Frage von speedakaspeedy, 62

Zeitreise mittels Würmlöcher, ich versteh es irgendwie nicht!?

Also ich habe grad in einer Doku gesehen das Zeitreise mit hilfe von Wurmlöchern möglich wären. Ich weiß um die allg. Probleme, also das es noch nicht gelungen ist Wurmlöcher usw. überhaupt nachzuweisen.

Mein Problem liegt auch mehr im grundlegenden Verständis des Gedankenexperiment. Man sagt man habe 2 Wurmlöcher auf der Erde. Mit dem einen fliegt man mit 99,9% der Lichtgeschwindigkeit durch den Weltall und kommt irgendwann wieder auf die Erde zurück. Durch die Zeitdilatation am Ereignishorizont ist das Wurmloch was auf die Erde zurück kommt nur um Wenige Jahre gealtert, das (Erd)Wurmloch um sagen wir mal 500 Jahre gealtert. Nun hat man in der Doku gesagt wenn ich nun in das Erdwurmloch im jahr 2500 gehe komm ich wieder ins Jahr 2000. Und genau da liegt mein Problem, denn wenn ich doch in das 2500er Tor gehe komme ich zwar aus dem Raumschiffwurmloch raus aber doch auch wieder im jahr 2500 weil ich mit dem Wurmloch ja im Jahr 2500 angekommen bin. Die beiden Wurmlöcher stehen jetzt wieder nebeneinander, mit dem alters Unterschied von 500 Jahren. Ich verstehe nicht wieso ich irgendwie aus dem Wurmloch im Jahr 2000 rauskommen soll. Das würde ja heißen, dass die beiden Wurmlöchen im jahr 2500 nicht mit einander Verbunden sind. Aber das müssten sie, denn wenn ich zu irgendeiner Zeit in das Erdwurmloch gehe z.b 2250 kommt ich auf dem Raumschiff raus was gerade mit dem Wurmloch durch die Gegend fliegt. Wenn ich mit diesem Schiff jetzt anhalt und zur Erde gehe ist dort das Jahr 2250. Auch wenn auf dem Raumschiff während des Fluges die Zeit langsamer vergeht und dort vielleicht erst 2 Jahre vergangen sind also erst 2002 wäre, ist es doch immoment wo es anhält quasi im Jahr 2250.

Sry war bisschen viel, aber vielleicht hat ja schonmal jemand den selben Hänger gehabt und kann mir weiterhelfen xD

Antwort
von grtgrt, 34

Was Wurmlöcher sind, wird recht verständlich beschrieben in Notiz http://greiterweb.de/zfo/SLoch.htm#msgnr0-92 (siehe dort insbesondere das Bild zweier Wurmlöcher gegen Ende jener Notiz).

Wir sehen also: Jedes Wurmloch ist nichts anderes als ein Paar Schwarzer Löcher, die sich mit dem Ende ihres trichterförmigen Schnabels "küssen" mit dem Effekt, dass der Weg durch den Schnabel, den ein in eines dieser Löcher gefallenes Objekt zwangsläufig nehmen muss, nicht mehr unendlich lang ist, sondern stattdessen im gegenüber liegenden Schwarzen Loch endet.

Der Pfiff ist nun aber: Nichts, was sich im Trichter eines Schwarzen Lochs befindet, kann daraus entkommen. Der gesamte Raum, der sich im Inneren des Ereignishorizonts eines Schwarzen Lochs befindet, ist eine Welt für sich, in die man aus der Umgebung des Lochs zwar kommen, die man aber nie wieder verlassen kann.

Damit ist auch das Innere eines Wurmlochs, eine Welt, aus der man nicht wieder entkommen kann (sie ist entstanden, da sich durch den "Kuss" der beiden Schnäbel zweier Schwarzer Löcher eine Tür ergeben hat, durch die man aus dem Inneren eines der beiden Löcher in das Innere des jeweils anderen gelangen kann.

Zeitreisen sind dadurch aber ganz offensichtlich nicht möglich. 

Kommentar von grtgrt ,

Dass sich Wurmlöcher grundsätzlich in der beschriebenen Weise als Paar Schwarzer Löcher vorstellen lassen, ist wohl nicht richtig. 

Kommentar von grtgrt ,

Es gibt andere Möglichkeiten, die aber - wenigstens ihrer Konsequenzen nach - weit schwieriger zu verstehen sind.

Kommentar von grtgrt ,

In http://flar.phsk.net/physik/astro/schw_loch/SchwarzeLoecher.pdf lies man auf Seite 62:

Albert Einstein hat zusammen mit Nathan Rosen die Möglichkeit der Existenz solcher Tunnel unter der Annahme einer starken Raum-Zeit-Krümmung bewiesen. Das Wurmloch besteht hier aus zwei Schwarzen Löchern, die durch die (heute so genannte) Einstein-Rosen-Brücke miteinander verbunden sind. Mathematische Lösungen der Relativitätsgleichungen lassen solche Raumzeit-Brücken durchaus zu, jedoch unter Annahmen, die vielleicht niemals im Universum existiert haben.

Kommentar von grtgrt ,

Dass die hier zitierte Erklärung der Einstein-Rosen-Brücke (als sich "küssendes" Paar Schwarzer Löcher) nicht richtig ist, wurde mir klar, nachdem ich das Kap. 14 aus Kip Thorne's Buch: Gekrümmter Raum und verbogene Zeit gelesen hatte. 

Dort nämlich wird erklärt, dass man unter (bisher nur mathematisch in Lösungen von Einsteins Feldgleichung entdeckter) Wurmlöcher ein Paar sich "küssender" trichterförmiger Singularitäten versteht, die sich insofern von Schwarzen Löchern ganz gravierend unterscheiden, als

  • der Weg durch den Trichter eines Schwarzen Lochs eine Einbahnstraße ist
  • der Weg durch die beiden Trichter eines Wurmlochs aber in beiden Richtungen durchschritten werden kann.

Wie Thorne's Rechnung aber gezeigt hat, "küssen" sich diese beiden Singularitäten zuzusagen nur im Vorbeigehen, so dass die "Tür" zwischen den beiden Trichtern nur extrem kurze Zeit - wenn nicht überhaupt nur einen einzigen Augenblick - geöffnet ist.

Astronomen konnten bisher nichts entdecken, was man als Wurmloch in diesem Sinne hätte verstehen können.

Kommentar von grtgrt ,

Man liest dort insbesondere:

If [ worm holes ] exist at all, they need large amounts of negative mass to hold them open and stop them from collapsing. (Negative mass is not anti-matter, it's a region where the energy of the universe is less than that of ordinary vacuum. We can get small amounts of negative energy in the laboratory (the Casimir effect), but getting the large amounts needed to hold a decent size Lorentzian wormhole open looks to be hopeless with current technologies. 

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