Frage von wolfi21,

Zahnwurzelentzündung, aber keine Schmerzen

liebe Freunde mein unterer linker Backenzahn hat wohl eine Zahnwurzelentzündung. Vor Jahren, behandelte der Zahnarzt und tötete die Wurzeln ab. Letztens war ich beim Zahnarzt, da ein Stück von der Füllung abgebrochen war und er meinte, da ist eine kleine Entzündung zu erkennen. Doch ich habe das seit Jahren und es stört mich nicht. Ich merke es gar nicht. Nur manchmal pocht es ganz kurz mal und dann einige Monate wiederum gar nichts. Jetzt sagt er, ich soll zum Chirurgen und diese Wurzelspitzblahblah machen lassen, doch ich möchte diese Behandlung nicht, da ich keine Lust auf eine Naht habe. Soll ich den Zahn einfach ziehen lassen? Mich stört es nicht, habe auch keine Angst davor! Oder kann der Zahn so bleiben? Es stört mich wirklich nicht??

Hilfreichste Antwort von dormuth,
4 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Du darfst hier keinesfalls nach deinem subjektiven Empfinden der derzeitigen Schmerzfreiheit urteilen! Die Angabe, dass es gelegentlich kurz pocht und dann wieder lange Zeit nichts zu bemerkrn ist, ist typisch für die bei dir mit Sicherheit vorhandene CAP (d.h.Chronische Apikale Parodontitis und ist eine chron. Entzündung um die Wurzelspitze). So etwas passiert mit ca. 20-30% der Zähne nach handelsüblichen Wurzelbehandlungen, welche allesamt nur einen Versuch darstellen, den betreffenden Zahn nach der Nerventfernung kaufähig zu erhalten. Leider misslingt dieser Versuch aus mannigfaltigen Gründen, die zu erklären hier zu weit führen würde. Dann entsteht halt diese im Röntgen sichtberen Entzündungsherde. Diese verschwinden mit Sicherheit nicht, sondern werden größer, wobei die Schmerzhäufigkeit (Pochen), später vor allem nach heißen Getränken und auch spontan auftreten werden und im Endstadium überhaupt nicht mehr verschwinden. Meist bist du den Zahn dann los, wobei aber zwischenzeitlich der Kieferknochen um die vereiterten Wurzeln so stark zerstört sein wird, dass auch eine Implantation ausscheidet. Folgende Möglichkeiten hast du heute:

  1. Revision der seinerzeit durchgeführten Wurzelbehandlung durch einen dafür geeigneten Endodontie-Spezialisten auf einer dafür ausgerüsteten Klinik(möglichst mit Operations-Mikroskop!). Erfolgsquote u.U. hoch!!!
  2. Wurzelspitzenresektion: dabei wird der kranke Teil der Wurzelspitze abgeschnitten. Erfolgsquote: u.U. ein wenig höher als unter Pkt.1. Allerdings hinterlässt die Zugangsfräsung durch den Knochen bis zur Wurzelspitze im UK einen relativ großen Defekt, der eine ev. trotzdem nötige Implantation nach Zahnverlust erschwert. Außerdem verliert der Zahn nach der Wurzelkürzung mit Sicherheit ein wenig von seiner Stabilität im Kieferkamm.
  3. Guter Rat nach 30 Jahren Erfahrung als Zahnarzt: Zahn entfernen lassen, solange er den Kiefer nicht zu sehr geschädigt hat. Die Entzündung ca. 3-6 Monate ausheilen lassen. In dieser Zeit durch Tragen einer kleinen Schiene die Kippung eines ev. hinteren Nachbarzahnes nach vorne in die Lücke verhindern. Dann ein Implantat setzen und eine Krone drauf. Das ist im zeitalter der Implantologie das sinnvollste Mittel der Wahl und ist einer 3-stelligen Brücke schon deswegen vorzuziehen, wel man nicht die beiden Nachbarzähne nicht als Pfeilerkronen beschleifen muss.
  4. Keinesfalls warten, bis alles schmerzt und vereitert ist - so eine chron. Entzündung belastet den gesamten Körper (Herz, Niere, Gelenke,...) und dein Immunsystem!

Dormuth, Wien

Kommentar von wolfi21,

oh vielen Dank für die ausführliche Antwort. Was ist wenn man ihn zieht? Ich habe ja eine Schiene, hilft die dann? Wie soll ich dann auf der Seite kauen? Gewöhnt man sich dann einfach an den Zahn davor?

Kommentar von dormuth,

Wenn der Zahn leicht zu extrahieren ist (gerade Wurzeln!), hast du nach dem Ziehen maximal 1-2 Tage leichteste Beschwerden. Sollten schwierigere Wurzelverhältnisse vorliegen (z.B. alle 2 Wurzelstöcke gekrümmt), sollte der Zahn geteilt und jede Wurzel vorsichtig einzeln herausgehoben werden. Über die Wurzelverhältnisse gibt das Röntgenbild Auskunft. Je schonender der Zahn entfernt wird, umso bessere Verhältnisse herrschen dann für eine mögliche Implantation! Die um die Wurzelspitze herrschende Entzündung muss nach der Zahnentfernung aus dem Kieferknochen peinlich genau "herausgekratzt" werden. Das tut jeder gewissenhafte Zahnarzt. Da du hier sicher eine Spritze bekommst, ist der ganze Vorgang weitestgehend schmerzlos. Keine Angst! Du wirst in den nächsten Tagen besser auf der anderen Seite kauen, in wenigen Tagen wird sich aber wieder vieles normalisieren, weshalb du auch wieder die andere Seite mitbenützen können wirst. An die Zahnlosigkeit an der Stelle darfst du dich allerdings keineswegs als Dauerzustand gewöhnen!!! Folgen wären: Der Antagonist im OK würde haltlos in die bestehende Lücke im UK vorwachsen und elongieren, außerdem würde der hinter der Lücke stehende Mahlzahn nach vorne kippen. Das, was der Zahnarzt "Biss" nennt, wäre dann massiv gestört und in weiterer Folge würden deine Kiefergelenke einen nicht wieder gut zu machenden Schaden erleiden. Der fehlende Zahn MUSS ersetzt werden!!!! Am besten durch ein Implantat mit Krone - daran wird kein Weg vorbeiführen. Dormuth

Antwort von sampoli,

Entzündungen im Körper sind immer schlecht. Lass das machen, bevor du noch mehr Probleme bekommst. Mag sein, dass du jetzt beschwerdefrei bist, aber fragt sich halt wie lange.

Zudem sind versteckte Entzündungen im Mundbereich oft Ursache von Herzklappenentzündungen.

Antwort von seelenwanderer,

Entscheidend für die weitere Zukunft dieses Zahns ist der Bereich des Wurzelkanals über der Wurzelspitze.- Wenn die Füllung des Wurzelkanals unzureichend ist und stellt sich das in mehreren Milimetern dar, kommt wirklich nur eine Wurzelspitzenkappung in Frage.Das bestimmt sich aber schließlich nur durch einen Vergleich zwischen Röntgenaufnahmen in einem Zeitabstand von 6 - 12 Monaten.- Verändert sich da unten nichts und kannst Du Beschwerden dort nicht provozieren (durch Aufbeißen oder Wärme), kannst Du noch warten.Die Naht ist unwichtig.

Kommentar von wolfi21,

bei mir hat sich die entzündung seit jahren nicht verändert

Antwort von Ladyfinger,

Wenn du erst einmal dauerhaft Schmerzen hast, dann es es zu spät.

An deiner Stelle würde ich schon ein Wurzelspitzenresektion machen lassen, dann bist du auf der sicheren Seite.

Da du oben schon schreibst, dass es manchmal "pocht" wird es in absehbarer Zeit wahrscheinlich noch schlimmer werden!

Toi, toi, toi und nur Mut und gute Besserung

Kommentar von wolfi21,

aber ich habe das schon seit glaube ich 7 jahren und nie hatte ich beschwerden :S

Kommentar von Ladyfinger,

Vielleicht hast du nur ein bißchen Glück. Irgendwann geht's los. Ich habe die Prozedur schon zweimal hinter mir und es war wirklich nicht schlimm. Gleich nach der Behandlung den Bereich kühlen (mein Zahnarzt hatte mir schon so Kühlpads gegeben), ein paar Schmerztabletten und nach zwei Tagen war's schon vergessen. Eine Narbe sehe ich gar nicht. Das verwächst sehr schnell wieder.

Antwort von Babsi2404,

Ich hatte bereits 2 x eine Wurzelspitzenresektion und es ist wirklich auszuhalten. Vor allem eine davon war wirklich harmlos. Die Naht stört auch nicht. Bei der Entscheidung, ob Du es machen sollst, oder nicht, mußt Du bedenken: Die Entzündung kann jederzeit "virulent" werden. D.h., dass Du so starke Schmerzen bekommst, dass Du wirklich sofort eine Behandlung benötigst. Und dann bist Du vielleicht gerade im Urlaub und dann --> viel Spaß. Ausserdem ist eine Entündung im Körper unbehandelt immer schlecht. Kann sich auf ganz andere Dinge ausweiten, die Dir dann viel schlimmere Probleme bereiten. Vorschlag: hole Dir eine 2. Meinung, versuche die Behandlung eventuell erst mit Medikamenten und wenn es dann nicht weg ist, ab zur Behandllung.

Antwort von HoloH,

Warum fragst Du dann?

Kommentar von wolfi21,

weil ich gehört habe, dass eine entzündete Wurzel sich auf andere Organe im Körper auswirken kann. Stimmt das?

Kommentar von Babsi2404,

Ja, das stimmt (kann!)

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