Frage von impressimo, 72

Zeitungsartikel: Fehler (Biologie)?

Hallo liebe gutefrage.net-Community, ich soll mich für den Biologie Unterricht kritisch zu einem Zeitungsartikel äußern und die darin enthaltenen Fehler korrigien. Allerdings finde ich nicht wirklich heraus, was genau an dem geschrieben denn inhaltlich falsch ist.

Hier der Artikel:

["Seen sterben weiter! Seen in Gefahr Gibt es bald keine Lebewesen mehr in Seen? Berlin(05.02.2011) Wie das Internationale Institut für Seenforschung(ISeFo) vergangenen Monat mitteilte, kommt es auch in diesem Jahr wieder zu einem weiteren dramatischen Absterben der Seen. Genauere Untersuchungen haben ergeben, dass die Sterberate der Tiere der tropholytischen Schjcht, wieder einmal drastisch gestiegen ist, Aufgrund der fehlenden Sonneneinstrahlung und somit einer negativen Nährstoffbilanz ist ein Pflanzenwachstum in dieser Schicht nicht mehr möglich Es gibt keine Sauerstoffproduktiom mehr der sichere Tod für alle Organismen. In der trophogenen Schicht hingegen findet man weiterhin hohe Populationsdichten diverser Organismen vor, da dort durch das einfallende Licht und somit die stattfindende Sotosynthese mehr Nährstoffe gebildet als verbraucht werden. Betrachtet man jedoch das gesamte Ökosystem See so Prof. Dr. Anselm, ist die Bedrohung deutlich zu erkennen. Dies wird vor allem dann deutlich, wenn man bedenkt, dass im Winter alle Seen zugefroren sind und sie noch weniger Sonneneinstrahlung bekommen."](dpa)

Danke im Voraus für Eure Hilfe

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von PolanStronk, 24

Also mein letzter Kurs in Ökologie ist schon etwas her, also verlass dich bitte NICHT zu 100% auf meine Antwort.

Es wird berichtet, dass es ein Problem sei, dass Leben in der tropholytischen Schicht nicht möglich ist.
Die tropholytische Schicht ist meines Wissens nach dies sogenannte "Tiefwasserschicht", d.h. die Schicht in der kein Sonnenlicht ankommt. Im Artikel wird beschrieben, dass dort viele Lebewesen sterben, WAS AUCH GUT SO IST. In dieser Schicht leben viele Destruenten, also Bakterien, die abgestorbene Pflanzen/Tiere zersetzen um z.B. Mineralstoffe in deren Körper wieder in den Stoffkreislauf einzubringen. Das nun in dieser Schicht viele tote Lebewesen sind, ist also notwendig, um besagte Mineralien für andere Lebewesen wieder nutzbar zu machen. Das sich nun in der Trophogenen Schicht viel Leben befindet ist normal, da dort die Pflanzen durch Photosynthese Energie gewinnen und überleben können.

Außerdem wird berichtet, dass im Winter viele Pflanzen/Tiere sterben. Diese Aussage ist nicht grundsätzlich falsch, aber denk mal selbst nach : Wenn ein einzelner Winter das Leben in einem See angeblich so bedroht, wie hat er denn die letzten paar Tausend Winter überstanden? (Tipp : Die Lebewesen sind auf sowas natürlich eingestellt, denk mal an z.B. Winterruhe/Winterschlaf/Winterstarre)

Alles in allem werden in dem Artikel weniger ein "sterbender See" beschrieben, als vielmehr ein funktionierendes Ökosystem

Antwort
von Grobbeldopp, 23

Der Artikel stellt folgendes dar:

- Die Sterberate "DER TIERE" in "DER TROPHOLYTISCHEN SCHICHT" sei gestiegen. Das ist ja weltweit betrachtet kaum eine sinnvolle Aussage. Also selbst wenn es statistisch gesehen so wäre (ist es z.B. in Deutschland nicht) hat das doch keine Aussagekraft. Es gibt sehr viele Seen.

Die Begründungen dafür sind jetzt aber totaler Unsinn:

"aufgrund der fehlenden Sonneneinstrahlung und somit einer negativen Nährstoffbilanz ist ein Pflanzenwachstum in dieser Schicht nicht mehr möglich":

Das ist alles von hinten nach vorne. Ein Pflanzenwachstum ist nicht mehr möglich NUR wegen der fehlenden Sonneneinstrahlung und NICHT wegen einer negativen Nährstoffbilanz. Eine "negative Nährstoffbilanz" ist meines Wissens kein Fachbegriff, enthält aber einen Zeitfaktor. Es müsste also die "Nährstoffmenge" gegen Null gehen, wenn ständig die "Nährstoffbilanz" negativ wäre. Dem ist offensichtlich nicht so. Es gelangen durch absinkende tote Tiere, Pflanzen usw. mehr oder weniger "Stoffe" ins tiefere Wasser.

"Es gibt keine Sauerstoffproduktion mehr der sichere Tod für alle Organismen"

...außer anaerobe Organismen (offensichtlich keine Tiere). Das ist kompletter Quatsch, denn dann wäre wenig Licht im Tiefenwasser die Ursache für das Tiersterben. Das Tiefenwasser hat aber immer wenig Licht. Was soll da also neu dran sein, wie soll die Situation denn schlimmer werden?

Außerdem ist der Sauerstoffgehalt im Wasser keineswegs nur von der Produktion der Pflanzen abhängig. Wenn es nicht z.B. zu massenhafter Bakterienbildung aufgrund von großen Mengen absinkender "Leichen" etc kommt ist das Tiefenwasser nicht sauerstoffarm.

Weiter wird behauptet, in der trophogenen Schicht würden deshalb Tiere überleben, weil dort mehr Nährstoffe gebildet als verbraucht werden. Das kann nicht der Fall sein und wäre nicht gut, die trophogene Schicht würde ja endlos eutrophieren. Tatsächlich stehen ja die einzelnen Tiefenzonen im See nicht ohne Wechselwirkungen nebeneinander, sondern Wasser vermischt sich, Totes sinkt zum Grund usw.

Was das mit dem Winter soll verstehe ich nicht. Glaubt der Artikelschreiber, dass der Winter nach und nach alles umbringt? Offensichtlich argumentiert er tatsächlich, dass weniger Sonneneinstrahlung an sich schlecht für Seen ist, auch für die trophogene Zone. Tatsächlich nimmt die Photosynthese und Biomasseproduktion bei wenig Licht zwar ab, aber es gibt Tiere die daran angepasst sind (sowohl an schattiges Flachwasser als auch an Tiefenwasser) und selbstverständlich werden auch lichtarme Phasen wie Winter überstanden.

Ein echtes Problem für Seen können Erwärmung, Eutrophierung und teils Massenvorkommen von Neophyten sein, die tatsächlich sauerstoffarmes Tiefenwasser verursachen (durch starke Veratmung von Sauerstoff am Grund)


Antwort
von apis123, 13

Hallo, :) 

Ich bin zwar kein Spezialist auf diesem Gebiet aber ein paar merkwürdige Dinge fallen mir in diesem Artikel auf. Zum einen ist schonmal das sonosynthese falsch. es ist Photosynthese gemeint, aber das hast du sicher auch schon erkannt :)

Die Fische in der tropholytischen Schicht sterben aber nicht dadurch das dort keine pflanzen wachsen, denn das ist ganz normal. Pflanzen wachsen eher in den belichteten Schichten und normalerweise gibt es einen nahrungskreislauf. Pflanzen setzen Sauerstoff frei und produzieren Glucose durch lichtenergie wovon sich dann kleine Tierchen ernähren und von denen ernähren sich dan die größeren Fische. Diese sterben irgendwann genau wie die kleinen Tierchen und die Pflanzen und werden dann von Mikroorganismen zersetzt, wobei wieder Nährstoffe für die Pflanzen freigesetzt werden. Die ganzen abgestorbenen organischen Dinge werden Biomasse  genannt. Durch einen zu hohen phosphorgehalt im Wasser, der zum Beispiel durch Düngemittel der Landwirtschaft verursacht wird kann es passieren dass die Pflanzen oder eher die Algen immer mehr wachsen und irgendwann das ganze Wasser damit voll ist. Man könnte denken dass das eigentlich gut ist weil dann ja viel Biomasse zum verwerten entsteht und für die Bakterien und Mikroorganismen trifft das auch zu. Nur zersetzen diese die Biomasse unter Sauerstoff Verbrauch. Weil so viel  Biomasse da ist die Mikroorganismen so viel zu verwerten haben verbrauchen sie den ganzen Sauerstoff der im Wasser zur Verfügung steht und die Fische die auch Sauerstoff für die Atmung brauchen sterben ab. :/ 

Man nenn das "umkippen" eines Gewässers. 

Zurück zum Text. 

Im Winter wenn das Wasser gefriert sind am grund des Sees immernoch 4°C. Bei dieser Temperatur ist die Dichte es Wassers am höchsten und man nennt das Anomalie es wassers. Da wasserlebewesen wechselwarme Lebewesen sind können Sie Ihre Temperatur der der Umgebung anpassen ohne zu sterben. Sie fahren dabei ihren Stoffwechsel total runter so das sie nur noch gaaanz wenig Sauerstoff verbrauchen und den ganzen Winter von ihren reservestoffen im Körper Leben können. ( Ich weiß nicht vllt schwimmen sie auch noch bisschen rum ich kann mir sonst eisfischen nicht erklären) 

Somit ist der letze Rest im Artikel auch Quatsch. 

Ich hoffe ich konnte bisschen helfen. Ist echt ein interessantes Thema ist mir grade bewusst geworden. :D

Fürs  Umkippe des Gewässers kannst du ja mal bei Wikipedia gucken, da ist das ganz gut erklärt. 

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