Zeit ist die Bewegung in Richtung zunehmende Entropie, aber was bedeutet das?

... komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Josef Hohnerkamp - Prof. em. für Theoretische Physik - schreibt, Entropie sie uns fehlendes Wissen über den Microzustand eines Physikalischen Objekts.

Mit Zeit hat Entropie als zunächst rein gar nichts zu tun.

Zeit passiert, wo sich Veränderung ergibt (Atomuhren etwa messen die Zeit anhand sich ständig abwechselnder Schwingungszustände eines Atoms).

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von whuiapefhaurgqp
22.02.2016, 12:47

Ich hab den spruch (aus der frage) mal irgendwo gehört.

ich denke er ist so gemeint, dass sich mit der zeit zwangsläufig die entropie erhöht... oder eben der direkte umkehrschluß daraus ^^

0
Kommentar von grtgrt
22.02.2016, 13:01

Wo Leute Entropie mit der Zeit in Verbindung bringen, denken sie an den sog. Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik. 

Der sagt

  • schlampig formuliert: Die Entropie eines in sich abgeschlossenen, sich selbst überlassendem Systems sehr vieler Teilchen kann mit der Zeit nur zunehmen.
  • wirklich gemeint ist (genau formuliert): Gerät das System aus einem Zustand A in einen Zustand B, so wird mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit der neue Zustand B einer sein, der wahrscheinlicher ist als der dadurch zusammengebrochene Zustand A.
0

Deine Frage ist so kurz gar nicht zu beantworten, da sie zur Zeit auch Gegenstand der größten wissenschaftlichen Revolution seit Newton ist.

In Kürze:
Innerhalb der klassischen Physik ist die Zeit eine grafische Komponente, die 4. Dimension. Innerhalb der klassischen Physik, die deterministisch und reduzibel ist,  gibt es keine Irreveribilitäten. Zeit kann in den Gleichungen vorwärts und rückwärts laufen. Innerhalb der klassichen Physik gibt es dann Bemerkungen wie:

Einstein: "Es gibt keine Irrevesibiltäten. Der 2. HS der Thermodynamik ist lediglich der Grobkörnigkeit des Universums geschuldet."

Hawking: "Zeit ist nur eine Illusion."

Honerkamp: "Entropie ist fehlendes Wissen über den Mikrozustand"

Die klassiche deterministische Physik findet nahe des Thermodynamischen Gleichgewichtes statt. Mit dieser Physik kann man aber weder Selbstorganisation, Leben oder Bewusstsein erklären.

Die klassische Physik wurde von Ilya Prigogine im Rahmen seiner Theorie Dissipativer Strukturen für Fälle fernab des Thermodynaischen Gleichgewichtes erweitert. Dafür erhielt er 1977 den Nobelpreis. In diesem Zusammenhang führte er die thermodynamische Zeit ein, die ein reales Phänomen darstellt und er zeigte auch, dass der 2. Hauptsatz der Thermodynamik nicht einem Unwissen geschuldet sei sondern naturgesetzlichen Charakter hat.  
Bei dynamischen und komplexen Vorgängen hängt die Geschwindigkeit, mit der die thermodynamische Zeit abläuft, von der Entropieproduktion des Ereignisses ab. Da Entropie immer nur erzeugt, aber nie vernichtet werden kann, kann der thermodynamische Zeitpfeil auch nur in eine Richtung verlaufen. Zeitreisen in die Vergangenheit werden dadurch unmöglich. Statt "Entropieproduktion" kann man auch sagen, "das Maß, mit dem wertvolle Energie (Exergie) entwertet wird", denn das ist proportional zur Entropieproduktion. Bei der Rechnung mit dem entropieabhängigen Zeitpfeil spielt der Ljapunov-Exponent eine entscheidende Rolle.
In der Nähe des Thermodynamischen Gleichgewichtes wird die thermodynamische Zeit als Grenzfall zur kosmologischen Zeit der deterministischen Physik.

Prigogine hat deswegen eine Revolution ausgelöst, weil nun viele Vorgänge in Biologie, Gesellschaftswissenschaften, Humanwissenschaften, Hirnforschung etc. physikalisch erklärt werden können.

Einstein hatte zum Ende seines Lebens eine Ahnung davon bekommen, dass es doch echte irreversible Vorgänge geben könnte.

Hawking hat inziwschen einige Aussagen zur deterministischen Zeit zurückgenommen und hat sich in seinen "Eine kurze Geschichte der Zeit" ist daher überholt, da selbst Hawking nicht mehr komplett dazu steht.

Honerkamp schrieb schon emeritiert ähnliches, auch der hat seine Meinung geändert: "Die Komplexität der Welt ist also für den Zeitpfeil verantwortlich. Wir bezahlen unsere Vorteile aus der Komplexität, nämlich Leben -- ja, Bewusstsein -- mit dem Vergehen der Zeit in eine Richtung, mit dem Altern.
Ein einzelnes Elektron altert nicht. Es hat nicht viele Möglichkeiten, nicht viele Ausgangssituationen, und jede kann leicht hergestellt werden, wenn sie sich nicht von alleine ergibt. Diese Möglichkeit der Zeitumkehr auf der Ebene der elementaren Teilchen ist also etwas natürliches, ebenso natürlich wie die Zeitlichkeit komplexer Systeme."

Die Primärquelle zum neuen Zeitbegriff kannst du hier nachlesen:

www.schlaefendorf.de/literatur/prigogine

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Entropie ist eine mengenartige Größe. Man kann sagen, ob viel oder wenig Entropie in einem Körper enthalten ist. Über die Entropie gilt ein halber Erhaltungssatz: Entropie kann man erzeugen, aber nicht mehr vernichten. Insofern hat die Entropie natürlich schon mit der Zeit zu tun, aber ich frage mich, was das bringen soll? Jedenfalls nichts, um irgendwie eine Zeitrichtung zu definieren. Denn wenn du dir irgendeinen Raum anschaust und dort die Entropie misst, und dann herausbekommst, dass die Entropie abgenommen hat, was weißt du dann: Die Zeit ist rückwärts gelaufen? Natürlich nicht, sondern, dass die Entropie nach draußen geflossen ist (durch Wärmeabfluss aus dem System). Wie gesagt, mir erschließt sich der Sinn dieses Vergleichs nicht.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von PWolff
21.02.2016, 22:54

In einem abgeschlossenen System kann Entropie nicht nach außen abfließen, also muss jede Entropiezu- bzw. -abnahme durch Prozesse innerhalb des Systems erfolgt sein.

1

Die Entropie ist insofern für eine Wahrnehmung von einer sich nach vorn bewegende Zeit verantwortlich, weil die Entropie in sich den Verlust von (nützlicher) Information darstellt.

Definition von "nützlicher Information" ... nun so was hat nur Sinn in einem idealistischen Weltbild. Im Materialismus wird das nicht akzeptiert, bzw geht völlig gegen deren Axiom.

Nützlich ist alles was Leben ermöglicht.

Strukturen sind nützliche Informationen. ATP als Energiequelle in den Muskeln z.B. hat eine Struktur. Bei der "Verbrennung" geht diese Struktur verloren. Aber auch die Verbrennung, bzw die Zerstörung ist wichtig für Leben. Also kann man behaupten, dass beides ... die Struktur und die Auflösung der Struktur sowie der Wiederaufbau durch Nahrungsaufnahme notwendig sind. Im diesem Sinne ist nicht allein die Struktur wichtig sondern der gesamte Prozess.

Da viele Wissenschaftler zu reduktionistisch denken, verpeilen sie die Tatsache das die Entropie doch nur Teil eines Gesamtprozesses ist.

Darin ist Zeit Teil des Gesamtprozesses.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?