sollte die Staatsanwaltschaft Klage erheben, kommt es zu einer Hauptverhandlung, in der Du Dich vor einem Richter verantworten musst.

Eine Verurteilung ist nur dann möglich, wenn der Richter keine Zweifel daran hat, dass Du und nicht Deine Freundin den Straftatbestand des unerlaubten erfüllt hast.

Kann der Richter nicht ausschließen, dass Deine Freundin die Täterin war, bestehen Zweifel an der Tatbegehung, so dass der juristische Grundsatz :"In dubio pro reo - Im Zweifel für den Angeklagten" anzuwenden ist und Du freizusprechen bist.

Kommt der Richter aber zu dem Schluss, dass keine Zweifel an der Tatbegehung hast, ist auch zusätzlich eine Verurteilung nach folgender Rechtsgrundlage möglich, da Du ja angeben hast, dass Deine Freundin gefahren ist:

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§ 164 StGB - Falsche Verdächtigung

(1) Wer einen anderen bei einer Behörde oder einem zur Entgegennahme von Anzeigen zuständigen Amtsträger oder militärischen Vorgesetzten oder öffentlich wider besseres Wissen einer rechtswidrigen Tat oder der Verletzung einer Dienstpflicht in der Absicht verdächtigt, ein behördliches Verfahren oder andere behördliche Maßnahmen gegen ihn herbeizuführen oder fortdauern zu lassen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer in gleicher Absicht bei einer der in Absatz 1 bezeichneten Stellen oder öffentlich über einen anderen wider besseres Wissen eine sonstige Behauptung tatsächlicher Art aufstellt, die geeignet ist, ein behördliches Verfahren oder andere behördliche Maßnahmen gegen ihn herbeizuführen oder fortdauern zu lassen.

(3) Mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren wird bestraft, wer die falsche Verdächtigung begeht, um eine Strafmilderung oder ein Absehen von Strafe nach § 46b dieses Gesetzes oder § 31 des Betäubungsmittelgesetzes zu erlangen. In minder schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren.

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Aber meines Erachtens nach, ergibt sich aus Deiner Schilderung, dass der Richter zumindest zu dem Schluss kommen muss, dass Zweifel daran bestehen, dass Du die Fahrerin warst, so dass dieser das Verfahren gegen Dich einstellen wird.

Schöne Grüße
TheGrow

Kommentar von hahaha1234 ,

Vielen lieben Dank für die ausführliche Antwort. Gibt mir ein bisschen Hoffnung.

Antwort
von Sumselbiene, 46

Es kommt häufig vor, dass bei solchen Unfällen Fahrer und Beifahrer das gleiche sagen, ein Zeuge aber etwas anderes. Weil es leider eben auch oft vorkommt, dass der eigentliche Fahrer, der den Unfall auch verursacht hat, aus irgendwelchen Gründen nicht als Fahrer in erscheinung treten will. Sei es, weil er getrunken oder Drogen genommen hat, weil er gar keinen Führerschein hat etc.

Daher ist es es verständlich, dass die Polizei da genau nachhakt.

Sollte es sich aber gar nicht belegen lassen, wer gefahren ist, wird dir wohl auch nichts passieren, denn dann haben sie an sich nur Aussage gegen Aussage. Da ihr zu zweit seid, wird dann wohl deine Freundin dafür belangt.

Antwort
von Paguangare, 64

Der Richter wird entscheiden müssen, welche Version er für wahr hält.

Es könnte immerhin sein, dass deine Freundin dich aus irgendwelchen Gründen würde decken wollen, wenn in Wirklichkeit du die Tat begangen hättest, z.B. weil die Strafe für dich aufgrund deines Vorlebens höher ausfallen würde als für sie.

Richter wissen aber auch, dass die Glaubwürdigkeit von Zeugen nicht immer 100%ig ist. Häufig sind Zeugen von ihrer Beobachtung überzeugt, obwohl sie objektiv falsch ist.

Kommentar von hahaha1234 ,

Es besteht ja keinen Grund mich decken zu wollen. Wir besitzen beide eine Fahrerlaubnis, beide ohne Punkte oder Unfälle, beide nicht vorbestraft. Wird das berücksichtigt, dass die Strafe gleich ausfallen würde und es keinen Grund der Deckung gibt?

Kommentar von Paguangare ,

Wurde auch bei euch beiden ein Alkohol- und Drogentest vorgenommen, der negativ ausgefallen ist?

Kommentar von hahaha1234 ,

Da es früh am Morgen war und wir auf die Polizisten nüchtern wirkten (was wir auch waren) leider nicht. Hätte uns glaub ich mehr Sicherheit gegeben oder?

Kommentar von Paguangare ,

Ja schon. Jetzt könnte man spekulieren, dass du den Unfall gebaut hast und noch Restalkohol im Blut hattest, während deine Freundin nüchtern war. Deshalb hättet ihr euch verabredet, dass deine Freundin sich als Fahrerin ausgibt, weil ihr ja nicht im Voraus wusstet, dass der Polizist euch keinen Alkoholtest würde machen lassen. 

Aber das ist schon sehr um die Ecke gedacht, und es gibt schließlich keinerlei Beweise für diese These.

Antwort
von EdnaImmers, 39

Wenn die Zeugin glaubwürdiger ist als Du oder Deine Freundin - wird ihr eher geglaubt werden weil sie " neutral" ist. Sie hat weder einen Vorteil noch einen Nachteil - warum sollte sie also "falsch" aussagen?

Du und Deine Freundin seid beide involviert und könntet euch abgesprochen haben. 

Wenn Du einen Nachteil durch den Unfall hättest-  ( Verlust von Versicherungsrabatten oder weil Du in irgend einer " Bewöhrungzeit" bist .... ) könnte Deine Freundin aus Gefälligkeit sich selbst beschuldigen.

Kommentar von hahaha1234 ,

Kann ja sein dass die Zeugin was falsch gesehen hat? Wird das nicht in Erwägung gezogen? War relativ früh am Morgen. Ich hätte keinen Nachteil: nicht vorbestraft, keine Punkte, Fahrerlaubnis.

Kommentar von EdnaImmers ,

Es wird alles in Erwägung gezogen. 

Die Polizei wird sich aufgrund ihrer Erfahrungen so geäußert haben - ich denke das kannst Du nachvollziehen. 

Wenn es zu einer Anklage kommen sollte wird vom Richter entschieden wer glaubwürdiger ist. Bleib cool und lass es drauf ankommen ..... 

Antwort
von toomuchtrouble, 41

Wenn die Zeugin glaubwürdig und seriös erscheint (idealerweise Mitte 50 und pensionierte Lehrerin), sie kein persönliches Interesse an Deiner Strafverfolgung hat, sie keinen Blindenhund braucht und vor allem, wenn sie ihre Zeugenaussage widerspruchsfrei machen kann, liegt die Latte für Euch verdammt hoch.


Kommentar von hahaha1234 ,

Das ist doch Mist dass man als unschuldiger verurteilt wird weil eine Frau Mitte 50 ihre Brille nicht auf hat. Kann ich mit Mitte 50 als pensionierter Lehrer auch nach Lust und Laune Menschen beschuldigen und die werden dann verurteilt?

Kommentar von toomuchtrouble ,

Kann ich mit Mitte 50 als pensionierter Lehrer auch nach Lust und Laune Menschen beschuldigen.

Darum geht es nicht. Sie hat im Gegensatz zu Deiner Freundin kein offensichtliches Motiv, Dich zu beschuldigen. Wenn sie das ganze nach den juristischen Realitätskriterien widerspruchsfrei schildert, wird das Gericht ihre Aussage höher bewerten als die Deiner Freundin.

http://blog.beck.de/2012/12/06/olg-frankfurt-so-wird-eine-zeugenaussage-beim-ver...

Als Realitätskriterien gelten beispielsweise der Detailreichtum einer Aussage, die Schilderung von Komplikationen, deliktstypische Einzelheiten, individuelle Prägung, Schilderung von gefühlsmäßigen Reaktionen; psychische Folgewirkungen, Verflechtung der Angaben mit anderen Geschehnissen und das Nichtsteuerungskriterium
(inhaltlich und chronologisch nicht geordnete, sprunghafte Wiedergabe)

Zuletzt... da Du solche Zusammenhänge nicht einmal denken kannst und ziemlich herumpolterst, kann ich Dir nur dringend raten, Dir einen Anwalt zu nehmen und vorerst zur Sache nichts auszusagen.

Kommentar von hahaha1234 ,

Meine Freundin hat auch keine Gründe mich zu decken, ich stand weder unter Drogen noch bin ich vorbestraft, noch hab ich Punkte o.ä. Und ich bin extrem wütend dass ich verurteilt werden kann obwohl ich doch gar nichts gemacht hab :-( Anwalt ist natürlich eingeschaltet.

Kommentar von toomuchtrouble ,

Meine Freundin hat auch keine Gründe mich zu decken

Wenn die Zeugin sich nicht durch irgendeinen Unsinn um Kopf und Kragen redet, wird ihre Aussage höher bewertet als die Deiner Freundin, die ein Motiv hat, Dich zu entlasten, nämlich, dass sie Deine Freundin ist.

Oder anders: warum sollte die Zeugin lügen? Und noch etwas: Alter geht vor Schönheit, auch wenn Gerichte das niemals zugeben werden.

Kommentar von hahaha1234 ,

Ich sag ja nicht dass sie mit voller Absicht lügt. Allerdings besteht doch die Möglichkeit dass sie einfach was falsch gesehen hat! Es war schließlich am frühen Morgen und noch nicht ganz hell und total wach wird sie sicherlich auch nicht gewesen sein. Und andernfalls: was hätte meine Freundin davon sich selbst zu belasten, wenn die Strafe für uns beide gleich ausfallen würde? Ich würde die Schuld auf mich nehmen, wenn ich denn den Unfall gebaut hätte. Hab ich aber nicht.

Antwort
von wiki01, 25

Es gibt in der Rechtsgeschichte massenweise Fälle, in denen einer freiwillig die Schuld des anderen übernimmt. Die Gründe sind vielfältig. Bei dir weiß ich nicht, was war. Aber das Gericht glaubt einer Zeugin, die keinen besonderen Belastungseifer an den Tag legt, mehr, als 2 Personen, die befreundet sind und Zeit hatten sich möglicherweise abzusprechen.

Wenn diese Zeugin euch beide nicht kennt, warum sollte sie sich durch eine falsche Aussage selbst der Strafverfolgung aussetzen? Wenn bei einer Verhandlung das Gericht zu der Überzeugung kommt, dass die Zeugin glaubwürdig ist, kann es für dich eng werden.

Kommentar von hahaha1234 ,

Anscheinend hat sie was falsch gesehen, wird das nicht in Erwägung gezogen? Ich werf ihr ja nicht vor dass sie lügt, sondern das ihre Aussage objektiv falsch ist. 

Kommentar von toomuchtrouble ,

Genau hierfür solltest du Dir einen Anwalt suchen. Objektiv falsch wäre ihre Aussage z.B. dann, wenn sie von der Position, die sie angibt, gar nicht sehen konnte, wer am Steuer sass oder wenn ihre Zeitangabe nicht stimmen kann.

Du selbst bist leider nicht in der Lage nachzuvollziehen, dass zum Beispiel ein Typ, Anfang 20, mit tiefergelegtem BMW und mit seiner Mandy aus dem Nailstudio, die dauernd "ka Ahnung und so" plappert, weniger glaubwürdig ist, als eine Zeugin, die widerspruchsfrei aussagt, dass Du am Steuer gesessen hat. Das gilt vor allem dann, wenn sie nach Lage der Dinge keinen Grund hat, Dich zu belasten.

Kommentar von hahaha1234 ,

Abgesehen davon, dass ich keinen tiefergelegten BMW fahren und auch keine Mandy aus dem Nagelstudio an meiner Seite habe, verstehe ich schon was du meinst. Aber wenn du das schon erwähnst, wird auch der soziale Hintergrund beachtet? Ich mach eine Ausbildung in einem bekannten und guten Betrieb, sie ist Abiturientin und studiert demnächst BWL. Also so asozial sind wir nun auch nicht. 

Antwort
von brennspiritus, 28

Verlass dich auf die Menschenkenntnis des Richter. Der weiß, wie man die richtigen Fragen stellt. Sprich dich nicht zu sehr mit deiner Freundin ab. Ihr habt das Selbe erlebt, es ist nicht wichtig, dass ihr den vorfall in gleichen Worten schildert.

Versuche weitere Zeugen zu finden.

Antwort
von Kuestenflieger, 18

weiß die zeugin das in deutschland der fahrzeuglenker links ist ?

kam die gerade vom england urlaub ?

Kommentar von hahaha1234 ,

Gute Frage. Vielleicht hat sie auch einfach nur vergessen ihre Brille aufzusetzen. 

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