Frage von divesgent, 99

Zentralbank: Gewinne für gar nichts?

Die Zentralbank bringt ja sämtliches Zentralbankgeld in den Umlauf (also Bargeld+Einlagen bei der Zentralbank). Die Geschäftsbanken müssen ja eine Hinterlegung bieten und bezogene Kredite zurückbezahlen. Nun ist das Geld, das die Zentralbank verleihen ja ganz einfach von ihnen erschaffen und die einzigen Kosten sind die paar Cents, die die Banknoten kosten. Somit entsprechen die Gewinne ja praktisch der Geldmenge M0 (also dem Zentralbankgeld). Ist das richtig? Wenn ja, was passiert mit den Gewinnen?

Antwort
von MonkeyKing, 41

Das ganze ist ein bisschen komplizierter. Die Gewinne der Zentralbank kommen aus verschiedenen Quellen, im Jahr 2011 waren das etwa  643 Millionen Euro (Quelle: http://www.wiwo.de/politik/europa/staatsfinanzen-warum-eine-zentralbank-gewinne-...). Die Gewinne fliessen in den Staatshaushalt.

Kommentar von divesgent ,

Kannst du mir das erklären? Denn es sind ja 900 Milliarden Euro Bargeld im Umlauf, alleine dadurch hätte die EZB ja schon 900 Milliarden Euro Bruttogewinn, da die Geschäftsbanken ihnen dieses Geld ja "abkaufen" mussten, natürlich über die Jahre verteilt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Zentralbank so leicht Geld machen kann, aber ich weiss keine Erklärung.

Kommentar von Fielkeinnameein ,

Ich raffe nicht was man daran nicht verstehen kann. Das Geld gab es schon bevor es die Zentralbank gab und irgendwann wurden Mark usw. in Euro umgetauscht. Die Zentralbank hat deswegen doch nicht 900 Mrd Euro Gewinn gemacht nur weil mittlerweile 900 Mrd Euro Bargeld im Umlauf sind die über die Jahre getauscht wurden.

Kommentar von divesgent ,

Wenn ich das nun richtig verstanden habe, dann verdient die Zentralbank aber durchaus mit der Herstellung von Geld und zwar erheblich. Dies nennt man dann Seignorage, wenn das stimmt habe ich das Prinzip nun verstanden.

Kommentar von MonkeyKing ,

Das ist wohl richtig. Sie haben eben die Lizenz, Geld zu drucken. Nur können sie das nicht beliebig und ohne Grenzen, dafür gibt es Regeln.

Kommentar von MonkeyKing ,

Wenn die Zentralbank unabhängig ist (wie in Deutschland) kann der Staat das Geld aber nicht direkt verwenden sondern nur den Gewinn der z.B durch Zinsen entsteht. Es bleibt also bei der Bank, bzw. in deren Büchern.

Antwort
von BurgN, 9

Hallo,

das ausgegebene Geld wird nicht als Gewinn verbucht. Es wird bei Rückzahlung einfach verschwinden. Als Gewinn entsteht lediglich der Zinsertrag für die Zentralbank.

Der Gewinn der Zentralbank geht an deren Inhaber, den Staat, also uns.

Siehe auch Seigniorage.

Schöne Grüße

Antwort
von FrageSchlumpf, 26

Nein, die Zentralbank macht nicht Gewinn in Höhe der Kredite, sondern wie jede andere Bank nur Gewinn in Höhe der Zinsdifferenz.

Nur weil die Bank Kredite angeblich "aus dem Nichts" ( deshalb hasse ich diese Formulierung, weil sie so irreführen ist, genauso wie "Geldschöpfung ) erzeugen kann, heißt das noch lange nicht, dass die Rückzahlung des Kredites ein Gewinn ist.

Sieh es doch mal so. Gewinn ist alles, was dein Nettovermögen erhöht.

Durch den Kredit steigt das Nettovermögen nicht, auch nicht durch die Rückzahlung ( = Aktivtausch ). Durch den Zins bzw. die Zinsdifferenz steigt das Nettovermögen aber an.

Kommentar von divesgent ,

Gut aber woher hat die Zentralbank das Geld? Sie druckt es und danach besitzt sie es, sie erwirtschaftet es nicht. Stimmt doch? Wenn sie 2.000.000 € druckt, dann macht sie auch 2.000.000 € Bruttogewinn, den sie obendrauf noch für Zinsen verleihen kann. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich irgendetwas falsch vestehe, da dies ziemlich unplausibel klingt, aber ich brauche eine Erklärung.

Kommentar von Fielkeinnameein ,

Es ist doch nicht so schwer .. stell dir vor du machst eine Bank auf und Leute bunkern Geld bei dir .. Dann machst du Geld durch die Zinsen wenn sich Leute bei dir Geld leihen .. wenn dir jetzt die Leute 100000 Euro bringen und jmd kommt und will 100000 Euro haben die du ihm dann gibst + Zinsen .. hast du doch keine 100000 + Zinsen Gewinn gemacht. Du bekommst nur Geld durch Zinsen und das man nicht einfach unendlich viel Geld drucken kann, welches einem dann "gehört" sollte auch klar sein.

Kommentar von divesgent ,

Ja, aber ich spreche von dem Geld, das neu in den Umlauf gebracht wird. Generell nimmt die Geldmenge ja jährlich zu und die Zentralbank verleiht auch Geld, das nicht von anderen Banken stammt, sondern das sie selbst erschaffen. Ich habe durch MonkeyKing nun erfahren, dass das was ich meine Seignorage heisst, die Differenz zwischen Herstellungskosten und Wert einer Banknote und dass das durchaus als Gewinn verbucht wird.

Kommentar von FrageSchlumpf ,

MonkeyKing kennt sich glaube ich auch etwas aus. Er/Sie hat nirgends geschrieben, das Seignorage der Unterschied zwischen Herstellungskosten und "aufgredrucktem" Wert auf den Geldscheinen ist.

Kommentar von FrageSchlumpf ,

Ich vermute, Du verstehst Buchführung nicht.

Grundsatz : "Per" und "An" . Es wird bei jeder Buchung immer zwei Konten angesprochen.

Bei der Kreditgewährung an eine Bank "per Forderungen an Kreditinstitute an Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten". D.h. die Aktiva steigt, die Passiva aber auch. Der Kredit ist kein Nettovermögen !!!

Genau verhält es sich mit dem Bargeld. Das steht als Verbindlichkeit in der Zentralbankbilanz und den Krediten an Banken gegenüber. Da ist kein "Gewinn" drin, außer durch Zinsen.

Kommentar von divesgent ,

Doch verstehe ich, hat aber wenig mit meiner Frage zu tun. Meine Frage betraf die Seignorage, von der ich annahm, dass sie nicht existiere, da dies zu leicht gemachtes Geld wäre.

Kommentar von FrageSchlumpf ,

Hä, Du schreibst die ganze Zeit, dass die Zentralbank 100 % des Bargeldumlaufs als Seignorage vereinnahmt.

Es ist aber so, dass z.B. zur Zeit die Zentralbank 0,05 % des Bargeldumlaufs verdient.

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