Frage von rotesand, 98

Zeitungsbericht eines anderen Autoren fast komplett kopiert und als eigenen ausgegeben - was kann man da machen?

Hallo!

Habe heute eine kurze Frage zum Thema Pressewesen/Urheberrecht!

Folgender Sachverhalt: Person A setzt einen Text für die Zeitung auf, den Person B inhaltlich sinngemäß "adaptiert" (manche Passagen werden allerdings ungeändert übernommen, sodass die "Kopie" ersichtlich wird) und an die Redaktion eines Gemeindeblatts schickt, wo das Ganze in seinem Namen und seiner Autorenschaft abgedruckt wird.

Person B bedient sich auch einem Foto, das Person A aufgenommen hat und reicht es dort ebenfalls unter seinem Namen ein, unter dem es dann auch veröffentlicht wird.

Der Artikel mit Bild erscheint in dem Gemeindeblatt allerdings noch vor dem geplanten Abdruck in der Tageszeitung. Grund: Person B erhielt den Text und verschiedene Fotos nachweislich von Person C, der Person A, die den Artikel für den Verein von Person C schrieb, dieser als "Vorabkopie" vor Veröffentlichung des Texts in der Zeitung wunschgemäß übersendet hat.

Was kann man da konkret machen, wenn alles nachweisbar ist? Wer ist da (wenn überhaupt) zur Rechenschaft zu ziehen ---------> Person B allein oder auch Person C?

Wäre mal interessant. Vielen Dank für Ratschläge & schöne Weihnachtstage für euch :)

Schöne Grüße :)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von GerdausBerlin, Community-Experte für Urheberrecht, 36

Im Grunde hat Poster segler1968 alles schon erklärt, erwähnt werden muss aber noch, dass es anders aussehen kann bei Presse-Mitteilungen und bei PR-Artikeln. Hier kann der Auftraggeber eines Textes (ein Verein, eine Partei, ein Unternehmen usw.) und auch der Adressat eines Textes in der Regel davon ausgehen, dass er das Material nicht nur frei verwenden darf (das steht auch oft darunter), sondern dass er auch frei aussuchen darf, welche "Urheberbezeichnung" (vgl. UrhG § 13) er im Text verwendet - also auch seine eigene.

Welcher Fall hier vorliegt, müsste man minutiös prüfen. Es kann sich hier handeln um

  1. frei zu verwendendes PR-Material,
  2. eine Auftragsarbeit, bei dem der Auftraggeber das "ausschließliche Nutzungsrecht" eingeräumt bekommen hat im Sinne von UrhG § 31,
  3. eine "widerrechtliche Verletzung" des Urheberrechts im Sinne von UrhG § 91.

Zur Fall 1: Der Autor des Gemeindeblattes und das Blatt selbst kriegen sicher regelmäßig massenhaft PR-Material zugeschickt. Es ist branchenüblich, dies frei zu verwenden - egal, ob es von der Regierung stammt, von VW oder vom örtlichen Turn- und Sportverein 1878 e. V.

Schließlich wollen diese Interessengruppen Erwähnung finden im Blatt, am besten im Sinne ihrer Interessen, am allerbesten "verpackt" als objektiver Artikel eines Blatt-Mitarbeiters.

Ob hier solch ein Missveständnis vorlag, kann man ja mal prüfen.

Zu Fall 2: Wenn ein Vertreter eines Vereins einem Autor den Auftrag gibt, "Schreib doch mal was über unser Nikolaus-Turnier!", dann könnte das konkludent bedeuten: "Schreib mir einen Text, den wir beide dann so breit wie möglich verbreiten - um den Verein und das Turnier zu bewerben, um beide bekannt zu machen, um beider Ruf zu verbessern = PR, Public Relations, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben!"

Das kann so sein, das muss nicht so sein. Aber sicher war der Vereinsvertreter als Auftraggeber deines Textes dieser Ansicht. Dann kann man das klären - auch per Abmahnung und per Klage "auf Unterlassung und Schadensersatz" (UrhG § 97), eventuell auch für die Vergangenheit,  aber möglicherweise auch erst für die Zukunft.

Siehe Fall 3 und Poster segler1968.

Gruß aus Berlin, Gerd

Antwort
von segler1968, 42

Das ist ganz einfach: Du kannst Person B natürlich verklagen wegen Verstoß gegen das UrhG. Mit allem drum und dran: Abmahnung, Schadensersatz, Richtigstellung im Gemeindeblatt etc. Nimm Dir einen Anwalt. Gerade wegen des Bildes (das reicht ja schon) ist das eine sichere Sache.

Person C kannst Du nur verklagen, wenn Person C irgendeine Art von Geheimhaltungserklärung vorher unterschrieben hat. Sonst wird das schwer. Der kann immer behaupten, dass er das rein privat kopiert und weitergegeben hat (was er darf) und keine Ahnung hatte, dass B das unter seinem Namen veröffentlicht. Aber als Zeuge kann er natürlich vor Gericht geladen werden und das ist dann ja schon peinlich genug.

Expertenantwort
von ThomasMorus, Community-Experte für Copyright & Urheberrecht, 25

Hallo rotesand,

über "Arbeitsethik" im Lokaljournalismus kann man Stunden lang diskutieren. Tatsache ist: Speziell die lokalen Zeitungen und Anzeigenblätter stehen seit Jahren unter riesigem finanziellen Druck, weil ihnen einerseits die Leser wegsterben und andererseits professioneller Druck immer weniger kostet und sehr viel neue Konkurrenz entstanden ist.

Da bleibt nur die Personalkosten zu drücken. Und dann werden eben immer weniger Selbst recherchierte Artikel veröffentlicht und immer mehr angepasste Vereinspressemeldungen, weil die Journalisten nicht mehr die Zeit und die Mannstärke für fundierte Artikel haben.

Aber zum eigentlichen juristischen Problem: Gerd aus Berlin und segler1968 haben es ja bereits heraus gestellt: Ich kenne den genauen Inhalt eurer jeweiligen Vereinbarungen nicht. Generell gilt es aber als üblich, dass Pressemeldungen in Zeitungen abgedruckt werden dürfen. Wenn B also nicht klar kommuniziert wurde, dass es sich bei dem Text und den Bildern nicht um offizielles Pressematerial handelt, hat er womöglich nicht vorsätzlich gehandelt.

Ein eindeutiger Rechtsverstoß liegt hier auf jeden Fall vor: Man kann keine Texte und schon gar keine Bilder einfach unter einem falschen Autoren-Namen veröffentlichen. Das verstößt ganz klar gegen das Recht auf Anerkennung der Urheberschaft nach §13 UrhG. Und das ist auch in der Lokalpresse so nicht üblich.

Gerade in solchen Fällen verstehen Gerichte auch keinen Spaß.

Antwort
von Ilyana, 54

Dieses Problem kenne ich nur zu gut. Meine Artikel und Fotos tauchen auch ständig irgendwo in irgendwelchen gratis Wochenendblättchen wieder auf. Manchmal sogar wörtlich kopiert von unserer Website. Mein Chef sendet meine Artikel dann als "Pressemitteilung oder Presseinfo" auf Anfrage an die Zeitungen (z.B. wenn einer der Journalisten es nicht geschafft hat selber zu einem Termin zu erscheinen) und die drucken den Text dann fast wortgenau ab, fügen noch ein Zitat ein, schreiben ihren eigenen Namen drunter und werden natürlich auch dafür bezahlt. Mich ärgert das immer unheimlich aber da ich derzeit nur eine 1Euro Kraft bin und mein Chef nicht mit sich reden ließ diesbezüglich, kann ich da leider rein garnichts machen. Mir bleibt einzig das WIssen, dass dieser Artikel eigentlich aus meiner "Feder" stammt, obwohl ein anderer das Gehalt und die Lorbeeren dafür einheimst. Das kann manchmal sehr frustrierend sein. 

Vielleicht könnte man in Zukunft den Text nur stichpunktartig rausschicken oder darauf bestehen, dass der Artikel nicht vor dem Original abgedruckt und veröffentlicht wird. Alternativ sollte zumindest eine Quelle genannt werden. Das wäre dann immerhin noch semi professionell. 

Leider kann ich sonst dazu auch keinen Rat geben, alllerdings würde auch mich grundsätzlich die rechtliche Lage in so einem Fall auch interessieren.

 

Kommentar von rotesand ,

Vielen Dank für deinen fundierten Kommentar ---------> sehr hilfreich und detailliert, große Klasse :)

Frohe Weihnachten dir.

Kommentar von segler1968 ,

Für so etwas gibt es in anderen Bereichen Geheimhaltngserklärungen (NDA - Non Diclosure Agreement), die der Empfänger erst unterschreiben muss. Gibt er es dann dennoch weiter, wird eine saftige Vertragsstrafe (500.000 Euro sind nicht unüblich) fällig. Eben eine Strafe, die ihn wirksam davon abhält, das auch nur in Erwägung zu ziehen.

Gäbe es keine NDAs, würde die halbe Wirtschaft nicht funktionieren, weil man keinerlei Vertraulichkeit von Dokumenten und anderen Informationen hätte.

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