Solipsist am 10.10.2007 um 22:42 Uhr
Groß- und Kleinschreibung werden weitestgehend ignoriert, Interpunktion ist scheinbar sowieso nicht nötig, Abk. und Amerikanismen wohin man nur schaut. Ich muss sagen ich bin froh darum meine Jugend ohne das Web erlebt zu haben. Meinetwegen, WTF, jedem das seine. Aber um korrekte Rechtschreibung geht es mir nicht einmal so sehr, da bin ich auch kein Ass. Doch ein Mindestmaß an sprachlicher Kultur sollte sich schon erhalten, da werde ich fast schon konservativ. Wie sieht das langfristig aus? Niedergang der Sprachkultur? ....Mein Auge feuchtet sich ob solch übler Kunde.

Auf jeden Fall. Denn es wird über kurz oder lang das Leseverhalten der Jugendlichen verändern.

Niedergang der Sprachkultur?
Nein, so drastisch würde ich es nicht ausdrücken, aber Sprache ist etwas Lebendiges und verändert sich im Laufe der Zeit - kein Mensch redet heute noch so, wie unsere Großeltern oder Urgroßeltern.
Ich habe heute im Radio gehört, daß das Comic-Heft (Micky Mouse & Co) heuer 40 Jahre alt geworden ist und mußte insgeheim lächeln, weil meine Mutter diese "Schundhefte" so verteufelt hat und auch befürchtete, daß ich bald nur mehr mit "peng", "ächz", "grmpf" und "wumm" sprechblasenmäßig unterwegs sein würde.. ;-))
.. und aller Befürchtungen zum Trotz, habe ich mir doch noch ein vernünftiges Deutsch angeeignet und mir sogar einige "Weltliteraten" zu Gemüte geführt...

Übertriebene Panikmache. Eine ähnliche Diskussion gibt es in Bezug auf den schädigenden Einfluß von Anglizismen auf die deutsche Sprache. Sprachen sind Veränderungen ausgesetzt und entwickeln sich stetig weiter. Jugendslang und andere irrwitzge Sprachauswüchse gab es immer und wird es immer geben. Genauso aber auch Menschen, die die Sprache in all ihrer Vielfalt schätzen. Ich sehe da keine Probleme.
Solipsist am 10. Oktober 2007 23:24 und wenn isch weiß wo dein haus wohnt alder?
Plutonium Kaffeesatz (strahlend glücklich) am 10. Oktober 2007 23:31 Dann kommst Du konkret krass mit Deinen homies in meine hood.
ich glaube schon. im chat lernen die kids einfach nicht mehr, sich normal schriftlich auszudrücken. merkt man ja auch hier: ich schreibe immer klein. aber keine sorge, kann auch anders im "normalen" leben. was ich meine: im chat oder prinzipiell im netz oder in mails schreiben alle so, wie sie sprechen. wie gesagt, kein problem, wenn man auch anders kann. wenn man aber den ganzen tag im chat hängt, wie soll man es dann anders lernen? dazu kommt noch, dass die kids lieber fernsehen als zu lesen, was ja auch nicht gerade förderlich für die entwicklung des sprachgefühls ist...
Bedburdyck am 11. Oktober 2007 04:18 Diese Kleinschreibe nervt!

Ich beobachte, dass die Sprache degeneriert. Ihre Pflege wird ua. konterkariert durch nonverbale Kommunikation wie SMS (incl. Shortcuts) und Internet (ua. Quelle von Anglizismen). Gleichzeitig bietet diese Technik Möglichkeiten, auf die ich nicht verzichten möchte. Bzgl. heutiger Kommunikationsmöglichkeiten bezeichne ich den aktuellen Zustand mit all seinen Auswirkungen als Distanzierte Nähe. Gesellschaftliche Folgen sind bereits sichtbar.
Solipsist am 10. Oktober 2007 23:23 Z.B. dass ich früher bei der Frau Michl eingekauft habe und nach dem Befinden gefragt wurde, und ich heute mich nicht darum schere wer bei Lidl mein Zeug abrechnet. Stimmt! Leider.

Diese ganzen Anglizismen mag ich auch nicht, aus dem einfachen Grund, dass es meist auch einen genauso passenden deutschen Ausdruck gibt ("cooles Game" statt "tolles Spiel"). Ich muss allerdings zugeben, dass ich in SMSen auch nur Kleinbuchstaben verwende, da mir das ständige Umschalten zu umständlich ist.
Die kulturpessimistische Ansicht, dass daran unsere Sprache kaputtgehen wird, teile ich jedoch nicht.
Zu allen Zeiten wurde schon in irgendeiner Form der Untergang der Kultur beschworen. Sokrates war beispielsweise vehement gegen die Schrift, da er befürchtete, sie schwäche das Gedächtnis und somit das Denken; die Geschichte hat aber gezeigt, dass sie eine unvorstellbare Bereicherung war und ist.
Und auch, als im 17. Jahrhundert der Roman "erfunden" wurde, stand er im Verdacht, er "verdürbe" die Jugend. Wer würde heute noch behaupten, lesen sei schlecht für Kinder und Jugendliche? Das Gegenteil ist der Fall.
Von daher denke ich, dass vieles zwar sehr störend, aber dennoch nicht so dramatisch ist.
Solipsist am 10. Oktober 2007 23:27 Klingt zugegebenermaßen beruhigend.
die deutsche sprachkultur ist bereits mit Karl May niedergekommen (aehm niedergegangen) mindestens jede generation (von Lehrern) sagt genau dieses. Angefangen von Karl May (ganze generationen mussten Karl May unter der Bettdecke lesen) Rockmusik - der untergang des Westlichen abendlandes, Beat - Langharige schulschwaenzter, Flower Power - Hippys die rumsitzen und nix machen die verdorbene generation uberhaupt... wir koennten so lange weitermachen... finde dich damit ab das Du aelter und Konservativer wirst ;-) ich hab auch lange gebraucht um das zu akzeptieren

Wieso "künftiger" Generationen?
Hast Du nicht auch den Eindruck, dass das auch heute schon deutlich zu verspüren ist bei allen, die viel Chatten oder Simsen?
Solipsist am 11. Oktober 2007 20:58 Selbstverständlich, ja.
DH
das hat man wegen Kino, Radio, oder TV auch schon gesagt
Ich lese oft diese DH. Was bedeutet es ?
So sehe ich das halt leider auch.